Gasstreit geht in die nächste Runde:
Minsk will Transitpipelines notfalls anzapfen
- Gazprom-Chef Miller: Verhandlungen gescheitert
- Russischer Konzern verlangt 192 Mio. US-Dollar
Der Streit zwischen Russland und Weißrussland um offene Gasrechnungen hat sich verschärft. Weißrussland drohte Moskau mit einem Anzapfen der Transitleitungen nach Westen, sollte Russland Minsk den Gashahn zudrehen. Der russische Staatskonzern Gazprom kündigte für einen solchen Fall an, sein Gas unter Umgehung Weißrusslands durch die Ukraine nach Polen pumpen zu wollen.
Man werde die Verträge mit den westlichen Kunden erfüllen, sagte Gazprom-Chef Miller nach Angaben der Agentur Interfax. Zuvor waren Verhandlungen über den Streit erneut gescheitert. Gazprom verlangt von Minsk 192 Mio. US-Dollar (etwa 155 Mio. Euro). Durch Weißrussland führt eine der wichtigen Pipelines für russische Gaslieferungen an den Westen.
Gazprom verringert Lieferungen
"Gazprom ist bereit, die Lieferungen nach Weißrussland um 85 Prozent zu verringern", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Konzernspitze habe bereits eine entsprechende Anweisung unterschrieben. Moskau behalte sich eine Klage gegen seinen finanzschwachen Nachbarn vor, sagte der russische Vize-Regierungschef Setschin. Am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in der russischen Stadt St. Petersburg hatten die früheren Sowjetrepubliken zuvor mit verschärfter Tonlage vergeblich um eine Lösung gerungen.
Das autoritär geführte Weißrussland drohte, die Transitpipelines anzuzapfen, sollte Russland die Gaslieferungen tatsächlich drosseln. Moskau schulde Minsk für die Weiterleitung etwa 200 Millionen US-Dollar, sagte der weißrussische Vize-Energieminister Towpinez im Staatsfernsehen. Die Summen könnten verrechnet werden. Russland zeigte sich von dieser Darstellung empört. Moskau und Minsk hatten erst Anfang des Jahres einen neuen Liefervertrag für Gas vereinbart, den Weißrussland aus Sicht des mächtigen Nachbarn nicht erfüllt.
(apa/red)


