19.6.2010 16:58

Del Bosque im Kreuzfeuer der Kritik: Am
Stuhl des spanischen Coaches wird gesägt

  • 0:1 gegen Schweiz löst heftige Kontroversen aus
  • Team stellt sich hinter Spielweise & Nationaltrainer

Das 0:1 zum WM-Auftakt gegen die Schweiz hat gereicht, dass Spaniens Temachef Vicente del Bosque von manchen spanischen Medien in Frage gestellt wird. Die Sportzeitungen "Marca" und "As" bauschten in den vergangenen Tagen ein paar kritische Bemerkungen, die sie Del Bosques Vorgänger Luis Aragones entlockt hatten, groß auf, und schon war eine hübsche Polemik im Gange. Der Präsident des spanischen Fußballverbandes RFEF, Angel Maria Villar, stellte indes klar: "Ich habe vollstes Vertrauen in Vicente del Bosque. Er wird Teamchef bleiben. Egal, was passiert."

Villar wehrte jede Kritik am ehemaligen Coach von Real Madrid zurück und verstieg sich sogar in höchst bescheidene Ansprüche: "Ich würde es auch nicht als ein Scheitern betrachten, wenn wir das Achtelfinale nicht erreichen. Ich kenne das Wort Scheitern nämlich nicht." Die Spieler stellten am Wochenende ihrerseits klar, dass sie sich von den Medien nicht in einen heraufbeschworenen Streit zwischen Aragones und Del Bosque hineinziehen lassen wollen.

"Es ist normal, dass er als unser früherer Trainer seine Meinung äußert. Das macht derzeit doch jeder", hieß es laut "Marca" aus Spielerkreisen. In der Tat hatte Aragones auf Medien-Anfrage lediglich gemeint, dass "La Roja" gegen die Schweiz "ohne Überzeugung" gespielt habe und "das Problem" seiner Meinung nach eine längere Geschichte habe.

Zu viel euphorischer Optimismus?
Der "Weise von Hortaleza", der Spanien bei der EURO 2008 in Österreich zum EM-Titel geführt hatte, spielte damit offenbar auf den euphorischen Optimismus an, der in den vergangenen Monaten rund um die "Seleccion" geherrscht hatte. "Es hat aber noch niemand einen Titel oder ein Match gewonnen, ehe überhaupt angepfiffen wurde", meinte Aragones.

Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Honduras am Montag beharrten Xabi Alonso und Co. aber darauf, trotz des Desasters gegen die Eidgenossen ihrem Kurzpass-Spielstil treubleiben zu wollen. Der noch etwas rekonvaleszente Stürmerstar Fernando Torres ließ dabei sogar einen Schuss Sarkasmus aufblitzen: "Wir machen so weiter. Und wenn wir dabei sterben, dann sterben wir wenigstens auf unsere Art. Und nicht, weil wir irgendwelche komischen Sachen ausprobiert haben."
(apa/red)

19.6.2010 16:58
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