20.6.2010 08:42

Vom Amateurkicker zum Nationalhelden:
Didier Drogba ist mehr als nur ein Fußballer

  • Chelsea-Stürmer gilt in Afrika als große Heldenfigur
  • Beitrag zur Befriedung seiner Heimat Elfenbeinküste

Die überraschend schnelle Genesung von Didier Drogba bedeutet für die Fans der Elfenbeinküste mehr als nur die Rückkehr eines Schlüsselspielers. Der Kapitän ist in seiner Heimat eine Art Heilsbringer und Heldenfigur, und diese Verehrung bezieht sich bei weitem nicht nur auf seine fußballerischen Fähigkeiten.

Der Goalgetter, der heute gegen Brasilien trotz seines vor zwei Wochen erlittenen Ellbogenbruchs in der Startformation stehen dürfte, gilt als treibende Kraft im Versöhnungsprozess nach vielen Jahren Bürgerkrieg. Außerdem hat der 32-Jährige eine Stiftung ins Leben gerufen, ist UN-Goodwill-Botschafter für Aids-Projekte und ließ mit einer Werbegage von drei Millionen Euro ein Krankenhaus in der Elfenbeinküste erbauen. Nach dem afrikanischen Fußballer der Jahre 2006 und 2009 werden Kinder benannt, er ist Inspiration für Lieder und Gedichte und sogar Namensgeber für ein Bier.

All dies war noch nicht absehbar, als der nunmehrige Chelsea-Star im Alter von fünf Jahren von den Eltern zu seinem Onkel nach Frankreich geschickt wurde. Drogba begann als rechter Verteidiger beim Amateur-Club Levallois, seinen ersten Profi-Vertrag erhielt der Ivorer erst als 20-Jähriger beim Zweitligisten Le Mans.

Von Guincamp nach Marseille
Richtig durchgestartet ist Drogba als 23-Jähriger bei Guingamp. In seiner ersten Saison bei dem Club erzielte er 2001/02 in elf Ligue-1-Partien drei Tore, im Spieljahr darauf war er in 34 Auftritten schon 17 Mal erfolgreich. Olympique Marseille wurde auf den physisch starken Angreifer aufmerksam und ließ sich 2003 dessen Unterschrift sechs Millionen Euro kosten.

Diese Investition sollte sich schon bald amortisieren, denn ein Jahr später hatte Drogba 18 Mal in der Liga und 11 Mal im Europacup getroffen - der Einzug ins UEFA-Cup-Finale, die Kür zu Frankreichs Fußballer des Jahres 2004 und der Wechsel um 36 Millionen Euro zu Chelsea waren der Lohn.

Durchbruch in London
Auch in London stellte Drogba sofort seinen Torriecher unter Beweis. Mit 10 Toren in 25 Partien in seiner Debüt-Saison leistete der Ivorer einen wesentlichen Beitrag zum ersten Meistertitelgewinn der "Blues" nach 50 Jahren, außerdem holte er mit Chelsea auch noch den Liga-Cup und den Community Shield. Im Jahr darauf folgte die erfolgreiche Titelverteidigung und zuletzt im Mai der neuerliche Meistertitel. Außerdem führte der Ausnahme-Stürmer sein Land 2006 erstmals zu einer WM, wo allerdings nach der Gruppenphase Endstation war.

Bei so vielen Verdiensten haben die Ivorer ihrem Liebling sogar einen schweren Lapsus verziehen. Im Finale des Afrika-Cups 2006 vergab Drogba im Elferschießen gegen Ägypten einen Penalty, die "Elefanten" gingen schließlich als Verlierer vom Platz. Ein richtig schlechtes Gewissen bekam er aber, als ihn sein kleiner Sohn Isaac wegen der Schimpftiraden gegen Referee Tom Övrebö nach dem Champions-League-Aus 2009 gegen Barcelona rüffelte. "Er hat gesagt: 'Was du mit dem Schiedsrichter gemacht hast, war nicht in Ordnung.' Da habe ich Besserung gelobt."

(apa/red)

20.6.2010 08:42
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