20.6.2010 12:21

Schön spielen interessiert nicht mehr:
Niederlande entdecken den Ergebnisfußball

  • Niederländer als erstes Team fix im Achtelfinale
  • "Wir haben noch unseren besten Fußball zu zeigen"

Schön spielen war gestern. Die Niederlande stehen dank zweier glanzloser Arbeitssiege als erstes Team im Achtelfinale der Fußball-WM. Hatten die Oranjes in den vergangenen Turnieren ihre Gegner in der Gruppenphase noch schwindlig gespielt, um in der K.o.-Phase früh ins offene Messer zu laufen, so haben sie es in Südafrika offensichtlich geschafft, auch unansehnlich zu gewinnen. Das 1:0 gegen Japan war der beste Beweis dafür.

"Wir sind hierhergekommen, um Weltmeister zu werden. Das ist alles andere als leicht", erinnerte Teamchef Bert van Marwijk. "Ich würde es lieben, mit schönem Fußball zu gewinnen. Manchmal muss man aber auch mit gut organisierten Gegnern umgehen können." Die Japaner waren in Durban ein solcher gewesen, hatten die hochkarätig besetzte Offensive der Oranjes kaum zur Entfaltung kommen lassen.

Solostürmer Robin van Persie war lange isoliert, erst ein Schuss von Regisseur Wesley Sneijder unter kräftiger Mithilfe von Japan-Keeper Eiji Kawashima erlöste die Niederländer. "Das ist keine leichte WM. Wir haben noch unseren besten Fußball zu zeigen", gestand der Matchwinner, der bisher in beiden Partien zum Spieler des Spiels gewählt worden ist. "Sneijder ist der Mann für Oranje", schrieb die Zeitung "De Telegraaf" über den 26-Jährigen.

Defensive Schlüssel zum WM-Titel
Der Spielmacher von Inter Mailand vermochte den Niederländern aber auch lange Zeit nicht die nötige Inspiration zu geben. "Sie haben unsere Kreativspieler isoliert", erkannte Van Marwijk. Dafür zeigte sein Team die von ihm geforderte Stabilität in der Defensive, die ein Schlüssel zum WM-Titel werden soll - ein Paradigmenwechsel in Oranje, wo bisher stets der "Total Football" propagiert worden war.

Die Niederländer hatten wie schon gegen Dänemark den Ball kontrolliert. 61 Prozent Ballbesitz sprechen Bände. "Wir sind ein sehr ausgewogenes Team, das haben wir wieder gezeigt", meinte Defensiv-Abräumer Mark van Bommel. Der Schwiegersohn des Teamchefs ist nach einer Auszeit wieder zu einem wichtigen Leistungsträger im Team avanciert. "Bisher hat sich jedes Team an unser Spiel angepasst", erklärte Van Bommel. "Wir zwingen sie, das zu tun."

Robben bleibt weiter Bankdrücker
Das soll auch im abschließenden Gruppenspiel gegen Kamerun der Fall sein, wenngleich dort bereits einige Reservisten zum Einsatz kommen könnten. Superstar Arjen Robben wird nach seinem Muskelfaserriss aus Sicherheitsgründen allerdings weiterhin nur zuschauen, zumal die Niederländer auch bei ihrer neunten WM-Teilnahme bereits fix unter den letzten 16 stehen.

Japan steht dagegen ein echtes Endspiel gegen Dänemark bevor. Ob der besseren Tordifferenz reicht den Asiaten am Donnerstag (20.30 Uhr) in Rustenburg bereits ein Remis, um zum zweiten Mal nach der Heim-WM 2002 ins Achtelfinale einzuziehen. "Die Spieler sind derzeit ein wenig geschockt. Aber es gibt keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Wir müssen gegen Dänemark wieder alles geben", erklärte Teamchef Takeshi Okada, der vor der WM mit seiner Ansage, das Halbfinale zu erreichen, für Aufsehen gesorgt hatte.

(apa/red)

20.6.2010 12:21
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