15.6.2010 15:44

Nach der bitteren Niederlage gegen Japan: Alarmstimmung in Kameruns Mannschaft

  • Coach Le Guen gerät bereits gehörig unter Druck
  • "Was muss man Ihnen geben, damit sie mal siegen?"

Kameruns Fußball-Teamchef Paul Le Guen steht nach der 0:1-(0:0)-Niederlage im WM-Spiel gegen Japan massiv unter Druck. Die Medien des Landes kritisierten ihn scharf, bereits die Pressekonferenz nach dem Match in Bloemfontein glich einem Tribunal. So stellte ihm ein Journalist "für das kamerunische Volk" drei Fragen, unter anderem warum er eine so miserable Taktik gewählt habe. Und ein anderer rechnete ihm vor, viel Geld, Erste-Klasse-Flugtickets und ein tolles Teamquartier vom westafrikanischen Land bezahlt bekommen zu haben. "Aber was muss man Ihnen noch geben, damit Sie mal gewinnen?"

Le Guen behielt in dieser Situation die Ruhe. Der Franzose kritisierte zwar seine Spieler ("Sie haben nicht gezeigt, was sie können"), aber er fiel nicht über sie her. "Wir müssen jetzt gegen Dänemark gewinnen, das wissen wir", meinte Le Guen, während um ihn herum kamerunische Fans und Medienvertreter von einem Extrem ins andere fielen. Die neue Alarmstimmung hat die überschwängliche Erwartungshaltung nahtlos abgelöst: Denn eine Mannschaft mit Starspielern wie Samuel Eto'o von Champions-League-Sieger Inter Mailand oder Alexandre Song von Arsenal muss doch bei einer WM auf dem eigenen Kontinent etwas reißen, hatte die gängige Meinung vor Turnier-Beginn gelautet.

"Unzähmbare Löwen" lust- und einfallslos
Doch gegen Japan spielten die einst "Unbezähmbaren Löwen" dann so lust- und einfallslos, dass es nun schon ein kleines Wunder braucht, um noch das angestrebte Achtelfinalziel in den beiden restlichen Spielen gegen Dänemark und Gruppenfavorit Niederlande zu erreichen. Anlass zur Sorge gab auch der Kommentar von Kapitän Eto'o nach der Auftaktniederlage gegen Japan. "Wir haben vom Anfang bis zum Ende ein gutes Spiel gemacht und dominiert", lautete die realitätsfremde Analyse des Superstars nach einem Match, das für viele neutrale Beobachter das bisher schlechteste der WM in Südafrika war.

Eto'o bleibt Kameruns größte Hoffnung
Trotzdem bleibt Eto'o Le Guens größte Hoffnung und größtes Problem zugleich. Er ist sein mit Abstand bester Spieler, lieferte Kritikern wie Altstar Roger Milla mit seiner Leistung gegen Japan aber neue Munition, spielt er doch im Nationalteam schon wieder deutlich schwächer als bei seinem Club Inter, was aber auch mit seiner Position zu tun haben dürfte. So warfen Kameruns Medien Le Guen vor, Eto'o auf der Rechtsaußen-Position zu verschenken. Neben der Nicht-Berücksichtigung von Alexandre Song war das der Hauptkritikpunkt am Trainer. Nach einem Bericht der Zeitung "Le Messager" hat Le Guen Song übelgenommen, dass der sich mit seinem Onkel Rigobert solidarisierte. Den setzte der Trainer als Kapitän der "Löwen" ab. Gegen Japan schmorten deshalb beide Songs nur auf der Bank.

Spieler können Ruder noch herumreißen
Mit einer zentraleren Position für Eto'o und dem Einbau des dynamischen Alexandre Song bleiben Le Guen so einige Optionen, um das vorzeitige WM-Aus noch abzuwenden. Beides könnte Kameruns Spiel genau die Impulse geben, die ihm gegen Japan so offenkundig fehlten. Le Guen hat die Hoffnung jedenfalls nicht aufgegeben und ist überzeugt, dass seine Spieler das Ruder noch herumreißen können. "Ich glaube an sie. Sie sind für die Zukunft und Gegenwart von Kamerun sehr wichtig", betonte der Teamchef. Auch wenn das über ihn selbst zurzeit wohl niemand sagt in Kamerun.

(apa/red)

15.6.2010 15:44
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