15.6.2010 12:32

"Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen":
Niederländer nach Auftakt-Sieg erleichtert

  • Trainer Van Marwijk warnt aber vor Überheblichkeit
  • Dänemark: Trost für den Unglücksraben Poulsen

Nach dem erfolgreichen Start in die Fußball-WM in Südafrika war im Lager der Niederländer große Erleichterung zu spüren. Die als Mitfavorit gehandelten "Oranjes" mühten sich am Montag in ihrem Auftaktspiel im Soccer City Stadium von Johannesburg zu einem 2:0-Sieg über Dänemark und dürfen nun schon auf das Achtelfinale schielen.

"Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Das erste Spiel ist immer schwer und ein guter Auftakt ist extrem wichtig", erklärte Teamchef Bert van Marwijk. Wirklich zu glänzen vermochte seine "Elftal" zwar nicht, dies führte der Coach aber auch auf die defensive Spielweise des Gegners zurück. "Nach der ersten Hälfte waren wir frustriert. Wir wollten schönen Fußball spielen, doch der Gegner ist sehr tief gestanden, und außerdem haben wir zu viele Fehler gemacht. Nach der Führung hat man dann gesehen, was wir können. Da hätten wir noch ein, zwei Tore mehr machen können."

Trainer warnt vor Überheblichkeit
Nun will der 58-Jährige vor allem darauf achten, dass in seiner Mannschaft nicht der Übermut Einzug hält. "Wir spielen guten Fußball, sind kreativ und wissen, was es heißt, Favorit zu sein. Aber ich habe das schon 100.000 Mal gesagt: Manchmal sind wir arrogant und manchmal kann uns das zum Nachteil werden. Vom ersten Tag an habe ich meine Spieler gewarnt, dass sie nicht in diese Falle tappen dürfen", erklärte Van Marwijk, dessen Kapitän Giovanni van Bronckhorst zu seinem 100. Länderspiel-Einsatz kam.

Ein weiterer Schlüsselspieler der Niederländer musste die Partie von der Bank aus mitverfolgen. Bayern-Star Arjen Robben war nach einer Muskelverletzung noch nicht ganz fit, wäre aber laut Van Marwijk auch gar nicht wirklich gebraucht worden. "Wir haben 2:0 gewonnen, also kann man nur schwer sagen, dass wir ihn vermisst haben. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der in einem Match den Unterschied ausmachen kann, aber von dieser Sorte haben wir mehrere."

Seinem dänischen Kollegen Morten Olsen fehlte hingegen ein Kicker von herausragender Klasse. Goalgetter Nicklas Bendtner war nicht fit ins Spiel gegangen und musste vorzeitig wieder vom Platz, und ohne den Arsenal-Legionär konnten die Skandinavier die Niederländer nicht mehr in Bedrängnis bringen. "Unsere Niederlage war verdient", gestand der Coach.

Trost für den Pechvogel
Allerdings ärgerte sich der 60-Jährige über die Art und Weise, wie seine Mannschaft auf die Verliererstraße geriet. "Ohne das Eigentor hätte alles anders kommen können", vermutete Olsen. Simon Poulsen war der Unglücksrabe, der völlig unbedrängt per Kopf via Daniel Agger ins eigene Tor traf. Vorwürfe von seinem Trainer bekam der Verteidiger deswegen jedoch nicht zu hören, ganz im Gegenteil.

Olsen legte nach dem Schlusspfiff den Arm um den 26-Jährigen "Ich habe ihm gesagt, dass mir so etwas als Spieler auch einmal passiert ist. Er muss das jetzt abhaken und sich aufs nächste Match konzentrieren", meinte der Teamchef, dessen Auswahl gegen die Niederlande mit Ausnahme eines Sieges im Elferschießen bei der EM 1992 seit 43 Jahren auf einen vollen Erfolg wartet.

Unglücksrabe Poulsen war ob des Missgeschicks in seinem sechsten Länderspiel untröstlich. "Ich habe mir nur gedacht, das kann einfach nicht wahr sein", stammelte der Abwehrspieler, "aber was soll ich jetzt machen? Ich kann nicht die ganze Zeit weinen, sondern muss nach vorne blicken".

(apa/red)

15.6.2010 12:32
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