19.6.2010 12:05

Die Angst vor dem Versagen: England nach
Katastrophenspiel mit dem Rücken zur Wand

  • Capello ortet nach Algerien-Spiel Versagensängste
  • "Ist nicht die englische Mannschaft, die ich kenne"

England steht bei der Fußball-WM mit dem Rücken zur Wand. Nach einer katastrophalen Vorstellung gegen Algerien (0:0) müssen die Engländer ihr abschließendes Gruppenspiel am Mittwoch gegen Slowenien gewinnen, um eine historische Pleite abzuwenden. Bisher waren die "Three Lions" nur bei den Endrunden 1950 und 1958 bereits in der Gruppenphase gescheitert.

Die Engländer hatten gegen Algerien in 90 Minuten nichts von alledem gezeigt, das sie nach einer souveränen Qualifikation zum Mitfavoriten auf den Titel gemacht hatte. Stürmerstar Wayne Rooney, von vielen als Schlüsselspieler für den WM-Erfolg betrachtet, war ein Totalausfall, aus dem Mittelfeld kamen wenig bis gar keine brauchbaren Vorlagen - und schon gar keine Ideen.

"Das ist nicht die englische Mannschaft, die ich kenne", erklärte Teamchef Fabio Capello. "Ich habe keinen Geist gesehen, keine Inspiration. Dafür habe ich keine Erklärung." Die Situation habe ihn an jene Zeit erinnert, als er nach der verpassten EM-Qualifikation für 2008 das Team von Steve McClaren übernommen hatte. "Da habe ich dieselbe Angst gesehen, für England zu spielen."

Angst, für England zu spielen?
Tatsächlich ist der Druck, für das Mutterland des Fußballs aufzulaufen, enorm - gerade bei einer WM. Selbst Superstars wie Kapitän Steven Gerrard, Frank Lampard oder Rooney schienen in Kapstadt daran zu zerbrechen. Unglaubliche Ballfehler störten immer wieder den sowieso nicht vorhandenen Spielfluss. "Diese Fehler von Spielern dieser Qualität sind unglaublich", meinte Capello.

Vor allem Talisman Rooney spielte in einer Unform wie lange nicht, wurde sogar von den eigenen Fans ausgebuht - was den 24-Jährigen zu einer Schimpftirade im TV veranlasste. Die Nerven liegen auch beim Star von Manchester United blank. Seit September (5:1 gegen Kroatien) hat Rooney im Team nicht mehr getroffen, wartet seit 639 Minuten vergeblich auf einen Torerfolg im "Lions"-Trikot.

Zittern vor Slowenien
"Rooney hat nicht wie Rooney gespielt", gestand Capello. "Aber daran ist nicht nur er schuld." Die Engländer zeigten dermaßen wenig, dass ein Erfolg gegen Slowenien alles andere als selbstverständlich scheint. "Niemals in der Geschichte der WM wurde den vielen so wenig geboten", schrieb die Boulevardzeitung "The Sun" in Anlehnung an eine berühmte Kriegsrede von Winston Churchill.

Statistisch ist es der schlechteste Start in ein WM-Turnier seit 1990. Damals hatte ein Kopftor von Libero Mark Wright gegen Ägypten (1:0) die Engländer im abschließenden Gruppenspiel gerettet. Im Anschluss erreichten die Engländer immerhin noch das Halbfinale. "Das Gute ist, dass wir es immer noch selbst in der Hand haben", erklärte der genesene Mittelfeldspieler Gareth Barry.

Noch alles offen
Dafür muss gegen Slowenien allerdings ein Sieg her. Die Slowenen sind mit vier Punkten Tabellenführer. Dahinter folgen die USA und England mit jeweils deren zwei, die US-Amerikaner haben allerdings um zwei Tore mehr erzielt. Selbst Algerien hat den Aufstieg mit einem Zwei-Tore-Sieg gegen die USA noch selbst in der Hand.

"Ich hoffe, dass wir am Mittwoch das wahre englische Team sehen", betonte Capello. "Wir müssen dieses Spiel vergessen. Ich hoffe, dass wir damit aufhören, ohne Selbstvertrauen und mit Angst zu spielen." Denn die ist gerade bei einer WM kein guter Ratgeber.

(apa/red)

19.6.2010 12:05
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