19.6.2010 11:54

"Die Situation wollten wir nicht haben":
Deutsche setzen jetzt auf eine Trotzreaktion

  • Schweinsteiger und Klose hadern mit den Karten
  • Jetzt haben auch die Serben ihr eigenes Cordoba

Die Wut und Enttäuschung über die 0:1-Niederlage gegen Serbien ist schon bei der Rückreise der deutschen Auswahl in ihr WM-Quartier in Trotz umgeschlagen. "Wir haben es noch immer selbst in der Hand im Spiel gegen Ghana", erklärte Joachim Löw mit Blick auf das Gruppen-Finale am Mittwoch in Johannesburg. Das Massenblatt "Bild" ("Wir träumten schon vom WM-Titel") stimmte in den Chor mit ein: "Wer jammert oder aufgibt, hat bei einer WM nichts zu suchen."

Und gejammert wurde - während etwa das serbische Boulevardvblatt "Press" vom "serbischen Blitzkrieg" schrieb - freilich genug. Denn der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano ahndete die Foul-Vergehen rigoros, schickte DFB-Stürmer Miroslav Klose ("Das ist ein Kampfsport") schon in der 37. Minute vom Platz und war auch sonst schnell mit Gelben Karten zur Hand - auf beiden Seiten. "Wenn man die ganzen Gelben Karten hier sieht, dann ist es ein Witz", machte Bastian Schweinsteiger seinem Ärger Luft. "Wenn es in jedem Spiel eine Rote Karte gibt, wie es hier der Fall ist, dann kann etwas nicht stimmen. Das ist nicht gut für den Fußball", sagte der Bayern-Spieler, der freilich Glück hatte, dass Undiano ein Rot-würdiges Vergehen seinerseits nicht bemerkt hatte.

"Die Mannschaft war natürlich enttäuscht und niedergeschlagen", berichtete Löw von der ersten Reaktion nach dem unerwarteten Rückschlag, der urplötzlich die gesamte Mission der deutschen Spaß-Fußballer in Südafrika in Gefahr bringt. Kloses Ausschluss, der verschossene Handselfmeter von Lukas Podolski (60.) und das Gegentor durch Milan Jovanovic (38.) trafen Kapitän Philipp Lahm & Co. genauso tief wie die Millionen mitfiebernden Fans in der Heimat.

"Moral gezeigt"
Schnell stärkte Löw nach der ersten Pflichtspiel-Niederlage seit dem EM-Finale 2008 gegen Spanien (0:1) dem jüngsten deutschen WM-Team seit 76 Jahren den Rücken. "In der zweiten Hälfte hat sich die Mannschaft enorm aufgebäumt und Moral gezeigt", lobte er das glücklose Anrennen mit zehn Mann. "Sie hat alles versucht, zumindest das Unentschieden zu erreichen."

"Die Situation wollten wir nicht haben, dass wir im letzten Spiel dermaßen unter Druck stehen", sagte Löw. Er verwies aber auf den "Trumpf" des besten Torverhältnisses aller vier Teams in Gruppe D. Noch führt Deutschland die Staffel mit drei Punkten und 4:1 Toren vor Ghana (3 Punkte/1:0 Tore), Serbien (3/1:1) und Australien (0/0:4) an. Schon jetzt steht fest, es wird ein Alles-oder-nichts-Spiel im Endspiel-Stadion "Soccer City" von Johannesburg. "Der Druck im nächsten Spiel ist enorm. Das ist ein absolutes K.o.-Spiel, ein Sechzehntelfinale", erklärte Abwehrspieler Per Mertesacker.

Serbien hat sein Cordoba
Die Serben wiederum, die im Vergleich zum 0:1 im Auftaktspiel gegen Ghana wie verwandelt waren, haben wieder Oberwasser bekommen. Zuletzt durfte man vor 48 Jahren, damals als Teil Jugoslawiens, einen WM-Erfolg gegen die Deutschen bejubeln. "Ist das die Rückkehr der Kämpfer?", fragte Teamchef Radomir Antic. "Jener, an die die Leute nicht mehr geglaubt haben? Ich weiß es nicht, aber es zeigt uns, dass wir mehr an uns glauben müssen. Dieser Sieg ist mehr als nur ein Sieg."

Die mediale Euphorie lässt jedenfalls auf ein serbisches Cordoba schließen. Die Zeitung "Blic" bejubelte einen "Sieg für die Geschichte: Deutschland ist gefallen, es gibt Hoffnung für die Adler". Und "Politika" ergänzte: "Über den Sieg gegen Deutschland werden künftige Generationen reden."

(apa/red)

19.6.2010 11:54
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