Deutschland nach Traumstart in Jubellaune:
Podolski und Klose rechtfertigen Vertrauen
- Youngster Mesut Özil und Thomas Müller überragend
- Löw mahnt: "Werden noch härtere Prüfsteine haben"

·Deutschland startet furios in Fußball-WM
Podolski und Co. ballern Australien 4:0 vom Feld
·Ghana lässt Afrika laut jubeln und tanzen
Bilder: Spätes 1:0 gegen Serbien dank Elfmetertor
·Deutschland startet mit Schützenfest
BILDER des 4:0-Sieges über armes Australien
Weder Argentinien mit Messi, noch England mit Rooney, die beste Vorstellung des ersten WM-Wochenendes lieferten vergleichsweise "No-names" ab. Die jüngste deutsche WM-Auswahl seit 76 Jahren hat mit einem 4:0 über Australien am Sonntag einen beeindruckenden Start in das Turnier geschafft. "Unsere Jungs verzaubern die Welt. Das wird unsere WM", jubelte die "Bild"-Zeitung.
Es war wahrlich ein Traumstart für die Mannschaft von Jogi Löw, die auch neutrale Beobachter begeisterte. Denn es waren nicht die oft strapazierten deutschen Tugenden, sondern erfrischender Offensivfußball, den das Team um die überragenden Mittelfeldspieler Mesut Özil (21 Jahre) und Thomas Müller (20) abgeliefert hat.
Löws junge Truppe mit einem Altersdurchschnitt von 24,8 Jahren ließ in Durban mehr als nur erahnen, was sie mit ihrem großen Offensiv-Potenzial und ihrem Spielwitz erreichen könnte. Die Tore von Lukas Podolski (8.) und Miroslav Klose (26.) sowie die in Überzahl erzielten Treffer von Thomas Müller (68.) und Joker Cacau (70.) nach der Roten Karte für Tim Cahill (56.) waren allesamt schön herausgespielt. "Unser Traum ist, den Titel zu holen. Dafür sind wir hier", trug der Bremer Özil, Dreh- und Angelpunkt in der Offensive, danach das ganze Selbstbewusstsein zur Schau.
Zurückhaltender war Teamchef Löw, einst Meistermacher in Österreich (FC Tirol). Er richtete noch vor der nächtlichen Rückreise ins Stammquartier in Pretoria den Blick nach vorne. "Wir wissen alle, dass Australien nicht das Maß aller Dinge war. Wir werden noch härtere Prüfsteine haben in diesem Turnier. So gesehen war es ein Auftakt, der uns gut tut. Aber es besteht kein Grund zur Euphorie", sagte er vor dem zweiten Gruppenspiel am Freitag gegen Serbien.
Löw ist froh, dass der erste Druck weg ist. "Ein guter Start ist immer wichtig, um Selbstbewusstsein und Sicherheit mitzunehmen. Wir haben jetzt die Möglichkeit, mit einem weiteren Sieg aus zwei Spielen den nächsten Schritt ins Achtelfinale zu machen. Das gibt ein Gefühl der Zufriedenheit. Im Moment", bilanzierte er.
Löws Entscheidungen bestätigt
Es war auch ein Sieg für Löw und seine Personalentscheidungen. Der Bundestrainer entschied sich auf der rechten Mittelfeldseite für Müller und gegen Piotr Trochowski, und er gab vor allem den in dieser Saison enttäuschenden Offensivspielern Podolski und Klose das Vertrauen. Klose erzielte in 25 Liga-Spielen für Bayern München nur drei Tore und verlor seinen Platz im Sturm, Podolski kam in 27 Partien für den 1. FC Köln gar nur auf zwei Treffer. Doch im DFB-Trikot blühen die beiden auf.
Klose ist mit elf Toren bei WM-Turnieren schon die deutsche Nummer zwei hinter Gerd Müller (14) und mit 49 Treffern in 97 Länderspielen die deutsche Nummer drei hinter Müller (68) und DDR-Spieler Joachim Streich (55). Podolski, gerade erst 25 Jahre alt geworden, hält bei 39 Treffern in 74 Länderspielen.
Löw sieht das aber keineswegs als Bestätigung für seinen Weg. "Ich musste nicht an ihnen festhalten. Das war vielleicht ein Thema außerhalb von unserem Trainerstab", erklärte er. "Das gab es immer wieder mal, dass Stürmer, ob Lukas, Miro oder Mario Gomez eine Phase haben, in der sie nicht treffen. Miroslav Klose ist schon seit 2002 dabei und hat jetzt bei Weltmeisterschaften elf Tore erzielt. Und was soll ich zum Lukas sagen? Er hat 2004 das erste Turnier gespielt und war seitdem immer mit der beste Spieler bei uns. Da weiß ich doch, dass ich Vertrauen in diese Spieler habe, auch wenn sie mal ab und zu eine schlechtere Phase haben. Diese Spieler haben eine große Qualität", betonte Löw.
Erleichterung bei Klose
Insbesondere Klose war erleichtert, dass er mit seinem insgesamt elften WM-Tor die Diskussionen um seine Turniertauglichkeit beenden konnte. "Ich war schon froh, dass der Ball drin war", sagte der Münchner zu seinem Kopfballtor. Klose hob die Strahlkraft hervor, die das hohe Ergebnis und insbesondere die überzeugende Art und Weise des Erfolges auch auf die Titelkonkurrenten hat: "Damit haben wir uns Respekt verschafft." Abhaken, weiter geht's, erklärte Kapitän Philipp Lahm aber noch in der Nacht zum Montag. "Noch sind wir nicht weiter. Wir müssen im nächsten Spiel wieder so mutig nach vorne spielen."
Dass in der Heimat schon nach dem ersten Spiel wieder die WM-Euphorie ausgebrochen ist, hörten die deutschen Akteure gerne. "Ich denke, ganz Deutschland ist im WM-Fieber. Die Leute sollen feiern", kommentierte Torschütze Podolski. Man selbst müsse dagegen ganz schnell auf die nächste Aufgabe gegen Serbien umschalten.
In den großen deutschen Städten feierten Zehntausende bei Public Viewings ihre Helden. In Hamburg kamen 55.000 auf das Heiligengeistfeld, vor das Berliner Olympiastadion 30.000 Begeisterte. Selbst auf der Lieblingsinsel der Deutschen, auf dem Sandstrand von Palma de Mallorca, feierten Tausende Urlauber den erfolgreichen WM-Auftakt.
(APA/red)


















