18.6.2010 11:54

Der Feldherr schwebt auf Wolke sieben:
Maradona von seinen Argentiniern entzückt

  • Richtung passt: "Diesen Weg wollen wir weitergehen"
  • Higuain wandelt auf den Spuren von Gabriel Batistuta

Argentinien hat auf dem Weg ins Achtelfinale die Torfabrik angeworfen. Diego Maradona marschierte nach dem 4:1 seiner "Albiceleste" über Südkorea im feinen Zwirn wie ein zufriedener Feldherr über den Rasen. "Zwei Spiele, zwei Siege. Diesen Weg wollen wir weiter gehen", jubelte der Teamchef.

Nicht einmal ein Aussetzer von Martin Demichelis konnte Argentinien bei winterlichen Temperaturen in der Soccer City von Johannesburg vom Weg abbringen, auch wenn der Einzug in die Runde der letzten 16 noch nicht endgültig fix ist. Zwar wurde der Aufstieg in die K.o.-Runde durch das 2:1 Griechenlands über Nigeria vertagt, am Weiterkommen zweifelt im Lager des zweifachen Weltmeisters aber niemand.

"Wir denken nicht an mögliche Gegner", betonte der bestens aufgelegte Maradona nach der Gala seines Teams. "Die Südkoreaner waren nie in der Lage, uns zu kontrollieren", meinte der Coach und nahm auch Demichelis trotz dessen Blackouts in Schutz: "Er hat vielleicht ein Problem gehabt, aber das kann jedem Spieler der Welt passieren. Es hat uns nur stark gemacht."

Schon unmittelbar nach dem Abpfiff hatte Maradona seine Treue zu Demichelis sichtbar demonstriert - keinen hielt er so lange im Arm. Unterstützung bekam der Bayern-Abwehrspieler auch von Weltfußballer Lionel Messi, der wie schon beim 1:0-Auftaktsieg gegen Nigeria leer ausging. Der Barcelona-Star gab der Vuvuzela-Dauerbeschallung die Schuld am Patzer seines Teamkollegen, der den Ball an Lee Chung-Yong verlor und damit das einzige Gegentor verschuldete. Er und seine Kollegen hätten von allen Seiten geschrien, erklärte Messi: "Man kann aber nichts verstehen."

Higuain in aller Munde
Übertönt wurden die Tröten zwischenzeitlich nur durch die Schlachtgesänge der zahlreichen argentinischen Fans. Gründe zum Jubeln gab ihnen vor allem Gonzalo Higuain. Dreimal schlug der Stürmer von Real Madrid eiskalt zu, nachdem die Argentinier durch ein Eigentor von Park Chu-Yong in Führung gegangen waren.

Der 22-Jährige, der in der vergangenen Saison bei den "Königlichen" mehr Treffer erzielt hatte als Cristiano Ronaldo, setzte sich damit an die Spitze der WM-Torjägerliste. "Es macht dich sehr glücklich, wenn du gewinnst und zum Sieg etwas beitragen kannst", sagte Higuain, der bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss mit großem Applaus verabschiedet und anschließend noch als "Man of the Match" ausgezeichnet wurde. "Wir sind glücklich über das Spiel, aber nicht zu euphorisch", meinte der Held des Tages.

"Argentinien war einfach zu mächtig"
Dank seines Dreierpacks hat Higuain, der gegen Nigeria noch zwei Sitzer vergeben hatte, den ersten Schritt geschafft, sich einen ähnlichen Stellenwert wie sein Landsmann Gabriel Batistuta zu verschaffen. Dem früheren Roma-Star und Rekordtorschützen seines Landes gelangen als einzigem Spieler bei zwei verschiedenen Weltmeisterschaften (1994 und 1998) je drei Treffer in einem Spiel.

In Südkorea hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. "Argentinien war einfach zu mächtig und als Gegner unüberwindlich", schrieb die auflagenstärkste Zeitung "Chosun Ilbo" am Freitag. "Die roten Krieger haben ihr Bestes gegeben, doch die Siegesgöttin war diesmal nicht auf unserer Seite", meinte die Zeitung "JoongAng Ilbo", die die Hoffnung auf den Aufstieg aber noch nicht aufgab: "Wir haben verloren, doch haben wir den Traum noch, die Runde der letzten 16 zu erreichen."

(apa/red)

18.6.2010 11:54
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