Dienstag, 15. Juni 2010

Anti-Doping-Agentur NADA greift durch:
Triathlet Hempel für vier Jahre gesperrt

  • Kärntner Sportler wurde von Bernhard Kohl belastet
  • Hempel will gegen die Sperre Rechtsmittel ergreifen

Der Kärntner Triathlet Hannes Hempel ist von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA für vier Jahre gesperrt worden. Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft Wien das Ermittlungsverfahren gegen den Sportler eingestellt. Hempel will gegen die Sperre Rechtsmittel ergreifen.

Hempel war ins Visier der Fahnder geraten, nachdem der des Dopings überführte ehemalige Radprofi Bernhard Kohl ausgesagt hatte, er habe Hempel verbotene Substanzen angeboten bzw. überlassen. Dabei soll es sich um Erythropoetin - besser bekannt als EPO, das als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen dient - und um drei Ampullen Amth-2 - in der Wirkung angeblich Testosteron vergleichbar - gehandelt haben.

Hempel: "Völlig unverständlich"
Hempel hat diese Vorwürfe stets bestritten, die Sperre ist daher für ihn "völlig unverständlich". Die am Montagabend rückwirkend mit Mai ausgesprochene Sperre wäre "das Ende meiner Karriere", sagte Hempel. Er sei fassungslos über die Entscheidung.

Hempel war bereits mehrmals mit Dopingvorwürfen konfrontiert gewesen, so im Zusammenhang mit der Triathletin Lisa Hütthaler. Diese hatte behauptet, von Hempel einen Tipp bekommen zu haben, dass man im WADA-Labor in Seibersdorf Dopingproben gegen Bargeld verschwinden lassen könne. Hempel betonte seine Unschuld, die Staatsanwaltschaft ermittelte trotzdem, stellte das Verfahren aber im Mai 2009 ein. Es hätten sich keine Beweise für eine Beitragshandlung Hempels gefunden, hieß es in der Begründung.

Geständnis widerrufen
Hempel wurde trotzdem vom Veranstalter für den Ironman im Juli 2009 in Klagenfurt gesperrt, nachdem Ex-Radprofi Bernhard Kohl ausgesagt hatte, von Hempel vor der Tour de France mit dem EPO-Mittel CERA versorgt worden zu sein. Hempel gab dies vorerst bei einer Einvernahme auch zu, widerrief dieses Geständnis aber später wieder. Der Triathlet erwirkte zudem eine Einstweilige Verfügung, um beim Ironman in Klagenfurt starten zu können, daraufhin wurde er zum Bewerb zugelassen.

Im September 2009 entschied die NADA, nachdem sie Akteneinsicht im Verfahren rund um die Wiener Humanplasma-Affäre erhalten hatte, im Fall Hempel ein Verfahren zu eröffnen. Es war dies das erste Verfahren der Anti-Doping-Behörde, die nicht auf einem positiven Dopingtest, sondern auf Aussagen vor der SOKO Doping basierte.

Hempel kritisierte die NADA-Entscheidung, es sei nicht zu fassen, dass "die NADA dem des Dopings überführten Bernhard Kohl mehr glaubt als einem bisher völlig unbescholtenen und fairen Sportler wie mir". Das Urteil sei - gerade im Vorfeld des diesjährigen Ironman - "vernichtend im wahrsten Sinn des Wortes".

(apa/red)

15.6.2010 13:44