Etwas ist faul im Fußballstaate Steiermark:
Schiebung beim Titelfinish in siebenter Liga
- St. Lorenzen wurde durch erstaunliches 30:1 Meister
- Vier involvierten Vereinen blühen hohe Geldstrafen

Etwas ist faul im Fußball-Staate Steiermark. Beim Landesverband staunte man jedenfalls nicht schlecht, als man die Ergebnisse des letzten Spieltags der Gebietsliga Mur (siebente Spielklasse) in Händen hielt. Das Match Knittelfeld gegen Schöder endete zum Beispiel mit einem sagenhaften 21:0. Sie lesen richtig: 21:0. Knittelfelds Konkurrent im Titelkampf legte aber ein noch erstaunlicheres Titelfinish hin: Der SV St. Lorenzen besiegte Tabellenschlusslicht St. Stefan mit 30:1 (!) und wurde damit Meister. Mit einem um drei Tore besseren Torverhältnis.
Vor dem letzten Spieltag waren beide Titelfavoriten punktegleich, Knittelfeld hatte jedoch ein um fünf Tore besseres Torverhältnis. Für St. Lorenzen mussten daher Tore her. Am Ende wurden es satte 31. Zwischen der 78. und 89. Minute schossen die Spieler aus dem 800-Einwohner-Dorf im Osten des Aichfeldes zehn Tore. Wahnsinn.
"Haben kein Geld, um zu schmieren"
"So etwas ist mir noch nie passiert", meinte Ernst Rauch, Schiedsrichter der Partie von St. Lorenzen, gegenüber dem "Kurier", "das erlebt man nur im Nachwuchs". Der Obmann der St. Lorenzer, Rudolf Hollmann, lebt seit dem Skandalspiel in Bedrängnis: "Meine Familie wird beschimpft. Es heißt, wir wären alle Betrüger. Dabei haben wir ja gegen die Schlechtesten gespielt." Nämlich gegen St. Stefan, die am Ende der Saison magere vier Pünktchen und ein Torverhältnis von minus 157 am Konto hatten. Die Manipulationsvorwürfe weist er im "Kurier" von sich: "Wir haben gar kein Geld, um jemanden zu schmieren."
Dennoch deutet alles daraufhin, dass sich die beiden Titelkonkurrenten schon im Vorfeld einen "Nichtangriffspakt" mit St. Stefan bzw. Schöder ausgemacht haben. Weiteres Indiz für eine Schiebung: Als die Partie des Rivalen Knittelfeld schon abgepfiffen war und der Meistertitel feststand, fühlte sich der hitzegeschwächte Goalie von St. Lorenzen gleich wieder fit und spielte weiter. So als wäre nichts gewesen.
Geldstrafen und Annullierung
Der Strafauschuss des steirischen Landesverbandes hat sich der Sache längst angenommen. Nächsten Dienstag sollen die Urteile über die vier involvierten Vereine fallen. Im Raum stehen hohe Geldstrafen und eine Annullierung der zwei Matches. Demnach würde der Tabellendritte Gaal, der gegen die seltsamen Resultate Einspruch erhoben hat, aufsteigen. Und der einzige Profiteur einer vermeintlichen Schiebung sein.
(red)
