Samstag, 19. Juni 2010

Zahlreiche Tote nach Regenfällen im Süden Frankreichs: Weitere Personen vermisst

  • Innerhalb von zwölf Stunden 180 Millimeter Regen
  • Wegen Hochwasser 200.000 Haushalte ohne Strom

Bei schweren Überschwemmungen sind in Südfrankreich mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Bewohner und Touristen mussten mit Hubschraubern und Booten in Sicherheit gebracht werden und die Nacht in Notunterkünften zubringen, wie die Behörden im Bezirk Var mitteilten. Es war das schwerste Unwetter in der Region seit über 170 Jahren. Laut Außenministerium gab es bisher keinen Hinweis auf betroffene Urlauber aus Österreich.

Allein in der Kleinstadt Draguignan im Hinterland der Provence starben zehn Menschen, wie die Behörden mitteilten. Das Wasser stieg dort zeitweise zwei Meter hoch. Im Laufe einiger Stunden fielen hier bis zu 350 Liter Niederschläge pro Quadratmeter. Auch die rund 500 Insassen der örtlichen Haftanstalt mussten in Sicherheit gebracht werden. Stark betroffen waren auch Ortschaften wie Les Arcs und Roquebrune; im Badeort Frejus an der Küste starb ein Mensch.

"Wir haben das Herz der Stadt heute Morgen verwüstet vorgefunden", sagte die Unterpräfektin von Var, Corinne Orzechoswski, bei einem Besuch in Draguignan. Als der Regen nachließ, waren die Straßen teils von Schlammmassen, verkeilten Autos, Trümmern und Schutt verstopft. Bäume lagen quer, Möbelstücke trieben im Wasser. Noch immer sind rund hunderttausend Menschen in dem Gebiet ohne Strom. Die Bahnverbindung zwischen Toulon und Nizza wurde unterbrochen. In den betroffenen Ortschaften wachte die Polizei darüber, dass niemand plünderte.

Weitere Opfer befürchtet
Die Behörden befürchteten weitere Opfer. "Wir suchen nach Menschen und überprüfen, ob niemand unter den Autowracks liegt", sagte Unterpräfektin Orzechoswski. Einige Ortschaften seien nach der Überflutung noch unzugänglich. Die Behördenvertreterin warnte gleichzeitig vor neuen Unwettern. "Selbst wenn es nicht regnet, ist es noch nicht vorbei."

Ein derart schlimmes Unwetter in der Region gab es nach Angaben des französischen Wetterdienstes zuletzt im Jahr 1827. Staatschef Nicolas Sarkozy drückte den Betroffenen sein Mitgefühl aus und sicherte die Unterstützung der Regierung zu.

(apa/red)

19.6.2010 09:42