Donnerstag, 17. Juni 2010

Atomenergie kehrt nach Schweden zurück:
Knappes Mehrheit für neue Atomreaktoren

  • Ministerpräsident Reinfeldt setzt sich knapp durch
  • 30 Jahre altes Verbot von Neubauten aufgehoben

Schwedens Reichstag hat grünes Licht für den Neubau von Atomreaktoren gegeben. Mit knapper Mehrheit setzte sich Ministerpräsident Reinfeldt durch, der ein seit 30 Jahren geltendes Verbot von Neubauten aufheben wollte. Die Bevölkerung hatte 1980 für den grundsätzlichen Ausstieg aus der Atomenergie gestimmt.

Bei der Abstimmung votierten 174 für und 172 Abgeordnete gegen die Wiederzulassung von Reaktor-Neubauten. Das bürgerliche Regierungslager hinter Premier Reinfeldt setzte sich mit seinem Vorhaben durch, die derzeit zehn schwedischen Atomreaktoren jeweils durch Neubauten ersetzen zu können, wenn sie stillgelegt werden müssen. Nach einer Volksabstimmung über den Ausstieg aus der Kernkraft 1980 hatte der Reichstag jeden Neubau von neuen Anlagen ausdrücklich verboten.

Umweltminister Andreas Carlgren sagte: "Es ist okay mit den Protesten gegen die Atomkraft, aber man muss auch erklären, was zur Verminderung der klimaschädlichen Stoffe getan werden soll." Während Reinfeldts Konservative, die liberale Volkspartei und die Christdemokraten geschlossen für die Wiederzulassung von Reaktor-Neubauten stimmten, gab es Abweichler bei Abgeordneten des bäuerlichen Zentrums. Die Partei gehört traditionell zum Lager der Atomkraftgegner.

Opposition will Beschluss aufheben
Die sozialdemokratische Oppositionschefin Mona Sahlin will einen möglichen Pro-Atomkraft-Beschluss wieder aufheben, wenn sie die Wahlen im September zusammen mit den Grünen und der Linkspartei gewinnt. In einer Erklärung dieser Parteien hieß es: "Die Atomkraft soll in Übereinstimmung mit Erfordernissen des Arbeitsmarktes stufenweise so heruntergefahren werden, wie sie durch erneuerbare Energie und effektivere Energienutzung ersetzt werden kann."

Schwedens drei Atomkraftwerke Forsmark, Ringhals und Oskarshamn mit zusammen zehn Reaktoren decken etwa die Hälfte des heimischen Strombedarfs. Bei etwaigen Ersatzbauten für stillgelegte Reaktoren müssen private Betreiber nach den Vorstellungen der Reinfeldt-Regierung alle Kosten selbst tragen.

(apa/red)

17.6.2010 22:15