Dienstag, 15. Juni 2010

UNO will humanitären Korridor für Kirgistan:
Krisengebiet benötigt dringende Hilfsgüter

  • Regierung in Bischkek befürchtet Gewaltausweitung
  • Ex-Sowjetstaaten überlegen militärische Hilfsleistung

Der UNO-Sicherheitsrat hat die andauernde Gewalt in Kirgistan verurteilt. Die Menschen im Süden der zentralasiatischen Republik sollten Ruhe bewahren und zu Recht und Ordnung zurückkehren. Es sei an der Zeit, Nahrungs- und Hilfsmittel in das Krisengebiet zu schicken, mahnte der Ratspräsident im Namen der 15 Mitgliedsländer. Gefordert wurde, einen sicheren Korridor für Hilfslieferungen zu schaffen.

Vier Tage nach Beginn der gewalttätigen Unruhen zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit stabilisiert sich die Lage nach offiziellen Angaben im Süden von Kirgistan langsam wieder. "Die vergangene Nacht war mehr oder weniger ruhig in der Region", sagte ein Vertreter des kirgisischen Innenministeriums in der Hauptstadt Bischkek. Dafür hätten zahlreiche Sicherheitskräfte gesorgt. Die kirgisische Übergangsregierung befürchtet jedoch eine Ausweitung der jüngsten Gewalt vom Süden des Landes auf Gebiete im Norden und die Hauptstadt Bischkek.

UNO-Generalsekretär konsultiert Russland
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hat außerdem mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow über die eskalierende Gewalt gesprochen. Nach UNO-Angaben sagte Ban am Dienstag in einem Telefongespräch, er sei "dankbar für Russlands Bemühungen um eine Linderung der alarmierenden humanitären Lage" in Zentralasien. Zuvor hatte die kirgisische Interimsregierung abermals eindringlich an das von Russland geführte Militärbündnis ehemaliger Sowjetrepubliken appelliert, mit Friedenssoldaten in den Konflikt einzugreifen.

In einem Telefonat mit der kirgisischen Übergangs-Regierungschefin Rosa Otunbajewa versicherte Ban Ki-moon, dass die Vereinten Nationen in enger Absprache mit anderen Organisationen an angemessenen Hilfsaktionen für Kirgistan und das benachbarte Usbekistan arbeiteten.

170 Tote und 1.700 Verletzte
Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden bisher 170 Menschen getötet und mehr als 1.700 verletzt. Allerdings gehen Augenzeugen von deutlich mehr Toten aus, weil die Usbeken ihre Leichen aus Angst nicht in die kirgisischen Einrichtungen bringen. Medien nannten am Dienstag die Zahl von 2.000 Todesopfern in Osch und Jalalabad.

Das Verhältnis zwischen beiden Bevölkerungsgruppen ist vor allem wegen der wirtschaftlichen Ungleichheit angespannt. Die politische Situation in Kirgistan ist seit dem Sturz von Staatschef Bakijew im April, bei dem 87 Menschen ums Leben kamen, äußerst instabil. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung aufgerufen und sich als Krisenvermittler angeboten.

Militärhilfe angedacht
Zur Eindämmung der Gewalt in Kirgistan erwägt eine Gruppe von Ex-Sowjetrepubliken um Russland auch Militärhubschrauber und -fahrzeuge in das Krisengebiet zu schicken. Das zentralasiatische Land verfüge aktuell über genügend Truppen, brauche aber mehr Ausrüstung, zitierten russische Nachrichtenagenturen den Generalsekretär des Sicherheitsbündnisses OVKS nach Beratungen in Moskau. (apa/red)

15.6.2010 15:35