Kirgistan versinkt in einem blutigen Chaos:
Präsidentin bittet Russen um Militär-Hilfe
- Otunbajewa: "Mit eigenen Kräften nicht zu schaffen"
- Unruhen fordern 120 Tote und über 1.500 Verletzte

·Bakijew tritt zurück und geht ins Ausland
Kirgisischer Präsident in Nachbarland Kasachstan
·Kirgistan trauert um Opfer des Aufstands
Übergangsregierung
ruft Staatstrauer aus
·Schwarzer Rauch
hüllt Bischkek ein
Machtkampf zwischen
Regierung & Opposition
Kirgistan droht zwei Monate nach dem Sturz des autoritären Präsidenten Bakijew in einem blutigen Chaos zu versinken. Die wieder aufgeflammten Unruhen im Süden der ehemaligen Sowjetrepublik machen nun auch Russland Sorgen. Präsident Medwedew wollte nach ursprünglichem Zögern die Frage eines militärischen Beistands erörtern lassen.
Die von der kirgisischen Übergangsregierung veröffentlichte Zahl der Toten stieg unterdessen auf rund 120, mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der usbekischen Minderheit sind angeblich sogar 700 Menschen getötet worden. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax nach Angaben eines hochrangigen Vertreters der Volksgruppe. Diese Zahlen bezögen sich allein auf Dschalal-Abad und nicht das Zentrum der Unruhen in Osch. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Das Rote Kreuz hatte zuvor berichtet, dass viele Leichen ohne vorherige Identifizierung begraben worden seien.
Um der Lage in dem völlig verarmten Hochgebirgsland an der Grenze zu China wieder Herr zu werden, hat Übergangspräsidentin Otunbajewa den russischen Präsidenten Medwedew wiederholt schriftlich und telefonisch um militärischem Beistand gebeten. Mit eigenen Kräften sei das nicht mehr zu schaffen, sagte Otunbajewa. Nachdem Medwedew zunächst ein Eingreifen in den "inneren Konflikt" abgelehnt hatte, sollte die Militärorganisation früherer Sowjetrepubliken (OVKS) bei einer Krisensitzung doch eine rasche Lösung finden.
Die tagelangen ethnischen Zusammenstöße zwischen Kirgisen und Usbeken dauerten unterdessen auch am Montag weiter an. Angesichts des Ansturms von kirgisischen Flüchtlingen schloss die usbekische Regierung nun die Grenze zu dem zentralasiatischen Nachbarland. Das kirgisische Militär teilte mit, dass mehrere Heckenschützen in Tarnuniformen sowie Provokateure festgenommen worden seien. Sie sollen durch gezielte Morde unter Kirgisen und Usbeken die beiden seit langem in Spannung lebenden Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgebracht haben. Es sind die schwersten Unruhen seit 20 Jahren.
(apa/red)
