Dienstag, 6. Juli 2010

Experten zerpflücken Schundcomic der FPÖ:
"Parteipropaganda auf sehr tiefem Niveau"

  • Wurde im EU-Wahlkampf '09 an Jungwähler versandt
  • Blauen droht Rückzahlung von staatlichem Fördergeld

Brüssel als dekadenter Sündenpfuhl, die EU-Kommission als "abgehobene, undemokratische Runde" und der angeblich von SPÖ, ÖVP und Grünen betriebene EU-Beitritt Israels: Diese Darstellung Europas hat die FPÖ im EU-Wahlkampf 2009 als Comic unter dem Titel "Der Blaue Planet" an Tausende Jungwähler verschickt - finanziert aus der staatlichen Förderung für politische Bildungsarbeit. Nun könnte der FPÖ eine Rückzahlung drohen.

Im zuständigen Beirat des Kanzleramts wurde ein vernichtendes Experten-Gutachten über den Comic der FPÖ präsentiert. Das Grüne Beiratsmitglied Werner Kogler hofft auf einen Rückforderungs-Beschluss bei der nächsten Sitzung im Juli. "Es ist nicht hinzunehmen, dass Hunderttausende Steuereuro für diese Methode der Darstellung und diese inhaltliche Hetze hergegeben werden", kritisierte Kogler, der auch die Rückforderung von Fördermitteln im Zusammenhang mit einem islamfeindlichen Seminar der FP-Akademie vorschlägt. Freilich kann der Beirat nur eine Empfehlung abgeben - die Entscheidung liegt dann bei Kanzler Werner Faymann von der SPÖ.

12 Mio. Euro für "Bildungsarbeit"
Jährlich erhalten die Parteien fast 12 Mio. Euro an öffentlicher Förderung für ihre "Parteiakademien". Damit das Geld tatsächlich in die politische Bildungsarbeit fließt (und nicht etwa in Wahlpropaganda), legt das Publizistikförderungsgesetz bestimmte Mindeststandards für die Mittelverwendung fest, außerdem gilt ein Richtlinienkatalog des zuständigen Beirats im Bundeskanzleramt. Demnach soll die politische Bildungsarbeit ein "umfassendes Verständnis von Demokratie" fördern und zur "Erziehung demokratisch denkender, aufgeschlossener dem Pluralismus bewusster Menschen" dienen.

Erklärungen "zum Teil sachlich falsch"
Angesichts des FP-Wahlkampfcomics über "HC's Kampf für Freiheit gegen eine zentrale EU" hat der Publizistikförderungsbeirat den Wiener Verfassungsrechtler Heinz Mayer um ein Gutachten gebeten - und das der APA vorliegende Papier ist vernichtend ausgefallen: Demnach ist der Comic durch keine einzige der fünf in den Richtlinien genannten Zielsetzungen der Akademieförderung gedeckt. Auch die im Comic eingestreuten Fußnoten mit Sachinformationen ergeben laut Mayer kein anderes Bild, zumal die Fußnoten "zum Teil sachlich falsch (...) oder rein polemisch" seien.

"Die Publikation bedient alle negativen Klischees, die aus den Medien bekannt sind, auf einem sehr tiefen Niveau. Ein Informationsgehalt ist nicht zu finden", urteilt Mayer in seinem Gutachten. "Die Darstellung der Europäischen Union als geldgieriges, überhebliches autoritäres Monster mag man als politische Propaganda hinnehmen, als politische Bildungsarbeit kann eine solche Darstellung jedenfalls nicht qualifiziert werden", heißt es weiter.

FP-Akademie hält Gutachten für tendenziös
Der Geschäftsführer des Freiheitlichen Bildungsinstituts Klaus Nittmann weist das Mayer-Gutachten als "tendenziös" zurück. Sollte die Diskussion um den "Lerncomic" (Nittmann) über die EU tatsächlich zu einer Rückforderung führen, dann will er dagegen gerichtlich vorgehen. Schließlich erlaube das Publizistikförderungsgesetz auch die Darstellung von Themen aus Perspektive der jeweiligen Partei - und im Begleitschreiben zu dem Comic sei auch explizit auf dessen teils tendenziöse Darstellung hingewiesen worden. (apa/red)

6.7.2010 15:10
brabus, 16. 06. '10 10:47
Steuergelder für so einen Schmarrn ?
Wie kann die politische Führung (egal welcher Partei) es wagen unser Steuergeld für solchen Unsinn beim Fenster rauszuschmeissen und gleichzeitg an der Steuerschraube zu drehen? Wo sind die Regeln die vorschreiben, wie Steuergeld - wenn es schon zur Finanzierung von Parteien ver(sch)wendet wird, richtig einzusetzen ist (und nicht für diese Schundheftl) ?
Viennese, 16. 06. '10 06:13
Parteienförderung
Dieses Pamphlet der FPÖ ist wirklich abgrundtiefer Schmarrn.Doch leider ist das in allen Parteien das gleiche. Die Comics von Hader bezgl. Häupl sind nicht ganz so tief, doch um unser Steuergeld ist auch den Roten nichts zu teuer. Man sollte wirklich die sogenannte Parteienförderung ersatzlos streichen. Die Parteien sollen sich von Mitgliedsbeiträgen und freiwilligen Spenden finanzieren. Was gehen mich als normalen Staatsbürger die Parteiakademien an? Früher mußten die Funktionäre der Parteien Mitgliedsbeiträge kassieren gehen, da lernten sie die Stimmung des Volkes kennen. Heute sitzen diese Typen am fetten Ar...und kassieren Länge mal Breite für nichts und wider nichts.
Polit, 16. 06. '10 00:11
Führungspolitik
Eine Art Führungsperson gehört her, eine Person welche alles weiß, am Boden bleibt und die Bürger versteht und für die Bürger da ist, und welche uns keine Lügen erzählt und Versprechen gibt, welche nicht umsetzbar sind.

Wir werden von der heutigen Politik belogen, betrogen und zugleich über den Tisch gezogen , fast alle Parteien sind ein Zustand , würd mich nicht wundern wenn Österreich in 10 Jahren wie ein Ostblockstaat darstehen würde.

Viel Vorsprung haben wir Österreicher nicht mehr in der Wirtschaft und auch Ausbildungsmässig, die Osteuropär holen extrem schnell auf........

Die Politik sollte nicht länger schlafen, Parteien wie die FPÖ bewirken nur einen internationalen Image-Schaden an Österreich, ist nicht gerade optimal für ein Land, mit solch einer Vorgeschichte (NS-Zeit)
Polit, 15. 06. '10 23:44
FPÖ
Kann keiner etwas gegen diese unerträgliche Partei machen ?!?!?!?!?!? und sowas sitzt im Parlament, zum KOTZEN ist soetwas!!!
Bin_Maden, 15. 06. '10 20:53
Blaue "Bildung"...
Ja, lasst sie "brennen" (bevor hier wieder ein unbedarfter Blaumax aufschreit: das heisst umgangssprachlich: zahlen) für deren unerträglich-verhetzende Propaganda, aus Steuergeldern finanziert.
Überhaupt geriet diese "Akademie" schon des öfteren ins Zwielicht, eine gewisse Frau Schabadditsch-Wolff (hoffe, das ist richtig geschrieben), welche Geisel des Saddam Hussein war, lebt dort mit obskuren "Lehrgängen zum Thema Islam" ihren abgrundtiefen Hass auf Moslems mit Lügen und Verhetzung aus. Nachzulesen in der November-Printausgabe von "NEWS".
Sofortige (wenn es sein muss: zwangsweise) Schliessung und Refundierung sämtlicher erhaltenen Steuermittel ist die einzig logische Konsequenz.
norica, 15. 06. '10 18:55
Typisch FPÖ
Dieser Comic hat wieder einmal aufgezeigt was für eine heruntergekommene, ausländerfeindliche, nicht sehr intelligente "Partei" die FPÖ doch ist.
Und das dafür Steuergelder verwendet wurden ist ja wohl die Höhe! Alles zurückzahlen sollen die! Aber flott meine Herren!!
Sensor, 15. 06. '10 21:06
Re: Typisch FPÖ
Völlig richtig!
Eine Sammelklage der Steuerzahler gegen diese Schmarotzer wäre dringend notwendig. Es gibt doch einen Verein der Steuerzahler ?
Sensor, 15. 06. '10 18:49
Parteiförderung drastisch reduzieren!!!
Wie kommen die Steuerzahler dazu, solch erbärmlichen Schund zu finanzieren und damit auch die Partei-Dummköpfe, denen so etwas einfällt.
So genannte "Parteiakademien", Institutionen des geschäftigen Müßiggangs, gehören umgehend aufgelöst. Leute , die sich mit Politik befassen, sollen zuerst in den Schulen und Hochschulen ordentlich lernen und sich in einem anspruchsvollen Job bewähren. Wir brauchen keine Lehrlinge in der Politik!
Sensor, 15. 06. '10 18:59
Re: Parteiförderung drastisch reduzieren!!!
Ergänzung:
Die Wiener Parteiapparatschiks aller Farben haben bekanntlich Größenwahn:
Sie haben für Österreich mehr Parteienförderung als ganz Deutschland gegen den Willen der bevölkerung erhalten (Selbstbedienung!). Unser Staat ist schwer verschuldet (200 Milliarden Euro) und leistet sich eine solche sinnlose Geldverschleuderung.
Die Großmannssucht zeitigt auch komische Blüten: Alle Wochen kann man Politikeraussagen lesen, um was uns angeblich immer die ganze Welt beneidet. Einen Schmarrn beneidet uns jemand um irgend etwas. Habe im Ausland noch keinen solchen "Neider" begegnet. Beneidet uns etwa gar noch jemand um unsere schwachen und teilweise völlig unfähigen Politiker?