Freitag, 18. Juni 2010

Karlsplatz in naher Zukunft drogenfrei?
Spritzentausch in Ausweichstation verlagert

  • TaBeNo wird zur neuen Anlaufstelle für Süchtige
  • Fekter: "Ich will, dass dieses Problem gelöst wird"

Die Drogenszene rund um den Wiener Karlsplatz könnte sich bald verlagern oder ganz versiegen. Denn seit Freitag ist am dortigen Streetwork-Standort der Spritzentausch eingestellt. Grund dafür: Die Passage am Karlsplatz wird renoviert. Als Ersatzanlaufstelle dient die Ausweichstation der Wiener Drogeneinrichtung "Ganslwirt", das TaBeNo, das neben einer Notschlafstelle mit 26 Betten seit kurzem auch ein Tageszentrum samt Spritzentausch für die dortigen Klienten bietet. Ob eine Zerschlagung der Drogenszene überhaupt erstrebenswert ist, darüber scheiden sich bei den Parteien die Geister.

Innenministerin Maria Fekter spricht sich mit Sagern, wie "Das gehört bereinigt" bzw. "Ich will, dass dieses Problem gelöst wird", klar für eine Zerschlagung der Szene aus. Die SPÖ-geführte Stadtregierung bestreitet indes, dass hinter der geplanten Absiedelung des Spritzentausches vom Karlsplatz der Wunsch nach Auflösung der dortigen Szene stehe.

"Nein. Dreimal unterstrichen und mit vielen Rufzeichen", hat Sozialstadträtin Sonja Wehsely derartige Vorwürfe pariert. Da im Juni jedoch die Großbaustelle zum Umbau der Karlsplatzpassage beginne, werde das Angebot geändert: "Wir müssen rechtzeitig reagieren, weil sich die Suchtkranken dort nicht mehr aufhalten werden können." Außerdem schränke man die Szene schließlich nicht ein, sondern baue in Summe das Angebot an Tagesbetreuungsplätzen aus.

Grüne: "Leute gehen dort nicht weg"
Eine andere Zukunft des Karlsplatzes entwirft die Opposition. "Die Leute gehen dort nicht weg", prognostiziert die grüne Mandatarin Heidi Cammerlander. Stattdessen würden nach Absiedelung des kostenlosen Tausches gebrauchte Spritzen nicht mehr abgegeben. Die Kinder hätten dann schlussendlich die Nadeln im Finger, wenn diese im öffentlichen Raum wieder verstärkt zu finden seien.

FPÖ unterstützt Zerschlagung der Szene
Die FPÖ unterstützt Fekter in ihrem Ansinnen, die Szene am Karlsplatz zu zerschlagen. Allerdings sei das Vorhaben, die Problematik an einen anderen Ort in Wien zu verschieben, keinesfalls das Gelbe vom Ei, so Gesundheitssprecher David Lasar: "Um unsere Kinder vor dem todbringenden Gift zu schützen, müssen alle Maßnahmen einer verantwortungsvollen Politik auf Rauschgiftabstinenz ausgerichtet sein." Dies müsse notfalls auch die Zwangstherapie von Süchtigen einschließen.

TaBeNo als neue Anlaufstelle
Mit der neuen Ausweichstation TaBeNo auf dem Wiedner Gürtel will die Sucht-und Drogenkoordination unter anderem den Entfall des Spritzentauschs am Karlsplatz kompensieren.

Diejenigen, die primär zum Spritzentausch kämen, sollten eher den Ganslwirt aufsuchen, der täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet hat, betonte eine Sprecherin: "Das ist die etablierte Spritzentauschstelle." Auch sei es nur hier möglich, sehr große Mengen von Spritzen einzutauschen, was besonders von Klienten außerhalb Wiens genutzt werde. Mit dem rund um die Uhr geöffneten TaBeNo soll eher die jetzt offene Drogenszene des Karlsplatzes angesprochen werden, die neben dem Spritzentausch weiterführende Angebote benötigt.

Wien: Jährlich 2,8 Mio. Spritzen getauscht
Sollte es wider Erwarten Engpässe nach dem Auflassen des Karlsplatzangebots im Zuge der dortigen Passagenrenovierung geben, könne man den alten Spritzentauschbus reaktivieren, der seit einigen Jahren in Pension ist, so die Drogenkoordinationssprecherin. Geplant sei dies nach derzeitigem Stand jedoch nicht. In Wien werden täglich rund 7.800 Spritzen kostenlos getauscht, was sich im Jahr auf rund 2,8 Millionen summiert.

Das TaBeNo soll ebenso wie der jetzige Ganslwirt bis Ende 2011 in Betrieb sein. Dann werden beide Einrichtungen in den neuen Standort am Gumpendorfer Gürtel übersiedeln. Noch im Sommer soll für dieses neue Zentrum der Baustart erfolgen.

(apa/red)

18.6.2010 21:34
1110_Wien, 18. 06. '10 11:07
...
Hat schon mal jemand überlegt, dass mit der Legalisierung von Drogen vielerlei Probleme gelöst werden könnten? Zuerst mal würden die Drogen selber Qualitätsstandards unterworfen, womit ich meine, dass nicht mehr mit Staubzucker oder gar Rattengift gestreckt würde. Außerdem wäre das Problem mit den "schwarzen Drogendealern" mit einem Schlag beseitigt.
Und zuletzt ist sowieso jeder selber dafür verantwortlich, was er tut und lässt...
Aber so weit denkt ja der Durchschnitts-Wähler nicht...
tozion, 18. 06. '10 11:32
Re: ...
Ja, leider ist es aber so, dass die meisten Menschen dumm sind und nicht rational denken. Bin nicht der Meinung, dass das sehr zielführend wäre. Bei Cannabis würden die von dir genannten Effekte positiv überwiegen. Ist zwar eine Droge die in gewissen Fällen auch sehr negative Konsequenzen haben kann (mangelnde soziale Kompetenzen, Auftreten immanenter Krankheiten, Schädigung durch Konsumart), dass wäre jedoch in Relation zum derzeitigen SMG durchaus verantwortbar und zielführend. Bei anderen Drogen finde ich Anlaufstellen vernünftiger, ein Totalentzug der gesamten Bevölkerung wie er im Post unten gefordert wird ist realitätsfern und undurchführbar.
brabus, 18. 06. '10 10:13
Problem lösen
Fekter will das Problem lösen? Dann sollte sie aber nicht nur die Süchtler vom Karlsplatz vertreiben sondern die Lieferanten ausschalten: jeden Dealer, auch wenn noch so geringe Mengen im Spiel hart bestrafen (schliesslich leistet er damit de-facto der fahrlässigen Tötung eines süchtigen Menschen Vorschub), jeder Ausländer/Asylant der dealt oder selbst spritzt in seine Heimat abschieben, alle inländischen Süchtler zusammenfassen und internieren, um sie einem kontollierten Entzug zu unterwerfen, die Vergabe von Ersatzdrogen durch Ärzte und Apotheken stoppen um den Sekundär-deal zu unterbinden und die Verteilung dieser Ersatzstoffe in einer einzigen Ausgabestelle konzentrieren. Große Probleme erfordern radikale Massnahmen. Alles andere ist ein Schmarrn und Verschwendung von Steuergeldern.
sidestep, 18. 06. '10 10:21
Re: Problem lösen
Genau so ist es! Dem ist nichts hinzuzufügen außer, dass die in diesem Posting vorgeschlagenen Maßnahmen s o f o r t und ohne Aufschub umzusetzen sind!!!
tozion, 18. 06. '10 11:14
Re: Problem lösen
Das wird ja ein heftiges Unterfangen bei 330 000 Alkoholkranken und 990 000 Österreichern die Alkohol in gesundheitsgefährdenden Mengen trinken. Und dann noch die 38% der Österreicher die rauchen. Da werden ja eine Menge Trafikanten und Gastwirte "die der fahrlässigen Tötung eines Menschen Vorschub leisten" sitzen gehen....