Mittwoch, 16. Juni 2010

Autozug der ÖBB in Vorarlberg entgleist: Lokomotive stoppt drei Meter vor Haustüre

  • Technisches Gebrechen als mögliche Unfallursache
  • Strecke mindestens bis zum Wochenende gesperrt

Auf der Arlbergstrecke bei Braz im Bezirk Bludenz in Vorarlberg ist ein Autozug entgleist. Zehn der 16 Waggons des 548 Meter langen Pkw-Transportzugs wurden aus den Schienen katapultiert und wie zahlreiche der geladenen Wagen auf und neben den Bahndamm geschleudert. Der Sachschaden ist enorm, der Lokführer wurde nur leicht verletzt, die Bahnstrecke musste gesperrt werden.

Die ÖBB vermuten ein technisches Gebrechen als Unfallursache. Man warte aber die Ergebnisse der Unfallkommission ab, hieß es seitens des Unternehmens. Die Strecke wird frühestens am Montag wieder befahrbar sein. Der Zug war vom rumänischen Curtici nach Valenton in Frankreich unterwegs, der Unfall ereignete sich gegen 3.00 Uhr im sogenannten Brazer Bogen. Normalerweise wird diese Passage mit 60 km/h durchquert, der Pkw-Transportzug dürfte aber mit wesentlich höherem Tempo gefahren sein.

Technisches Gebrechen
Nach Aussagen des Lokführers ließ sich die Geschwindigkeit der Zuggarnitur nur mehr bedingt reduzieren, berichtete ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel. Daher schließe man auf ein technisches Problem an der 84 Tonnen schweren Lok oder an den Wagen. "Menschliches Versagen können wir derzeit ausschließen", betonte Zumtobel. Der Lokführer wurde bei dem Unfall leicht verletzt und erlitt einen schweren Schock.

Nach Angaben des Bludenzer Bezirkshauptmanns Johannes Nöbl entgleisten zunächst die letzten vier Waggons des Zuges, ehe einige hundert Meter weiter bei der ersten Weiche am Ostkopf des Bahnhofs Braz dann die Lok und die übrigen Waggons ausgehoben wurden. "Die Lok liegt drei Meter vor einer Haustüre. Die Waggons und die Pkw wurden auf den Campingplatz geschleudert. Wir hatten Riesenglück, dass nicht mehr passiert ist", betonte Nöbl. Landeshauptmann Sausgruber sprach von einem "kleinen Wunder".

Bis die Strecke wieder befahren werden kann, ist zwischen Bludenz und Landeck ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Daraus erwächst den Reisenden ein Zeitverlust von rund 20 Minuten. Die Nachtzüge werden großräumig umgeleitet.

(apa/red)

16.6.2010 15:54