Chaos in Kirgistan und Moskau zögert
- SUSANNE SCHOLL über die Hintergründe der Kämpfe
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Das Fergana-Tal an der Grenze zwischen Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan galt immer schon als kleines Pulverfass. Vier Ethnien leben hier mehr schlecht als recht nebeneinander. Das Ende der Sowjetunion hat die Gegensätze wieder deutlich zutage treten lassen. Danach kamen die Jahre einer korrupten Führung des ehemals sowjetischen Lokalfürsten Askar Akajew, der 2005 von einem anderen, ebenso korrupten Lokalfürsten gestürzt wurde: Kurmanbek Bakijew und sein Clan haben das Land bis zu seinem Sturz vor wenigen Monaten ausgeraubt.
Bakijew zündelt aus dem Exil weiter. Auch wenn der einstige Präsident geflüchtet ist und heute in Weißrussland lebt, scheint es ganz so, als ob sein Clan nicht bereit sei, die Macht und damit einträgliche Geldquellen so einfach aufzugeben. Bakijew und sein Clan stammen aus dem Süden aus der jetzt so umkämpften Region Osch. Und seine Anhänger sollen, sagen Augenzeugen, für die jetzige Eskalation der Lage in dieser Region verantwortlich sein. Bakijews Bruder Achmad und dessen Verbündete sollen die ethnischen Auseinandersetzungen zwischen in Osch lebenden Kirgisen und Usbeken bewusst angeheizt haben. Es ginge ihnen darum, das Land zu destabilisieren und es der neuen offenbar demokratischer und liberaler eingestellten Übergangsregierung unmöglich zu machen, Kirgistan aus der Krise zu führen.
Russland, das von Übergangsregierungschefin Otunbajewa um militärische Hilfe gebeten wurde, zögert. Offenbar ist man sich in Moskau nicht so sicher, wer von den derzeit in dem strategisch wichtigen zentralasiatischen Staat agierenden Kräften der bessere Verbündete wäre. Dass inzwischen Hunderte Menschen sterben und Zehntausende auf der Flucht sind, fällt bei den politisch-strategischen Überlegungen offenbar nicht ins Gewicht.
