Mittwoch, 9. Juni 2010

Mankell im Interview: Über Israel, den neuen Antisemitismus und seine Verhaftung

  • NEWS: "Die Soldaten haben uns alles gestohlen"
  • Plus: Weiterer Wallander-Roman ist doch möglich

„Wir überlegen, Israel vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Was die gemacht haben, ist Piraterie und Kidnapping. Und sie filmten uns als Ge­fangene. Das ist gegen die Genfer Konvention. Jeder spricht von den tapferen israelischen Soldaten, aber das sind Diebe. Sie haben uns alles gestohlen. Mein Geld, meine Kreditkarte, meine Kleider, alles ist weg. Das muss bestraft werden. Die Soldaten waren genau auf uns vorbereitet. Die wussten, wer ich bin. Einer der Soldaten gab besonders Acht, dass mir nichts passiert. Die wussten ­alles über jeden." So kommentiert der schwedische Autor Henning Mankell in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe seine Verhaftung durch israelische Truppen.

Mankell sieht im Gefolge der Aktion die Gefahr eines neuen Antisemitismus: „Das Risiko ist sehr groß. Die Israelis haben dem Antisemitismus die Türen geöffnet. Aber ich werde dagegen kämpfen." Könnte er nicht selbst als Frontfigur dieser Entwicklung missbraucht werden? „Man geht immer ein Risiko ein, wenn man eine Meinung hat. Aber ich habe keine Angst davor. Ich werde weiter den Dialog suchen." Auch Attacken, wie Peter Handke sie nach seinem Engagement im Jugoslawien-Krieg erdulden musste, fürchtet er nicht: „Mir ist das egal. Ich stehe, wofür ich stehe. In Deutschland waren mehr als tausend Leute bei meinen Lesungen. Sie reagierten total ­positiv. Warum sollte ich mir Sorgen machen? Aber ich verstehe nicht, weshalb ich der einzige Schriftsteller an Bord war. Natürlich kann ich von keinem Kollegen etwas verlangen. Aber als Intellektueller muss man Aktionen setzen, nicht nur Worte."

Zuletzt lässt Mankell in seiner Eigenschaft als Autor aufhorchen: Bisher hatte er stets ausgeschlossen, dass sein an Alzheimer erkrankter Kommissar Wallander nach demn aktuellen Band „Der Feind im Schatten" nochmals wiederkommen könnte. Nun sagt er zu NEWS: „Er hat noch immer ein paar Jahre vor sich. Und er würde mich noch erkennen. Er ist noch nicht ganz tot und könnte 105 Jahre werden. Aber er wird in seine eigene Welt gehen." Die Frage, ob ein weiterer Band möglich wäre, beantwortet Mankell mit „vielleicht".

Das Exklusiv-Interview mit Henning Mankell lesen Sie jetzt im neuen NEWS 23/10

9.6.2010 14:54
founder, 09. 06. '10 15:18
Mankell merkte natürlich überhaupt nichts
Von den Waffen der "Friedensaktivisten". Seine Darstellung der Vorgänge ist so einseitig wie NS-Propaganda.
BadLieutenant, 09. 06. '10 20:25
Re: Mankell merkte natürlich überhaupt nichts
Und wenn er es bemerkt hätte?
Gegen Piraterie (und nichts anderes ist die gewaltsame Inbesitznahme eines fremden Schiffes ausserhalb der eigenen Hoheitsgewässer!) darf man sich zur Wehr setzen, und warum sollte "Notwehr" hier nicht zulässig sein?
maierhofer____, 09. 06. '10 23:39
Re: Mankell merkte natürlich überhaupt nichts
Die Medien hetzen im Allgemeinen imo gegen Israel - und manipulierte Fotos von Reuters spielen denen in die Arme
Viennese, 10. 06. '10 05:56
Re: Mankell merkte natürlich überhaupt nichts
@maierhofer: Man glaubt natürlich alles was in den zeitungensteht, Gestern war BM Häuol mit einem Ausspruch im TV: Man muß nicht alles glauben was in den den Zeitungen steht!. Genauso trifft das auf die Problematik Israel zu. Immer sind die Israelis die Armen, die benachteiligten. Aber es wird von dieser Seite immer wieder vergessen was diese Militärmacht alles gemacht hat. Also die einen ,wie die anderen sollen nicht sagen: Da sind die Bilder manipuliert. Das ist ein ganz alter Hut.