"Ungarn ist nicht Griechenland": EU stärkt
Ungarn nach Finanzmarkt-Desaster Rücken
- Juncker und EU-Finanzminister betont gelassen
- Ungarischer Minister: Halten 3,8-Prozent-Grenze ein

Nach dem ungarischem Finanzmarkt-Desaster ist die EU der Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Osteuropa entgegengetreten. "Ungarn ist nicht in der gleichen Situation wie Griechenland", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag. Ungarns Wirtschaftsminister Gyorgy Matolcsy sagte zu, die mit der Europäischen Union und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) vereinbarte Schuldengrenze von 3,8 Prozent 2010 nicht zu reißen. Dazu müssten die Ausgaben deutlich gesenkt werden. Zugleich müsse es aber auch ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft geben. Wie das miteinander kombiniert werden soll, ließ der Minister offen. Details werde Regierungschef Viktor Orban am Dienstag nennen, sagte er lediglich.
Ungarn hatte an den Finanzmärkten mit der Aussage für Aufruhr gesorgt, es gebe nur noch geringe Chancen, eine Krise wie in Griechenland zu verhindern. Zudem war aus Regierungskreisen das Haushaltsdefizit 2010 auf bis zu 7,5 Prozent beziffert worden - offiziell sind 3,8 Prozent angestrebt. Daraufhin geriet der Euro unter Druck, weltweit gaben die Aktienmärkte nach, Ungarns Landeswährung Forint stürzte ab und Versicherungen gegen eine ungarische Staatspleite verteuerten sich. Die Entwicklungen hielten zum Teil auch am Montag an. Analysten erklärten, Ungarn habe viel Porzellan zerschlagen und werde hart daran arbeiten müssen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Sein Land werde die Abmachungen mit EU und IWF einhalten, sagte Matolcsy dem Sender CNBC nun. Darin sei ein Defizit im Haushalt von maximal 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erlaubt. "Es gibt keinen Zweifel, das wir daran festhalten werden." Zugleich räumte er "grobe Schnitzer" bei der Kommunikation ein. Dabei sei es "offensichtlich, dass Ungarn nicht Griechenland" sei. Der ungarische Staatssekretär Mihaly Varga äußerte sich etwas zurückhaltender: Sein Land versuche, "so nah wie möglich" an die 3,8 Prozent heranzukommen.
Euro weiter in Turbulenzen
Auch andere EU-Spitzenpolitiker wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sowie die Finanzminister Österreichs, Belgiens und der Niederlande sprangen Ungarn - und damit dem Euro - zur Seite. Die Gemeinschaftswährung fiel am Montag erneut auf den tiefsten Stand seit vier Jahren, weil Investoren fürchteten, dass die Schuldenkrise nach Griechenland, Portugal und Spanien auch Osteuropa erreicht. Ungarns Zentralbank hatte sich zuvor bemüht, die Ängste mir der Aussage zu dämpfen, dass die Wirtschaft sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert habe und 2010 mit einem Defizit von 4,5 Prozent zu rechnen sei.
Bei Ratingagenturen wirkte der Schock aber weiter nach. Mit Blick auf die Kreditwürdigkeit seien die Kommentare aus der Vorwoche ein negativer Faktor, teilten Moody's und Fitch mit. Standard & Poor's wollte zunächst den Haushaltsbericht Ungarns und die Reaktionen darauf abwarten. Alle drei Agenturen stufen Ungarn derzeit als noch relativ sicheres Investment ein. Griechische Papiere waren zuletzt auf "Ramsch"-Status gesenkt worden. Deutschland hat das bestmögliche Rating AAA. Das Rating ist entscheidend für die Höhe der Zinsen, die die Länder für ihre Schulden zahlen müssen.
(apa/red)
