Brasilien ist eklatant abhängig von Kaká:
Eine gleichwertige Alternative fehlt im Kader
- Teamchef Dunga schont verletzungsanfälligen Kaká
- Weder Ganso noch Ronaldinho wurden nominiert

·Brasilien fährt ohne Ronaldinho zur WM
Nicht im Kader. Große Ehre für Superstar Kaka
·Todesgruppe fängt in Südafrika mit G an
Gruppe G: Hartes Los für Brasilien und Portugal
Brasiliens Fußball-Teamchef Carlos Dunga hat sich in die Abhängigkeit begeben, in die Abhängigkeit seines Superstars Kaká. Der 28-Jährige von Real Madrid ist der einzige echte Spielmacher im 23-köpfigen Aufgebot für die WM in Südafrika. Dementsprechend behutsam gehen die Trainer mit dem äußerst verletzungsanfälligen Mittelfeldstrategen um. "Wir mussten ihn bremsen, weil er am liebsten in der Früh, zu Mittag und am Abend trainieren würde", sagte Dunga.
Muskuläre Probleme hatten Kaká in den vergangenen Wochen zurückgeworfen. Beim 5:1-Sieg der Brasilianer am Montag im Test in Tansania erzielte der Weltfußballer des Jahres 2007 zwar ein Tor, fühlte sich aber noch "etwas gehemmt". Zumindest war der Offensivspieler zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder 90 Minuten auf dem Platz gestanden. "Das macht mich zuversichtlich. Ich habe überhaupt keine Schmerzen gehabt", sagte Kaká.
Kopfschmerzen würde es seinem Trainer bereiten, würden sich die Probleme durch die Turnierbelastung verstärken oder Kaká nicht richtig in Form kommen. Denn Alternativen zum Kreativspieler gibt es nicht. Zwar hat Dunga ein halbes Dutzend defensiver Mittelfeldspieler mit nach Südafrika genommen, ein zweiter Spielmacher ist aber nicht darunter. Ronaldinho etwa hatte der Teamchef trotz ansprechender Saison beim AC Milan ausgebootet.
Jungstars wurden nicht nominiert
Den Zorn des Volkes zog sich Dunga aber nicht durch die Nicht-Berücksichtigung der Altmeister, sondern zweier in Brasilien äußerst beliebter Jungstars zu. Weder Paulo Henrique Ganso (20), ein klassischer Spielmacher, noch Neymar (18) befinden sich im Aufgebot. Das Duo hatte in der abgelaufenen Saison gemeinsam mit Robinho beim FC Santos gezaubert und befindet sich bei mehreren europäischen Topclubs auf der Wunschliste ganz obenauf.
Ganso - der Spitzname bedeutet Gans - war zumindest im erweiterten Kader gestanden. Für viele Brasilianer wäre das Supertalent aber ein wertvoller Beitrag im WM-Team gewesen. "Ganso ist die größte Entdeckung, die Brasilien in den vergangenen zehn Jahren hervorgebracht hat", meinte etwa die brasilianische Legende Socrates, bei der WM 1982 und 1986 selbst durch Übersicht glänzender Regisseur. "Er ist unglaublich kreativ."
Paradigmenwechsel - erstmals Defensive vorranging
Spielwitz, der der "Selecao" in Südafrika ohne einen Kaká in Höchstform fehlen könnte. "Erstmals können wir nur über eine starke Defensive Weltmeister werden, nicht über die Offensive", meinte ein brasilianischer Radio-Reporter. Durch Teamchef Dunga - einst selbst konsequenter defensiver Mittelfeldmann - habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden. "Trotzdem sind wir abhängig von Kaká." Denn auch AC-Milan-Jungstar Pato steht nicht im Kader
Robinho erzielte gegen Tansania zwar zwei Tore, kommt aber lieber über den Flügel als durch die Mitte. Nominelle Ersatzleute für Kaká sind daher Elano von Galatasaray Istanbul und Julio Baptista vom AS Rom. Spielerisch können ihm die beiden nicht das Wasser reichen. Also liegt es an Kaká, Mittelstürmer Luis Fabiano mit Bällen zu versorgen und dem Rekordchampion den sechsten Titel zu bescheren. "Wir haben kein anderes Ziel", betonte der Superstar. "Wir haben eine Geschichte, der wir gerecht werden müssen."
Kaká hat allerdings ein schwieriges Jahr hinter sich. Eine Adduktorenzerrung hier, eine Schambeinentzündung dort - der 65-Millionen-Mann vermochte in seiner ersten Saison in Madrid nicht wirklich zu überzeugen. Dementsprechend verbissen kämpft er um seine WM-Form. "Ich bin mir sicher, dass ich mich im Laufe des Turniers verbessern kann", meint Kaká. "Ich muss noch etwas lockerer werden, aber dafür habe ich ja noch eine Woche Zeit." Brasilien startet am 15. Juni gegen Nordkorea in die WM.
(APA/red)


















