13.6.2010 17:54

Englands Torhüter Green unter Beschuss:
Nach Patzer gegen USA Buhmann der Nation

  • Green gesteht: "Dafür gibt es keine Entschuldigung"
  • Capello überlegt Tormannwechsel nach Gespräch

Englands Fehlstart hat wieder einmal die Torhüter-Diskussion im Mutterland des Fußballs losgetreten. Seit Jahren fehlt den Engländern ein verlässlicher Schlussmann, schwerwiegende Tormann-Fehler ziehen sich wie ein Roter Faden durch die jüngere Vergangenheit. Teamchef Fabio Capello denkt laut eigenen Angaben darüber nach, Robert Green nach seinem Patzer gegen die USA (1:1) im zweiten Gruppenspiel am Freitag gegen Algerien nicht mehr einzusetzen.

"Wir haben Zeit, mit ihm zu sprechen. Danach werde ich entscheiden", erklärte Capello. "Torhüter machen Fehler, das muss man akzeptieren, genauso wie man Fehler von Schiedsrichtern oder Stürmern akzeptieren muss." Green hatte bei einem eigentlich völlig harmlosen, zentral angetragenen Schuss von Clint Dempsey danebengegriffen, der Ball kullerte an ihm vorbei zum Ausgleich ins Netz. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", gestand der 29-Jährige von West Ham United sichtlich zerknirscht. "Aber es ist passiert."

"Zu grün für England"
Die englische Presse nahm den schwerwiegenden Fehler nicht so lapidar zur Kenntnis, machte Green als eindeutigen Schuldigen für den verpatzten WM-Start aus. Fast alle Sonntagszeitungen hatten ein Foto der peinlichen Szene auf dem Titelblatt. "Rob ist immer noch zu grün für England", titelte die Boulevard-Zeitung "News of the World" und forderte wie viele andere Medien einen Torhüterwechsel. Als Alternativen zu Green stehen Capello Veteran David James (39 Jahre) und Youngster Joe Hart (23) zur Verfügung.

James war wegen leichter körperlicher Probleme erst unmittelbar vor der WM durch Green ersetzt worden, zudem hatte sich auch der Portsmouth-Keeper in der Vergangenheit schon schwere Patzer im England-Tor geleistet. So etwa in der WM-Qualifikation 2004 in Wien gegen Österreich, als ihm ein Schuss von Andreas Ivanschitz unter dem Körper ins Tor gerutscht war. Der Spitzname "Calamity James" (der patscherte James) war geboren, Green hat sich in Südafrika als würdiger Nachfolger in Position gebracht.

Green gibt sich selbstbewusst
"Es gibt nur wenige Beispiele schlechteren Torwartspiels in diesem berühmten Wettbewerb", schrieb der "Sunday Express". Eines davon ist David Seaman, der den Engländern 2002 das WM-Viertelfinale gegen Brasilien gekostet hatte, als er einen 35-Meter-Freistoß von Ronaldinho hatte passieren lassen. Green will sich von seinem Fehler nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Es wird mich psychologisch nicht beeinflussen", versprach der Keeper. "Ich bin alt genug und stark genug, um nach vorne zu blicken."

Capello verteidigte seine Entscheidung für Green, die er bis zuletzt geheim gehalten hatte. "Ich bereue nichts. Er hat einen Fehler gemacht, aber er hat auch eine schöne Parade gezeigt", erinnerte Capello an einen Versuch von US-Jungstar Jozy Altidore, den Green mit etwas Glück zur Stange gelenkt hatte. Auch seine Mitspieler versuchten, Green den Rücken zu stärken. "Vielleicht gewinnt er uns das nächste Spiel mit einer Glanzparade", sagte Kapitän Steven Gerrard, der den Führungstreffer erzielt hatte.

Capello nicht unzufrieden
Mit ihrer spielerischen Leistung durften die Engländer nicht einmal so unzufrieden sein. "Wir haben viele Chancen gehabt, waren besser als die USA", meinte Capello. Lediglich deren physische Stärke habe mit Fortdauer des Spiels Probleme bereitet. Die als Geheimfavorit gehandelten US-Boys waren mit ihrem Start zufrieden, dabei hatten sie spielerisch nur wenige Glanzlichter gesetzt. "Die Defensivleistung war gut", sagte Teamchef Bob Bradley. "Wir können einiges aus diesem Spiel mitnehmen." (apa/red)

13.6.2010 17:54
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