13.6.2010 11:55

Südkorea ohne Mühe gegen Griechenland:
Griechischer Beton wirkt ungewohnt brüchig

  • Charisteas kennt das Problem: "Hatten keinen Spaß"
  • Südkoreas Trainer Huh warnt: "War erst der Anfang"

Griechenlands Nationalteam scheint schon nach seiner Auftaktpartie auf Abschiedskurs zu sein. Das 0:2 gegen Südkorea war ein sportlicher Offenbarungseid, bei dem die Hellenen selbst auf ihre eigentlichen, defensiven Tugenden vergaßen. Das Beton-Bollwerk des Europameisters von 2004 verwandelte sich zu einem brüchigen Mäuerchen, das von den versatilen Südkoreanern eingerissen wurde. 16 Jahre nach ihrer bisher einzigen WM-Teilnahme in den USA warten die Griechen weiterhin auf ihr erstes WM-Tor und ihren ersten Punkt - und müssen gegen Nigeria und Argentinien wohl auf kleine Wunder hoffen.

"Wir wollen den Leuten in Griechenland ein bisschen Freude machen", umriss Stürmer Georgios Samaras die Mission seines Teams. Doch das Wohlfühl-Konzept gegen die Finanz-Depression scheiterte im ersten Spiel auf ganzer Linie. Denn mit zwei Gegentoren waren die Hellenen vor 31.513 Zuschauern im Nelson-Mandela-Bay-Stadion tatsächlich noch gut bedient, der WM-Vierte von 2002 war im ersten Spiel der Gruppe B weiteren Treffern näher als die behäbigen Griechen dem Anschluss.

"Kapitale Fehler in der Abwehr" musste ausgerechnet Trainer Otto Rehhagel, der Verfechter der kontrollierten Offensive, kommentieren. "Wir werden uns morgen zusammensetzen und nüchtern und gründlich analysieren", kündigte der 71-jährige Deutsche an. Es wird viel zu bereden geben. Mit vier ihrer EM-Helden von 2004 in der Startelf wurden die Griechen von den flinken Südkoreanern nicht nur läuferisch überboten, sondern auch spielerisch auseinandergenommen. "König Otto" hatte seiner Mannschaft das erwartete Defensivkonzept verordnet, doch die Marschroute ging nicht auf, weil ausgerechnet die Abwehr immer wieder patzte.

Langsam und umständlich agierte Rehhagels Mannschaft nach vorne und versuchte es am Ende mit langen, hohen Bällen. Theofanis Gekas - in der Qualifikation mit zehn Treffern bester Torschütze in Europa - war in der Spitze praktisch wirkungslos. Seinen ersten Schuss aufs Tor gab Gekas in der 81. Minute ab. Auch der im rechten Mittelfeld aufgebotene Angelos Charisteas blieb blass und war einer der schwächsten Spieler in einer überforderten Mannschaft. "Wir haben keinen Spaß auf dem Platz gehabt", sagte Charisteas, einer der gealterten EM-Helden. Der Stürmer will aber noch nicht aufgeben:  "Diese Mannschaft hat schon öfter Charakter gezeigt. Wir können noch zurückkommen."

Südkoreas Coach Huh Jung-Moo war hingegen zufrieden. "Unser Spiel war nicht perfekt, aber wir haben die Erwartungen erfüllt. Wären wir etwas besonnener gewesen, hätten wir noch mehr Tore geschossen", war Huh überzeugt. Und er schickte eine Warnung an Nigeria und Argentinien: "Wir haben gut gespielt, aber das war erst der Anfang des Turniers."

(APA/red)

13.6.2010 11:55
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