Überraschende Nominierung für die Eröffnungs-Partie: Usbekischer Schiri pfeift
- Erst 32-jähriger Irmatow leitet Südafrika-Mexiko
- Asiens Schiri des Jahres. "Nehme mit Freude an"

Ein nur Insidern bekannter Usbeke pfeift das Eröffnungsspiel der Fußball-WM zwischen Südafrika und Mexiko. Rawschan Irmatow fühlte sich beim ersten Auftritt im Fokus der Öffentlichkeit sichtlich unwohl. Irmatow stand schüchtern vor einer Heerschar Journalisten und bemühte sich vergeblich um einen selbstbewussten Auftritt.
Irmatow, mit 32 Jahren der zweit jüngste und nicht nur wegen seines Alters einer der unerfahrensten unter den 29 WM-Referees, ist für manchen Beobachter ein Wagnis der FIFA.
Die Ehre, den weltweit beachteten ersten Auftritt von Gastgeber Südafrika zu pfeifen, kam selbst für Irmatow überraschend. "Jeder Schiedsrichter würde gerne bei einer WM das Eröffnungsspiel oder das Finale leiten. Dass ich nun dazugehöre, habe ich nicht erwartet. Aber ich nehme die Herausforderung mit großer Freude an", sagte Asiens Schiedsrichter des Jahres.
International ist der Mann aus Taschkent, der bereits seit 2003 zum Kreis der FIFA-Referees gehört, bisher kaum in Erscheinung getreten. Seinen größten Auftritt hatte er im Dezember 2008, als er vor 69.000 Zuschauern in Yokohama das Finale der Club-WM zwischen Manchester United und LD Quito aus Ecuador (1:0) leiten durfte. Irmatow griff damals beherzt durch und zeigte keine Angst vor großen Namen.
Bühne der Exoten
Dass auch vermeintliche Exoten bei der WM zum Einsatz kommen, hat Tradition. Auch in höchsten Kreisen wird diese Praxis hingenommen. "Die FIFA besteht nun einmal aus sieben Konföderationen. Diese haben alle ihre Ansprüche und das Interesse, ihre besten Schiedsrichter zur WM zu senden", erklärte der ehemalige deutsche Weltklasse-Referee Hellmut Krug.
Während der WM 2006 in Deutschland hatte selbst FIFA-Präsident Sepp Blatter das Vertrauen in seine Unparteiischen verloren. Ausgerechnet die europäischen Top-Referees waren es jedoch, denen die dicksten Böcke unterliefen. Der Engländer Graham Poll zeigte im Vorrundenspiel England-Kroatien Josip Simunic drei Gelbe Karten. Der Russe Walentin Iwanow sprach im Verlauf des Achtelfinales Portugal-Niederlande vier Platzverweise aus und zeigte acht Gelbe Karten (Blatter: "Der Schiedsrichter hatte nicht das Niveau der Spieler").
An einen möglichen zweiten Einsatz in Südafrika denkt Irmatow noch nicht, zu hoch türmt sich die Aufgabe vor ihm, vor 90.000 Zuschauern in Soccer City und voraussichtlich über einer Milliarde an den Bildschirmen zu pfeifen. Der Usbeke, der an den Linien von seinem Landsmann Rafael Iljasow und dem Kirgisen Bahadyr Kochkarow unterstützt wird, will seiner wachsenden Nervosität mit Routine begegnen: "Wir pfeifen nicht zum ersten Mal. Wir gehen da raus und machen einfach unseren Job."
(apa/red)


















