Einheimische Trainer am Abstellgleis:
Afrikas-WM-Teilnehmer setzen auf Importe
- Nur ein afrikanischer Trainer im WM-Bewerb aktiv
- Ausländisches Know-how im Traienrstab bevorzugt

Auch wenn Südafrika 2010 die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent beherbergt, vertrauen die heimischen Nationalauswahlen doch weiter auf Trainer aus der Ferne. Bei den sechs afrikanischen WM-Teilnehmern sitzt mit Algeriens Rabah Saadane nur ein afrikanischer Coach auf der Betreuerbank. Während bei Nigeria, der Elfenbeinküste, Kamerun und Ghana traditionell europäische Trainer tätig sind, vertraut Gastgeber Südafrika mit Carlos Alberto Parreira einem brasilianischen Star-Coach.
Das Vertrauen auf ausländisches Know-how im Trainer-Stab hat bei afrikanischen Teams lange Tradition. Bereits bei der WM-Premiere einer Mannschaft aus Afrika setzte Ägypten bei der Endrunde 1934 in Italien auf den Schotten James McCray. Marokko 1970 und Zaire 1974 wurden vom Jugoslawen Blagoje Vidinic gecoacht, ehe bei Tunesiens Antritt 1978 mit Abdelmajid Chetali erstmals auch ein Afrikaner als Teamchef eines WM-Teilnehmers fungierte - was in den kommenden Jahren mehr die Ausnahme denn die Regel sein sollte.
Nur ein Afrikaner auf der Trainerbank
Erst vor acht Jahren in Südkorea/Japan schien der Bann durchbrochen: Drei von fünf afrikanischen Mannschaften vertrauten - mit mäßigem Erfolg - auf einheimische Teamchefs. Vor vier Jahren in Deutschland stand mit Luis Oliveria Goncalves bei Angola dann wieder nur einer an der Outlinie. Auch das Engagement von Saadane erfolgte eher ungeplant. Nachdem die Algerier mit ausländischen Trainern - zuletzt dem Franzosen Jean-Michel Cavalli - keine Erfolge erzielen konnten, übernahm als billigere Lösung die 64-jährige Trainerlegende.
Saadane betreut sein Heimatland zum bereits fünften Mal. Bei der WM-Premiere Algeriens 1982 war er Assistenztrainer und musste dabei die "Schande von Gijon" zwischen Deutschland und Österreich miterleben, in Mexiko 1986 fungierte er bereits als Teamchef. "Ich denke, ich repräsentiere die afrikanischen Coaches und auch die arabischen. Deshalb ist es eine große Verantwortung", meinte Saadane im Trainingscamp der "Fennecs" ("Wüstenfüchse"). Dass er bereits zweimal als Lückenbüßer in die Bresche springen musste, sei auch ihm bewusst: "Das ist eben das Leben eines Coaches in Afrika."
Importware "Know-how"
Oftmals setzen Afrikas Fußball-Großmächte während der Qualifikation auf heimische Trainer, um vor den WM-Turnieren dann bekannte Namen aus Europa zu holen. So unterschrieb Schwedens Ex-Teamchef Lars Lagerbäck im Februar für fünf Monate bei Nigeria, sein schwedischer Landsmann und früherer England-Coach Sven-Göran Eriksson übernahm Ende März für drei Monate die Elfenbeinküste. Die "Elefanten" waren zuvor bereits vom Bosnier Vahid Halilhodzic betreut worden. In Ghana schwingt seit August 2008 der Serbe Milovan Rajevac das Zepter, Kamerun vertraut seit Juli 2009 auf den Franzosen Paul Le Guen.
Allen Teams ist gemein, dass sich die Verbände von den zumeist europäischen Importen taktische Finessen erwarten. Noch immer eilt afrikanischen Teams der Ruf voraus, ungestüm nach vorne zu preschen und dabei die Defensive zu vernachlässigen. Auch wird bekannten Namen eher zugestanden, sich in der Stresssituation WM Respekt zu verschaffen. Dass damit kurzweiliger Erfolg über langfristige Aufbauarbeit gesetzt wird, ist auch Saadane bewusst. Er wolle niemandem Ratschläge erteilen, "aber ich kann sagen, dass es in Afrika genügend Trainer mit großer Qualität gibt".
(apa/red)


















