So viele Favoriten wie noch nie zuvor:
Alle Weltmeister-Nationen in Südafrika dabei
- Viele Titelanwärter - Brasilien und Spanien voran
- Bedenken wegen Sicherheit bei erster WM in Afrika

·Spanien schießt sich gegen Polen warm
Titelkandidat spielt bei 6:0-Testspielsieg groß auf
·Die Welt setzt
voll auf die "Selecao"
Umfrage sieht Brasilien als großen WM-Favoriten
·Die WM-Buchmacher setzen auf Spanien
Neuseeland & Nordkorea würden Reichtum bringen
Am Freitag geht es endlich los. Mit der Partie zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko (16.00 MEZ) wird in Johannesburg die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden angepfiffen. Der Favoritenkreis bei dem Turnier, das die Welt alle vier Jahre in den kollektiven Fußball-Taumel stürzt, ist so groß wie schon lange nicht. Auch die bisherigen sieben Titelgewinner Uruguay, Argentinien, Brasilien, Italien, Deutschland, Frankreich und England sind allesamt dabei.
Doch nicht nur sportlich sind vor dem großen Fußballspektakel einige Fragen offen. Die hohe Kriminalitätsrate im Land ist seit der Vergabe des Turniers an die Südafrikaner ein ständiges Thema, das die Organisatoren mit einem riesigen Sicherheitsapparat in den Griff bekommen wollen.
Zudem rief am Wochenende vor WM-Beginn eine Massenpanik mit 16 Verletzten bei einem Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea in Johannesburg Kritiker auf den Plan. Allerdings war der Ort der Panik keines der zehn WM-Stadien, die FIFA sah "keinen Zusammenhang mit der Organisation der WM 2010, für die weiter volle Zuversicht herrscht.
Die Hoffnungen eines ganzen Kontinents werden auf das Turnier projiziert. Afrika, der "verlorene Kontinent" - gebeutelt von Kriegen, wirtschaftlichen und Natur-Katastrophen - soll von der Fußball-Weltmeisterschaft die Inspiration für eine bessere Zukunft erhalten und das immer noch an den Spätfolgen der Apartheid laborierende Veranstalterland selbst von der Begeisterung zusammengeschweißt werden.
Mega-Investitionen
Rund 4,3 Mrd. Euro hat alleine Südafrika in die WM investiert, vor allem in die Infrastruktur. Die zehn Stadien wurden neu errichtet oder renoviert, in Durban wurde ein neuer Flughafen erbaut, Straßen und das rudimentäre öffentliche Verkehrssystem ausgebaut. Eröffnungsspiel und Finale werden im mehr als 90.000 Zuschauer fassenden Soccer-City-Stadion von Johannesburg ausgetragen werden - ein symbolträchtiger Ort.
In Soccer City fand auch 1990 Nelson Mandelas erste Massenkundgebung nach seiner Freilassung statt. Bei der Eröffnungsfeier wird der hochbetagte und nur noch selten öffentlich auftretende erste schwarze Präsident Südafrikas zumindest für 15 Minuten anwesend sein.
Brasilien und Spanien hochgehandelt
Auf dem Spielfeld scheint der Ausgang des Turniers völlig offen. Europameister Spanien und Rekordweltmeister Brasilien bilden wohl den engsten Favoritenkreis, während Titelverteidiger Italien und Vizeweltmeister Frankreich ebenso wie Deutschland, Argentinien, die Niederlande oder die wieder einmal höchst optimistischen Engländer nicht wirklich überraschen würden, gewännen sie die Weltmeisterschaft. Zu den Außenseitern werden neben den afrikanischen Teams auch die USA gezählt.
Brasiliens Teamchef Carlos Dunga - in seiner aktiven Zeit selbst ein defensiver Spieler - verzichtete dieses Mal auf Diven und ballverliebte Primadonnen wie Ronaldinho, Adriano oder WM-Rekordtorschütze Ronaldo. Der Anlauf auf den sechsten WM-Triumph soll mit Disziplin und einer defensiveren Spielanlage gelingen. Allerdings wird befürchtet, dass die Brasilianer zu abhängig vom verletzungsanfälligen Real-Madrid-Spielmacher Kaka sein könnten.
Deutsche als "Turniermannschaft"
Spanien wiederum, das vor zwei Jahren bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz mit einer souveränen Leistung und beeindruckendem Kurzpassspiel den Titel errang, kann auf ein riesiges Reservoir an Spitzenspielern zurückgreifen. Andres Iniesta, Xavi, Cesc Fabregas, Fernando Torres oder David Villa gehören zu den Besten ihres Fachs. Allerdings sind die Iberer in der Vergangenheit oft an der Bürde des Turnierfavoriten zerbrochen.
Das genaue Gegenteil ist wohl das deutsche Nationalteam, das als die Verkörperung des Begriffs "Turniermannschaft" gilt. Das Team von Nationaltrainer Joachim Löw zeigte in der Vorbereitung mit starken Leistungen auf, muss allerdings auf den großen Star, den verletzten Kapitän Michael Ballack, verzichten.
Große Sympathien würden wohl einem afrikanischen Weltmeister entgegengebracht werden. Während Gastgeber Südafrika als zu schwach eingeschätzt wird, wurden vor allem der Elfenbeinküste bis zur Verletzung von Kapitän Didier Drogba wenige Tage vor Turnierbeginn die besten Chancen auf einen WM-Titel eingeräumt. Das Gesetz der Serie spricht allerdings für die Afrikaner - oder Brasilien. In den bisherigen 18 Weltmeisterschaften gewann bis auf vier Mal stets ein Team vom Veranstalter-Kontinent. Einzig die Brasilianer haben - 1958 in Schweden, 1970 in Mexiko, 1994 in den USA und 2002 in Japan/Südkorea - diese Serie durchbrochen.
(apa/red)


















