Von Miriam Makeba bis zu Dear Reader: Internationale Musikgrößen aus Südafrika
- WM-Land verfügt über eine vielfältige Musikszene
- Großes Repertoire an Stilen: Jazz, Pop, Kwaito & Co.
·Multimedia-Container lädt zu Afrika-Reise
Ausstellung zeigt WM- Kontinent einmal anders
So vielfältig wie das Land selbst ist auch die Musikszene in Südafrika. Von Miriam Makeba, der 2008 verstorbenen, großen Mama Afrika, Ladysmith Black Mambazo, Abdullah Ibrahim oder Brenda Fassie hat wohl fast jeder schon einmal gehört. Unterschiedlichste Musikstile und ihre Vertreter sind heute aller Orts bekannt, wobei das musikalische Repertoire der Regenbogennation von Jazz und Kwela über Kwaito bis hin zu Rock, Hip-Hop, Indie-Pop bis hin zur Afrikaans Folkmusik reicht.
Miriam Makeba machte es sich zur Lebensaufgabe, die südafrikanische Musik in aller Welt bekanntzumachen. Mit ihren Songs wollte sie den Kampf gegen die Apartheid und politische Diskriminierung in Südafrika vorantreiben und verlieh ihre Stimme der unterdrückten schwarzen Bevölkerung in Südafrika. Mit dem Song "Pata Pata" (1967) auf Xhosa, einer der elf offiziellen Amtssprachen Südafrikas, schaffte Mama Afrika den internationalen Durchbruch. Es folgten zahlreiche Auftritte - u.a. ein Duett mit Paul Simon und die gemeinsame Graceland-Tour und auch an der Seite von Whoopi Goldberg brillierte die Vertreterin der Weltmusik in der Musical-Verfilmung "Sarafina!".
Ladysmith Black Mambazo
Nicht weniger bekannt ist die rein männlich besetzte A-Capella-Gruppe Ladysmith Black Mambazo, die Anfang der 60er Jahre im Township Ladysmith gegründet wurde. Die Inhalte der Songs im traditionell, südafrikanischen Musikstil sind vielfältig und reichen von christlichen Themen über Rassismus, Gewalt und dem Leben im Township bis hin zu Songs über Freiheit, Hoffnung und Frieden. Auch Ladysmith Black Mambazo war in die Zusammenarbeit mit dem Musiker Paul Simon für dessen LP "Graceland" involviert und erlangte so internationalen Erfolg, der für weitere Kooperationen mit Stevie Wonder, Peter Gabriel, The Corrs, Ben Harper oder auch Nelson Mandela und Papst Johannes Paul sorgte.
Weltbekannte Jazzmusiker
Jazz wird in Südafrika großgeschrieben, hat doch das Land zahlreiche, weltbekannte Jazzmusiker wie Jonas Gwangwa, Hugh Masekela, Chris McGregor und viele mehr hervorgebracht. Als Jazzikone bekannt ist der tiefreligiöse Kapstädter Abdullah Ibrahim, der bereits seit den 1960er Jahren quer durch die Welt tourt und als Pianist, Komponist oder auch an der Flöte, dem Saxophon und dem Chello Jazzliebhaber mit Modern-Creative-Jazzkompositionen erfreut.
Eigene Stilrichtungen wie Kwela
Im Laufe der Geschichte sind aus der südafrikanischen Musiklandschaft eigene musikalische Stilrichtungen wie etwa Kwela (auch als Pennywhistle Jive bekannt) entstanden. Hierbei handelt es sich um die weit verbreitete Musik der 1950er Jahre mit Jazzelementen und dem für Kwela typischen Instrument Blechflöte.
Kwaito-Stil symbolisiert Auf- und Umbruch
Neben Jazz und Kwela hat sich in Südafrika in den 1990er Jahren vor allem der Kwaito-Stil etabliert - eine Rezeptur aus verlangsamten House-Beats, Rhythm-n-Blues-Akkorden, einer Prise Hip-Hop und klassisch afrikanischen Klängen. Dieser Musikstil, der sich auch des Sprechgesangs in vielen verschiedenen Sprachen (Zulu, Sotho, Xhosa, Afrikaans, Englisch etc.) bedient, symbolisiert Auf- und Umbruch, die Befreiung und die Unterschiede zwischen der Apartheid-Generation und den Generationen, die folgen. Als Begründer des Kwaito-Stils sind die beiden Künstler M'du und Arthur Mafokate bekanntgeworden, eine weitere bekannte Vertreterin ist Brenda Fassie. Die aus dem Township bei Kapstadt stammende Sängerin hat sogar die britischen Charts gestürmt.
Musikfestivals
Auf den heute populären jährlichen Musikfestivals wie Oppikoppi oder Splashy Fen treten vor allem junge und topaktuelle südafrikanische Musiker auf - darunter beispielsweise die Band Freshlyground, die traditionelle südafrikanische Klänge wie Kwela mit Jazz, Blues und Indie-Rock verbindet. Internationale Anerkennung wurde Freshlyground durch den MTV Europe Music Award 2006 als "Best African Act" zugesprochen. Auf Rock spezialisiert und derzeit auf internationalem Höhenflug ist die Band BLK JKS (Black Jacks), die sich vor allem in den USA großer Popularität erfreut.
Web 2.0 auch in Südafrika
Auch im Musik-Business führt kein Weg am Web 2.0 vorbei, so verhalf etwa ein Posting auf der Internet-Plattform Boing Boing den südafrikanischen Trash-Rave-Rappern Die Antwoord zu internationaler Anerkennung. Auch der Solokünstler Linda Mkhize, alias ProKid, konnte mit seinem Rap-Mix aus Englisch und Vernacular (Mundart) über die Landesgrenzen hinweg überzeugen.
Afrikaans- und Indie-Musik
Als Kontrastprogramm zur wachsenden südafrikanischen Hip Hop-, Rock- und Metal-Szene lädt die Band Dear Reader mit klassischem Indie-Pop zum akustischen Verweilen ein. Vor einem Jahr machte die international tourende Band auch im Radiokulturhaus in Wien halt. Nicht zu vergessen bleibt die traditionelle Afrikaans Musik - auch Burenmusik genannt -, mit der sich in Südafrika schon seit längerer Zeit gutes Geld verdienen lässt. Während der Hauptvertreter dieses Musikstils, Steve Hofmeyr, eher zur alten Garde gehört, überzeugt der Musiker Bok van Blerk mit dem populären, patriotischen und vielfach umstrittenen Kassen-Schlager De La Rey die Afrikaans sprechenden Jugendlichen.
Konflikt um WM-Kick-Off-Konzert
Obwohl Südafrika über eine besonders große Vielfalt musikalischer Talente verfügt, sind zunächst vorrangig internationale Größen aus dem Ausland wie Alicia Keys, die Black Eyed Peas oder Shakira ins Line-up des WM-Kick-Off-Konzerts am 10. Juni inkludiert worden. Auf erzürnte Stimmen der südafrikanischen Musikindustrie sowie Druck vom Ministerium für Kunst und Kultur haben die Organisatoren prompt reagiert und die Künstlerriege um einige lokale Musiker erweitert. Mit dabei im Orlando Stadium in Soweto sind auf jeden Fall The Parlotones, Vusi Mahlasela und BLK JKS. Außerdem wird das musikalische Programm auf 15 Radiosender der South African Broadcasting Corporation (SABC) von 1. Mai bis Ende Juli zu 85 Prozent aus lokaler, südafrikanischer Musik bestehen.
(apa/red)


















