Was bringt die WM 2010 Neues? ÖFB-Chef-
Trainer erwarten keine taktische Revolution
- Janeschitz & Ruttensteiner über Turnier in Südafrika
- Qualität der Einzelspieler & Umschalten entscheidend

Österreichs oberste Fußball-Lehrer erwarten sich von der WM in Südafrika keine bahnbrechenden Neuerungen im taktischen Bereich. Sowohl Thomas Janeschitz, Chef der ÖFB-Trainerausbildung, als auch Willi Ruttensteiner, Sportdirektor des Verbandes, gehen eher von einer Fortsetzung der jüngsten Trends aus: Das schnelle Umschalten sowie die Qualität von Einzelspielern, die sich dem Kollektiv unterordnen, werden der Schlüssel zum Erfolg sein.
"Ich glaube nicht, dass wir taktische Revolutionen sehen werden", sagte Janeschitz, und Ruttensteiner schloss sich dessen Meinung an, "weil in diesem Bereich schon alles ausgereizt ist". Die eine oder andere unorthodoxe Formation könnte man laut Ruttensteiner jedoch zu sehen bekommen. "Griechenland ist 2004 mit einem Libero und zwei Manndeckern Europameister geworden. Es kann also durchaus passieren, dass der eine oder andere Trainer zu ungewohnten Mitteln greift, aber neues System, das kann nicht passieren."
Für Ruttensteiner und Janeschitz entscheidet bei Duellen zwischen Teams auf Augenhöhe vor allem die Qualität der herausragenden Spieler - und dabei die Bereitschaft der Stars, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Für Janeschitz ist Weltfußballer Lionel Messi in dieser Hinsicht das Paradebeispiel. "Er arbeitet permanent für seine Kollegen, macht auch Defensivarbeit."
Für den klassischen Primgeiger im zentralen Mittelfeld oder den nur im Strafraum lauernden Goalgetter ist laut Janeschitz im modernen Spitzenfußball kein Platz mehr. "So einen Spieler wie früher Toni Polster kann ich mir bei der WM eher nicht vorstellen", schmunzelte der 43-Jährige.
Als zweiten wichtigen Faktor neben der Klasse der Individualisten haben Janeschitz und Ruttensteiner das Verhalten der Teams bei Ballgewinn und Ballverlust ausgemacht. "Das Umschalten ist ganz wesentlich, egal ob von Offensive auf Defensive oder umgekehrt. Wenn Mannschaften den Ball verlieren und dann unorganisiert sind, wird es für sie schwierig, weil der Gegner sofort den Pass in die Tiefe sucht", analysierte Janeschitz.
Diese Ansicht vertritt auch Ruttensteiner. "Trainer unterscheiden heutzutage in offensive und defensive Spielanlagen. Das Entscheidende ist, wie die Mannschaft umschaltet, wie Inter im Champions-League-Finale sehr gut vorgezeigt hat. Spiele entscheiden sich meiner Meinung nach in den Übergängen. Man muss bei Ballverlust wahnsinnig schnell organisiert sein, sonst ist man verloren", erklärte der Oberösterreicher.
(apa/red)


















