Samstag, 12. Juni 2010

Neue Ausrüstung im Kampf gegen die
Ölpest: Absaug-Kapazität fast verdoppelt

  • Zusätzliche Plattform und Bohrschiff stoßen dazu
  • Bis zu 6,4 Millionen Liter Öl fließen pro Tag ins Meer

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko will BP mit neuer Ausrüstung bis zu 50.000 Barrel Öl pro Tag absaugen können. Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache sagte, das entspreche fast einer Verdopplung der Kapazität. Das neue System solle bis Mitte Juli bereitstehen und auch eher in der Lage sein, mit dem extremeren Wetter während der laufenden Hurrikan-Saison fertig zu werden.

Die US-Regierung hatte am Donnerstag erklärt, möglicherweise flössen seit der Explosion auf einer Bohrplattform am 20. April bis zu 40.000 Barrel (knapp 6,4 Millionen Liter) pro Tag ins Meer. Damit verdoppelten die Wissenschafter ihre bisherigen Schätzungen. Zu Beginn der Katastrophe war noch von 1000 bis 5000 Barrel die Rede gewesen.

Abgepumptes Erdgas wird abgefackelt
Im Moment wird ein Teil des Öls über eine Kappe am Bohrloch in einer Tiefe von 1,6 Kilometern abgefangen und an die Oberfläche gepumpt. Dort verarbeitet ein Schiff - die "Discoverer Enterprise" - bis zu 18.000 Barrel Rohöl am Tag. Es kann bis zu 140.000 Barrel Öl speichern. Das mit abgepumpte Erdgas wird abgefackelt. Der Tanker "Massachussetts" mit einer Kapazität von ebenfalls 140.000 Barrel bringt Öl von dem Schiff zur Küste und benötigt dabei für eine Rundreise vier Tage.

Neue Plattform und neues Schiff
Ab kommender Woche sollen die Plattform "Q4000" und das Bohrschiff "Discoverer Clear Leader" dazustoßen. Über sie können dann je zusätzlich 10.000 Barrel abgepumpt werden, insgesamt also 38.000 Barrel pro Tag. Ein Teil dieses Öls muss abgefackelt werden, weil keine Speicherkapazitäten vorhanden sind. Bis Mitte Juli soll dann die Kappe am Bohrloch durch ein größeres Modell ersetzt werden, dass bis zu 50.000 Barrel täglich auffangen kann. Dann sollen weitere Schiffe hinzukommen, die die zusätzliche Öl-Menge bewältigen können und auch besser für schweren Seegang gerüstet sind. Schließlich soll im August das Leck mit Hilfe von Entlastungsbohrungen endgültig verschlossen werden können.

Im Golf von Mexiko ist durch das Leck die schlimmste Ölpest in der Geschichte der USA entstanden. Bei der Explosion der "Deepwater Horizon" und deren Untergang im April starben elf Arbeiter. Seitdem strömt Öl ins Meer und wird zum Großteil unter Wasser durch Meeresströmungen verteilt. Wissenschaftler haben noch kein klares Bild darüber, welche langfristigen Folgen die Katastrophe auch in anderen Teilen der Welt nach sich ziehen könnte.

(apa/red)

12.6.2010 10:51