Donnerstag, 10. Juni 2010

Bereits 70 Personen in Louisiana erkrankt:
Ölpest verursacht Gesundheitsprobleme

  • Buchmacher wetten auf Ablösung von Tony Hayward
  • Aktienkurs des Ölkonzerns stürzt weiter ins Bodenlose

Durch die Ölpest im Golf von Mexiko sind allein in Louisiana mehr als 70 Menschen erkrankt. Die Betroffenen klagten über Atemprobleme, gereizte Augen sowie Kopf- und Brustschmerzen, teilten die Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaates mit. Acht Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Etwa 50 der Erkrankten hatten direkten Kontakt mit dem Öl oder mit im Kampf gegen die Ölpest eingesetzten Chemikalien, unter anderem weil sie bei den Reinigungsarbeiten nach Beginn der Katastrophe vor knapp zwei Monaten eingesetzt wurden. Die anderen Betroffenen erkrankten den Angaben zufolge vor allem, weil der Gestank der Ölpest bis zu ihnen nach Hause reichte. Von der Ölpest im Golf von Mexiko sind mehrere US-Bundesstaaten betroffen, eine Gesamtzahl der Erkrankungen gibt es nicht.

Skurrile Wette
Britische Buchmacher wetten auf einen Rauswurf von BP-Chef Tony Hayward, der im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko keine gute Figur macht. Die Quote steht 25 zu eins gegen Hayward, wie das Wettbüro Paddy Power mitteilte. Im Rennen um die Nachfolge liegt nach Ansicht der Wettlustigen der bisherige Vertriebschef Iain Conn vorn. Aber auch auf eine Rückkehr des legendären BP-Chefs John Browne wird spekuliert. Der 62-Jährige lenkte die Geschicke des britischen Ölmultis zwölf Jahre lang, bevor er 2007 von Hayward abgelöst wurde.

Zu schaffen machen Hayward offenbar nicht zuletzt sehr kritische Bemerkungen von US-Präsident Barack Obama. Er hätte ihn längst gefeuert, wenn er sein Vorgesetzter wäre, sagte Obama jüngst und bezog sich damit auf eine Reihe von Aussagen, die dem BP-Chef viel Kritik einbrachten. Hayward hatte zu Beginn der Ölkrise die möglichen Folgen als "sehr moderat" verharmlost. Zudem hatte er angesichts der Dauerbelastung in einem Interview gesagt: "Ich will mein altes Leben zurück", was nicht zuletzt angesichts der elf Toten bei der Explosion der Plattform als geschmacklos kritisiert worden war.

BP-Aktie bricht weiter ein
Der Ölkonzern hat eigenen Angaben zufolge genügend Finanzmittel, um für die Kosten der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko aufzukommen. "BP begegnet dieser Situation als starkes Unternehmen", teilte der Ölmulti am Donnerstag mit. Bisher habe die Ölpest BP 1,43 Mrd. Dollar (1,191 Mrd. Euro) gekostet. Eine wirkliche Begründung für die Talfahrt der BP-Aktien sowohl in London als auch an der Wall Street sei für das Unternehmen nicht auszumachen. Das US-Justizministerium hatte zuvor Zweifel geäußert, dass BP und die Bohrfirma Transocean ausreichend Mittel haben, um für die Kosten der Ölkatastrophe aufzukommen.

Die in New York gehandelten BP-Anteilsscheine waren um fast 16 Prozent eingebrochen. In London stürzte die Aktie zu Handelsbeginn am Donnerstag um elf Prozent ab. Die USA erhöhten wegen der Ölkatastrophe den Druck: Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses lud fünf führende Manager fünf großer Unternehmen für eine Befragung in der kommenden Woche vor.

(apa/red)

10.6.2010 10:47