Donnerstag, 10. Juni 2010

Der Kultursommer 2010 ist im Anflug: Das Programm abseits der Salzburger Festspiele

  • Mix aus Shakespeare-Dramen, Komödien & Klassiker
  • Wald- und Weinviertel setzen auf Film-Adaptionen

Mehr als eineinhalb Millionen Menschen besuchen jährlich Festspiele in ganz Österreich. Ob Theater, Konzerte, Opern, Musicals oder Operetten - die Sommerfestivals bieten für jeden Geschmack etwas. Der heurige Theatersommer setzt auf eine bunte Mischung aus Shakespeare-Dramen, leichtfüßigen Komödien, Wiener Theaterklassikern und Film-Adaptionen. Im Folgenden ein unvollständiger Überblick über einige Höhepunkte des Sommerfestspielprogramms abseits der Salzburger Festspiele.

Allein im Rahmen des "Theaterfests NÖ" (http://www.theaterfest-noe.at) finden 23 Premieren an 22 Spielorten in ganz Niederösterreich statt. Den Auftakt dazu bildet heuer "Wilhelm Tell", das in der Donauarena Melk am 22. Juni Premiere feiert. Komödien stehen im sommerlichen Kultur-Programm ganz hoch im Kurs. Das Schloss Weitra Festival zum Beispiel hat das Lustspiel "Adel verpflichtet" von Karl Farkas auf dem Spielplan, die Wachaufestspiele das Stück "Hoheiten in Nöten" und beim Theatersommer Haag sieht man die Komödie "Der nackte Wahnsinn". Im Stift Altenburg stehen zwei Scherze von Anton Tschechow, "Der Bär" und "Der Heiratsantrag", auf dem Programm.

Nestroyfestspiele Schwechat
Die Nestroyspiele Schwechat zeigen ab dem 26. Juni die Posse "Das Gewürzkrämer-Kleeblatt", die Maria Enzersdorfer Festspiele setzen mit "Zu ebener Erde und erster Stock" ebenfalls auf Nestroy. Auf Klassiker des Altwiener Volkstheaters verlassen sich auch die Komödienspiele Porcia in Kärnten, die von 1. Juli bis 31. August u.a. Nestroys "Höllenangst" zeigen (http://www.komoedienspiele-porcia.at). Ferdinand Raimund ist im heurigen Festspielprogramm ebenfalls würdig vertreten. Gutenstein erfreut seine Besucher mit einem Liederabend zu Ehren Ferdinand Raimunds unter dem Titel "Brüderlein fein". Auch die Sommerarena Baden (http://www.buehnebaden.at) zeigt neben Operetten-Klassikern mit "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" ein Schauspiel Raimunds (Premiere: 23. Juli). Die Inszenierung der französischen Regiegröße Jérome Savary mit Karl Markovics als Rappelkopfs verspricht einer der Höhepunkte des Festspielsommers zu werden.

Chmelar und Reiterer im Einsatz
Heuer schaffen es auch einige bekannte Filme als Adaptionen auf die Bühne. Das Stadttheater Berndorf zeigt das Lustspiel "Scherben bringen Glück". In dem Stück, das auf einen Hans-Moser-Film basiert, spielen unter anderem der Kabarettist Dieter Chmelar und ORF-Moderatorin Claudia Reiterer. Im Filmhof Wein4tel spielt man den Komödienklassiker "Ein seltsames Paar". Die berühmte Vorlage mit Walter Matthau und Jack Lemmon ist dort im Rahmen des Filmfestivals zu sehen, ebenso wie 20 weitere Filme zum Thema "Beziehungsvoll".

Film im Waldviertel
Auch im Waldviertler Hoftheater in Pürbach wird auf das Genre Film gesetzt. Am 25. Juni hat dort das Theaterstück "Die 39 Stufen", das auf Alfred Hitchcocks berühmten Agententhriller aus dem Jahr 1935 basiert, Premiere. Am 22. Juli folgt die Premiere von Wolfgang von Goethes "Stella", und auch Felix Mitterers Bergdrama "Munde", das vergangenes Jahr als Freilufttheater auf über 1.000 Meter Seehöhe auf einem der höchsten Berge des Waldviertels aufgeführt und daher in "Nebelstein" umbenannt wurde, wird ab 7. Juli wieder ins Programm genommen (http://www.w4hoftheater.co.at).

Festspiele Reichenau
Im Rahmen der Festspiele Reichenau (http://www.festspiele-reichenau.com) inszeniert Götz Spielmann Hermann Bahrs Komödie "Das Konzert" im Südbahnhotel. In den Titelpartien sind Joseph Lorenz und Petra Morzé zu sehen (Premiere: 4. Juli). Bereits tags zuvor steht Miguel Herz-Kestranek erstmals als Ibsens "Ein Volksfeind" auf der Bühne. Daniel Kehlmanns Erzählsammlung "Ruhm" wird von Anna Maria Krassnigg mit Schauspielern wie Erni Mangold, Regina Fritsch, Nicolaus Hagg oder André Pohl dramatisiert. Die vierte Produktion der Festspiele bietet jungen Schauspielern eine Plattform: Manuel Rubey und Katharina Straßer spielen in Stefan Slupetzkys Dramatisierung von Schnitzlers Entwicklungsroman "Der Weg ins Freie"(Regie: Maria Happel; Premiere: 9. Juli).

Uraufführungen
Im heurigen Sommertheater-Programm gibt es auch Uraufführungen zu sehen: So hat etwa in der Waldbühne Bucklige Welt in Bromberg in Niederösterreich hat am 2. Juli das Schauspiel "Der Freischütz von Bromberg" von René Freund Premiere (http://www.waldbuehne.at), die Tiroler Schlossbergspiele Rattenberg zeigen "Kanzler Bienner" von Manfred Schild als Uraufführung.

Shakespeare in ganz Österreich
William Shakespeare gibt es diesen Kultursommer in fast allen Bundesländern Österreichs zu sehen. Im Rahmen des Laxenburger Kultursommers wird eine magische Posse mit dem Titel "Stürmischer Sturm" (unter anderem mit Marika Lichter und Adi Hirschal) gezeigt. Bei den Shakespeare-Festspielen auf der Rosenburg steht heuer das berühmteste Liebespaar der Welt, "Romeo und Julia", auf der Bühne und auch die Sommerspiele Perchtoldsdorf setzen bei ihrer Wiedereröffnung nach zweijähriger umbaubedingter Spielpause mit "Hamlet"auf einen Shakespeare-Klassiker.

Franzobel in Wien
Im Wiener Lustspielhaus zeigt man die Franzobel-Bearbeitung von "Der Widerspenstigen Zähmung". Auch die Schlossfestspiele Piber bei Graz haben sich für eben diesen Komödienklassiker entschieden (http://www.theater-absolut.at). Wolfgang Böck, der Intendant der Schlossspiele Kobersdorf im Burgenland, setzt ebenfalls auf Sir William. Am 8. Juli hat "Ein Sommernachtstraum" in der Inszenierung von Werner Prinz Premiere (http://www.kobersdorf.at).

Londoner Theater zu Gast
Das Art Carnuntum Welt-Theater-Festival (http://www.artcarnuntum.at) steht bei zwei englischen Gastspielen ebenso ganz im Zeichen Shakespeares. Am 4. Juli wird das Versepos "The Rape of Lucrece" erstmals in der neu rekonstruierten Römertherme von Carnuntum in der Inszenierung von Gareth Armstrong geboten. Das Shakespeare's Globe Theatre London gastiert am 31. Juli und am 1. August mit "The Comedy of Errors" im malerischen Ambiente des Kaiserlichen Festschlosses Hof. Zu allen Aufführungen gibt es Direktbusse von und zu der Wiener Staatsoper.

Güssing setzt auf Oscar Wilde
Der Güssinger Kultursommer zeigt den großen Publikumserfolg "Brandner Kaspar" vom vergangenen Jahr erneut (http://www.kultursommer.net). Auf dem Spielplan der Burgspiele Güssing im Burgenland stehen gleich zwei Werke von Oscar Wilde: Die Erzählung "Das Gespenst von Canterville" und die Komödie "Ein idealer Gatte" rund um politische Intrigen und Liebe in der Londoner High Society. Im Theater Meggenhofen (Oberösterreich) spielt man diesen Sommer unter anderem "Der Patriot" von Felix Mitterer, "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist sowie Henrik Ibsens "Peer Gynt" (http://theatermeggenhofen.at).

Finnland in Kärnten
Auch der Süden Österreichs lockt mit attraktiven Sommerangeboten. Der Carinthische Sommer hat diesmal einen ausgiebigen Finnland-Schwerpunkt, insgesamt zwölf Veranstaltungen sind dem Land am Polarkreis gewidmet, unter ihnen befinden sich auch ein "Finnischer Tango"- Abend sowie eine Lesung aus dem finnischen Nationalepos "Kalewala" von Burgschauspieler Markus Hering (http://www.carinthischersommer.at). Die Südkärntner Sommerspiele Eberndorf setzen auf das Genre Komödie und zeigen "Der Revisor" von Nikolaj Gogol (Premiere: 9. Juli). Der letzte Vorhang ist indessen auf der Burgruine Heunburg gefallen. Mit der Liquidierung des Theatervereins "k.l.a.s." geht ein seit 15 Jahren bestehender Fixpunkt für qualitativ hochwertiges Sommertheater verloren.

Premiere von Händl Klaus-Stück
Sechs Stücke und vier Aufführungsorte gibt es beim fünften Tiroler Dramatikerfestival von 29. Mai bis 2. Juli in Innsbruck und Hall. Im Tiroler Landestheater feiert am 29. Mai das Singspiel "Furcht und Zittern" von Händl Klaus und Lars Wittershagen Premiere (http://www.landestheater.at). Margareth Obexer ist beim Festival mit dem Theaterstück "Gletscher" vertreten (Premiere: 5. Juni). Am 10. Juni findet die Premiere von "Die Reise nach Jerusalem" statt, am 11. Juni wird Bernd Jescheks "Gute Nacht Okapi" in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters gezeigt. Martin Kolozs ist kurz darauf mit "Es ist das Dunkel, das ich fürchte" im Westbahntheater vertreten.

Märchen in Tirol
Die Tiroler Volksschauspiele in Telfs bieten heuer das Märchenspiel "König Hirsch" (Premiere: 29. Juli) und das Drama "Beauty Queen" von Martin McDonagh (Premiere: 22. Juli; http://www.volksschauspiele.at). Und bei den Bregenzer Festspielen schließlich gastiert u.a das Deutsche Theater Berlin mit Joseph Conrads "Herz der Finsternis" und Lukas Bärfuss "Öl" (http://www.bregenzerfestspiele.com).

(apa/red)

10.6.2010 16:54