Samstag, 12. Juni 2010

Krawalle in Kirgistan flammen erneut auf:
Neue Unruhen fordern mehr als 40 Tote

  • Blutige Straßenkämpfe zwischen Usbeken & Kirgisen
  • Behörden haben den Ausnahmezustand verhängt

Bei offenbar ethnisch motivierten Unruhen im Süden des zentralasiatischen Landes Kirgistan sind mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 650 weitere Menschen wurden verletzt, als sich Jugendliche in der Stadt Osch und Umgebung schwere Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften lieferten. Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde schloss einen Anstieg der Opferzahl nicht aus.

Übergangspräsidentin Otunbajewa, die auch die Regierung führt, warnte vor einer weiteren Eskalation. Es seien gepanzerte Fahrzeuge nach Osch geschickt worden, um wieder Ruhe herzustellen. Offenbar herrschte jedoch weiter Chaos. Zeugen berichteten am Telefon, in Osch werde nach wie vor geschossen.

Viele Opfer hätten Schusswunden erlitten, sagte Gesundheitsministerin Bailinowa. Zahlreiche Häuser standen in Flammen. Mit Eisenstangen und Steinen bewaffnete junge Männer überfielen Geschäfte und steckten Autos in Brand. Besonders stark betroffen waren offenbar die Viertel der usbekischstämmigen Minderheit. Nach Schätzungen der Polizei waren mehrere tausend Menschen an den blutigen Ausschreitungen beteiligt.

Was die Unruhen auslöste, ist noch unklar. Die Gewalt griff am Freitag auch auf die Hauptstadt Bischkek über: Auf einem beliebten Markt wurden Angehörige der usbekischstämmigen Minderheit von wütenden Kirgisen angegriffen und ausgeraubt. Im Süden von Kirgistan kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Kirgisen und Usbeken.

Die Interimsregierung des Landes ordnete für Osch und Bezirke in der Umgebung den Ausnahmezustand sowie eine nächtliche Ausgangssperre an. Das Militär patrouillierte am Abend mit gepanzerten Fahrzeugen. In Osch gibt es besonders viele Anhänger des gestürzten Präsidenten Bakijew, der Asyl in Weißrussland gefunden hat. Bakijew war Anfang April gestürzt worden, im Zuge der Unruhen während des Umsturzes kamen 87 Menschen ums Leben.

(apa/red)

12.6.2010 09:01