Mittwoch, 9. Juni 2010

Das Transferkonto steht auf der Kippe:
Harte Verhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP

  • Frage der Länder-Einbindung entzweit die Koalition
  • Einführung der Mindestsicherung wackelt gehörig

Die Verhandlungen um Transparenzdatenbank ("Transferkonto") und Mindestsicherung zwischen SPÖ und ÖVP stehen auf der Kippe. Es gebe einige "Grundsatzfragen", die noch besprochen werden müssten, erklärten die beiden Verhandler, Sozialminister Hundstorfer und ÖVP-Klubobmann Kopf. Die Koalition gönnt sich noch mindestens zwei Tage Verhandlungen, um zu einer Verständigung bezüglich der Transparenzdatenbank zu kommen.

Die Gespräche seien sachlich gelaufen, sagte Hundstorfer gegenüber Journalisten. Es gebe aber Grundsatzfragen, die "auf unseren beiden Ebenen nicht lösbar sind", so der Sozialminister. Kopf betonte, man habe sich "in vielen, fast allen Sachfragen gefunden". Aber es gebe ein bis zwei Fragen von "sehr grundsätzlicher Struktur", und die müssten jetzt in den nächsten Stunden geklärt werden.

SPÖ pocht auf Länder-Einbezug
Die Verständigung zwischen SPÖ und ÖVP hängt letztlich nur noch am Zeitplan. Die SPÖ besteht darauf, dass die Transferdatenbank erst dann in Betrieb gehen kann, wenn auch die Länder mittels einer 15a-Vereinbarung definitiv eingebunden sind. Die ÖVP will hier keine absolute zeitliche Verknüpfung. Die Sozialdemokraten argumentieren damit, dass nur bei zeitgleichem Beginn sichergestellt ist, dass Doppelförderungen aufgedeckt werden können, was die ÖVP ja als ursprünglichen Sinn der Datenbank bezeichnet habe. Die Volkspartei wiederum hat Sorge, dass es durch Widerstand einzelner vor allem SP-geführter Länder zu langen Verzögerungen bei der Einführung der Datenbank kommen könnte, wenn man auf die 15a-Vereinbarung wartet.

Mindestsicherung wackelt
Die Situation ist insofern heikel, als die ÖVP der längst in der Regierung vereinbarten und von den Ländern abgesegneten Mindestsicherung nur dann zustimmen will, wenn gleichzeitig ein fertiges Konzept für die Transferdatenbank vom Sozialausschuss beschlossen wird. Sollte es bis Freitagabend noch immer zu keiner Einigung kommen, könnte auch noch übers Wochenende verhandelt werden, wobei der Samstag von der SPÖ für Parteitag und Sommerfest reserviert ist. Zeit bleibt trotzdem noch, denn der Beschluss der Mindestsicherung im Plenum steht frühestens am Mittwoch an.

Wird bis Freitagabend eine Einigung erzielt, dann wird für Montagnachmittag ein Sozialausschuss einberufen, bei dem die Mindestsicherung und ein Entschließungsantrag zur Transferdatenbank beschlossen werden.

Eigentlich war geplant gewesen, diesen Sozialausschuss morgen, Donnerstag, abzuhalten, die Sitzung wurde nun aber definitiv abgesagt, was nach dem BZÖ auch der FPÖ sauer aufstieß, die in einer Aussendung von "Regierungspfusch" sprach. (apa/red)

9.6.2010 17:19
mmeinung, 09. 06. '10 16:21
Transparenzdatenbank
Jetzt kenn ich mich nicht mehr aus, die Transparenzdatenbank gibt es doch schon. Man kann die EU Förderungen Agrarbereich, Fischereizahlungen, Förderungen im Umweltbereich abrufen - www.transparenzdatenbank.at . Da geht es wohl nur um die Erweiterung und nicht um die Einführung......