Dienstag, 8. Juni 2010

Weniger Krankenhäuser, dafür aber mehr
Ärzte: Die SPÖ möchte den Rotstift ansetzen

  • Bericht hinterfragt die Existenz von Kleinspitälern
  • Verwaltungsreform: Schieder sieht "großes Potenzial"

Zu viele teure Spitalsbetten und zu viele kleine Krankenhäuser leistet sich Österreich im internationalen Vergleich. Das geht aus einem Bericht der von der Regierung eingesetzten Expertengruppe zur Verwaltungsreform hervor. Allein ein Rückbau der "Akutbetten" auf EU-Niveau könnte demnach Einsparungen von rund 2,9 Mrd. Euro bringen. Die SPÖ will nun die Existenz von Kleinspitälern hinterfragen und gegebenenfalls auch welche davon schließen, gleichzeitig aber die Versorgung durch niedergelassene Ärzte verbessern.

Von insgesamt 130 "Fondskrankenanstalten" (also de facto öffentliche Spitäler) haben laut vorliegenden Bericht 50 weniger als 200 Betten, insgesamt 81 Spitäler haben weniger als 300 Betten (Stand März 2010), die meisten davon liegen in der Steiermark. Das Problem dabei: Der Expertengruppe zufolge können Spitäler mit unter 300 Betten nicht so effizient geführt werden wie größere Einrichtungen. Generell werde eine effiziente Strukturplanung auch von der Politik erschwert, so die Experten, etwa durch Standortgarantien.

Überversorgung an Betten
Zusätzlich zu den vielen kleinen Spitälern herrscht eine Überversorgung an Krankenhausbetten: Während die 15 "alten" EU-Staaten nur 3,8 Akutbetten je 1.000 Einwohner benötigen, sind es in Österreich 6,4. Dementsprechend werden auch deutlich mehr Österreicher ins Spital eingeliefert: 26,6 von 100 Einwohnern landen jährlich in Akutspitälern, im EU-Schnitt sind es nur 15,4. In einigen Bundesländern ist die Zahl der Akutbetten in den vergangenen Jahren zwar gesunken, in anderen Ländern gab es allerdings auch Zuwächse.

Eingespartes Geld durch einen Rückbau der Akutbetten könnte in den Ausbau der kostengünstigeren Versorgung durch niedergelassene Ärzte investiert werden. Dringend mehr Geld braucht auch der Pflegebereich: Erwartet wird ein Anstieg der Kosten von rund vier Mrd. Euro im Jahr 2010 auf rund 8,5 Mrd. Euro im Jahr 2030. Weder Bund noch Länder seien allerdings darauf vorbereitet, heißt es in dem Bericht.

"Großes Potential"
Angesichts dieser Ergebnisse will die SPÖ die Existenz von Kleinspitälern hinterfragen. SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder sieht "großes Potenzial" durch Spitalsfusionen und der Schaffung sinnvoller Strukturen. "Das heißt auch, dass man kleine Spitäler schließen muss", meinte er gegenüber der APA. Im Gegenzug müsse aber die Versorgung durch niedergelassene Ärzte verbessert werden, etwa durch Gruppenpraxen mit längeren Öffnungszeiten (ein entsprechender Entwurf des Gesundheitsministers soll demnächst in den Ministerrat kommen, Anm.).

Faymann unterstützt Schieder
Bundeskanzler Werner Faymann unterstützte Schieder, man sollte nun mit den Ländern in Gespräche treten, sagte er nach dem Ministerrat. Die Krankenhäuser würden ja nicht durch völlig andere Einrichtungen ersetzt, vielmehr werde man die Standorte für die stationäre Pflege benötigen. Prinzipiell sei auch eine Fusion der Krankenkassen kein Tabu, erklärte Faymann auf eine entsprechende Frage. Ablehnend reagierte hingegen VP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka, der sich für die Einrichtung von Schwerpunktspitälern aussprach. Von einer radikalen Schließungsstrategie halte er nichts.

FPÖ-Ärztesprecher Andreas Karlsböck zeigte sich in einer Aussendung erfreut, dass nun über Einsparungspotenziale bei den Spitälern diskutiert werde, aber auch skeptisch, dass wirklich ein "akzeptables Ergebnis" erzielt werde. Eine flächendeckende Versorgung mit Spitälern sei wichtig, betonte BZÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Spadiut, man müsse aber die einzelnen Abteilungen nach Erreichbarkeit und Auslastung bewerten.

(apa/red)

8.6.2010 14:41
st51, 08. 06. '10 17:49
Neinsager
Und warum von der ÖVP wieder ein "nein". Möchte endlich einmal eine seriöse Debatte von diesen Partein hören. Es wird wie immer blockiert, man kann über eine gute Lösung dieses Themas diskutieren, nur nein sagen finde ich erbärmlich.
sidestep, 08. 06. '10 14:36
Endlich
In Kärnten gibt es mit den Privatspitälern 14 (!) Spitäler auf einen Einwohnerzahl von 550.000 Menschen. Davon sind 11 Spitäler von der öffentlichen Hand. Genügen würden eines in Wolfsberg (Kärnten Ost), eines in Klagenfurt und Villach (Kärnten Mitte) eine in Hermagor (Kärnten Süd) dort sind übrigens in einem dünn besiedelten Bezirk in unmittelbarer Nähe zwei Krankenhäuser, eines in St. Veit, (Kärnten Nord) und eines in Spittal/Drau (Kärnten West). Was die Privaten machen ist mir "wurscht" weil die sich ja selbst erhalten sollten. Daher weg mit den übrigen. Das ist Ballast der abgeworfen gehört!