Freitag, 11. Juni 2010

Happy End nach Entführung in Salzburg:
Kinderwunsch als Tatmotiv der Entführerin

  • 32-jährige Frau in psychiatrische Klinik eingewiesen
  • Verdächtige ging mit leerem Kinderwagen spazieren

Einen Tag nach der Entführung der drei Monate alten Nora aus einem Salzburger Einkaufszentrum gab es erste Hinweise auf ein Motiv, das die 32-jährige Frau aus dem Bezirk Kitzbühel zu dieser Tat bewogen haben könnte. Zeugen haben berichtet, dass die mutmaßliche Täterin in den vergangenen Wochen schon mehrmals in ihrer Umgebung mit einem leeren Kinderwagen spazieren gegangen sei.

Die Tirolerin war am Mittwoch nach der Entführung mit dem Baby zunächst in ihre Heimat gefahren. Sie besuchte dort eine Freundin und stellte ihr das Baby als eigenes Kind vor, so die Polizei. Danach dürfte sie von Bekannten erfahren haben, dass mit Fotos aus der Überwachungskamera nach ihr gefahndet wird, und sie machte sich auf den Weg nach Bayern. Neben dem Parkplatz eines Supermarktes setzte die Frau die kleine Nora in ihrem Maxi Cosi ab, wenige Minuten später wurde sie ganz in der Nähe von der Polizei angehalten.

Entführung im Einkaufszentrum
Die kleine Nora war am Mittwochvormittag aus einem Salzburger Einkaufszentrum entführt worden, während die Mutter gerade Kleidung in einer Umkleidekabine anprobierte. Dank der veröffentlichten Bilder aus der Überwachungskamera gingen bald Hinweise ein, so dass die Polizei ganz gezielt nach der Tirolerin fahnden und sie fünf Stunden nach der Entführung auch festnehmen konnte. Das Baby wurde noch am Nachmittag den überglücklichen Eltern übergeben und ist wohlauf.

Familie geht es gut
"Es geht uns sehr gut. Wir wollen diesen Tag in Ruhe mit den Kindern genießen." Mike Zwilling, dem Vater der kleinen Nora, war schon an der Stimme anzuhören, wie froh er und seine Frau Nina über den glücklichen Ausgang der gestrigen Entführung sind.

Keine Interviews mehr
Eigentlich wollte die Familie Zwilling den heutigen Tag abseits des Medienrummels verbringen. Doch bis zum späten Vormittag seien bereits 60 bis 70 Anfragen eingelangt, erzählte der Salzburger. "Gestern haben wir uns entschieden, dass wir keine Interviews geben wollen." Aber für ein paar Worte blieb doch noch Zeit. Nora ist wie die ganze Familie "gesund und munter, alles ist in Ordnung".

Kinderwunsch als Motiv
Die 32-Jährige hat die Tat im Wesentlichen gestanden. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, Volker Ziegler. Die Frau habe im Vorjahr ein Kind bei der Geburt verloren und wollte unbedingt ein Baby haben. Die Tirolerin wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und wird dort eingehend untersucht.

In Psychiatrie eingewiesen
Bei einer ersten, kurzen Untersuchung hat ein Psychiater einen "übersteigenden Kinderwunsch und eine Störung des Sozialverhaltens" festgestellt, zitierte der Staatsanwalt aus dem Befund. Zur genauen Abklärung wurde sie daher in die Klinik eingewiesen. Dort soll außerdem geklärt werden, ob die Verdächtige schuldfähig war.

Verdächtige verfolgte auch zweite Frau
Einen Tag vor der Kindesentführung ist die mutmaßliche Täterin einer Frau mit einem vier Monate alten Baby im Salzburger Europark "eineinhalb Stunden lang permanent nachgegangen", bestätigte Josef Holzberger vom LKA Salzburg. Die verfolgte Mutter habe ihr Kind nicht aus den Augen gelassen und auch in die Umkleidekabine mitgenommen. Schließlich habe die Frau von ihrem offensichtlichen Vorhaben abgelassen.

Die verdächtige Tirolerin soll auch dieselbe Kleidung wie bei der Entführung am Mittwoch getragen haben. Am Dienstag um zirka 13.00 Uhr habe sie die Kundin im H&M angesprochen und wie die Mutter von Nora in ein Gespräch verwickelt. Während die Verdächtige Kinderschlafsäcke ansah, habe sie erzählt, sie hätte zu Hause ihre Zwillinge ebenfalls in einem Schlafsack liegen. Das erzählte die Zeugin der Polizei, nachdem über den Entführungsfall in den Medien berichtet worden war.

(apa/red)

11.6.2010 11:09