Dienstag, 1. Juni 2010

Der Nahe Osten - eine Zeitbombe

  • Susanne Scholl über über die Eskalation der Gewalt
  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Die Toten im Meer vor Gaza sind durch nichts zu rechtfertigen. Eine Armee, die Schiffe mit Hilfsgütern und Zivilisten an Bord mit Waffengewalt angreift, macht sich schuldig. Mögen die Zivilisten auch noch so fragwürdige Aktivisten einer noch so fragwürdigen Organisation sein.

Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gibt es schon lange keine Guten und Bösen, keine reinen Opfer und reinen Täter mehr. Israel hat einen unbestreitbaren Anspruch darauf, in Sicherheit zu leben. Die Palästinenser haben einen ebenso unbestreitbaren Anspruch darauf, ihren eigenen Staat so zu regieren, wie sie das wollen.

Die große Zustimmung der palästinensischen Bevölkerung für die Hamas mag ebenso bestürzen wie jene der Ungarn für Jobik. Aber – die Hamas ist in Gaza mithilfe einer demokratischen Wahl an die Macht gekommen. Dass Israel die Bevölkerung von Gaza jetzt seit Jahren mittels einer fast lückenlosen Blockade für diese Wahl bestraft, widerspricht allen Regeln der Demokratie und des normalen Umganges zwischen Staaten. Ebenso wie die ständigen bewaffneten Angriffe der Hamas auf Israel diesen Regeln und diesem Umgang zutiefst widersprechen.

Israel hat das Recht, wie jeder normale Staat auf der Welt behandelt zu werden. Es hat aber auch die Pflicht, sich wie jeder normale Staat auf der Welt zu verhalten. Die Palästinenser haben das Recht auf Selbstbestimmung und einen eigenen Staat. Sie haben aber auch die Pflicht, ihre Nachbarn zu respektieren. Die Hamas ist vermutlich nicht bereit, diese Pflicht wahrzunehmen. Das rechtfertigt weder die Blockade Gazas noch den bewaffneten Angriff auf die Schiffe. Die nahöstliche Zeitbombe tickt danach jetzt wieder um einiges schneller – und Israel ist dadurch in keiner Weise sicherer geworden.

1.6.2010 14:18