Eine Frage der Bildung
- Markus R. Leeb über den Aufschwung im Osten
- Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?
Auf das Niveau unserer Bildung bilden wir Österreicher uns seit Jahrzehnten viel ein. Ganz zu Recht, wie ich meine, denn vor 100 und auch vor 50 Jahren war unser Bildungssystem eines der fortschrittlichsten. Dar - in liegt auch ein Problem verborgen: Das System ist in seinen wesentlichen Grundzügen noch immer dasselbe. Und so ist uns heute vor allem die Einbildung geblieben. Für mich ist es europäische oder vielleicht treffender westliche Arroganz. Allzu gern sehen wir im Osten, allen vor an China und Indien, unsere verlängerten Werkbänke.
Dort produziert man billig und stellt schlechte Kopien her. Dieses anmaßende Bild hat mit der Realität nicht mehr viel zu tun. Vor gut einer Woche konnte ich mir in China ein Bild machen vom ökonomischen Fortschritt. Als markantes Beispiel will ich ein Forschungs- und Entwicklungszentrum von Huawei in Shanghai erwähnen: Gut 8.000 Personen forschen und entwickeln dort neueste Technologien weiter, ohne die heute kein Mobilfunkanbieter mehr auskommt. Innerhalb von 22 Jahren entstand ein Global Player. Schaut man hinter die Kulissen, erkennt man ein engagiertes Bildungssystem, internationale Ausbildungsmöglichkeiten, wissensdurstige Studenten und hohe Forschungsbudgets. Noch etwas ist klar erkennbar: Europa spielt kaum noch eine Rolle in deren Wahrnehmung.
Markus R. Leeb
leeb.markus@news.at
