Mittwoch, 2. Juni 2010

Computerfehler lässt Börsenkurze purzeln:
150 Milliarden Euro Verluste an Börse Osaka

  • Fälschlicherweise Derivate auf den Leitindex gesetzt
  • Peinliche Panne bringt Deutsche Bank in Bedrängnis

Ein Computerfehler im Handel der Deutschen Bank hat für Aufregung am japanischen Aktienmarkt gesorgt. Das Institut platzierte an der Börse in Osaka fälschlicherweise Verkaufsaufträge für Derivate auf den Leitindex Nikkei von umgerechnet 151 Mrd. Euro (16,7 Bill. Yen), wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Die Preise für die Futures gaben daraufhin wie auch der gesamte Nikkei leicht nach. "Wir nehmen diesen Vorfall extrem ernst und tun alles, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt", teilte das größte deutsche Geldhaus mit, ohne Angaben zur Größenordnung der Orders zu machen.

In ihrer Erklärung führte die Bank die von Experten als peinlich kritisierte Panne auf einen Fehler im internen Handelssystem des Instituts zurück. Finanzkreisen zufolge wurden mehr als 99 Prozent der fehlerhaften Orders noch gestoppt, so dass nur ein Bruchteil der Aufträge auch tatsächlich ausgeführt wurde. "Dies hat die Auswirkungen des Fehlers massiv begrenzt", sagte ein Insider. Betroffen sei der Eigenhandel, den das Geldhaus seit Monaten deutlich zurückfährt.

Vor einem Monat hatte vermutlich ebenfalls ein Systemfehler eines oder mehrerer Marktteilnehmer an den US-Börsen zu einem abrupten Kurssturz geführt. Der Leitindex Dow Jones verlor innerhalb von zehn Minuten sechs Prozent - der genaue Grund ist weiter unklar. Kurz danach machten Gerüchte die Runde, ein Händler habe versehentlich den Verkaufsknopf gedrückt. Doch Anhaltspunkte für einen solchen als "Fat Finger" gebrandmarkten Fehler gibt es nicht. Beispiele hierfür gibt es aber zahlreiche: So hatte die Schweizer UBS 2001 versehentlich 610.000 Aktien einer japanischen Firma für 16 Yen das Stück verkauft - geplant war eigentlich die Veräußerung von 16 Aktien für 610.000 Yen pro Stück.

(apa/red)

2.6.2010 15:32
brabus, 06. 06. '10 20:41
Computerfehler
Der Titel täuscht. Aufträge erteilen noch immer Menschen, ebenso haben diese die erforderlichen Kontrollen durchzuführen. Aber der Vorfall ist nur ein Grund mehr, den ganzen Börsenzauber aufzulösen und dahin zurückzuführen, wo er seinen Ursprung fand: in der Finanzierung von Firmen mit den Ziel dann am Erfolg beteiligt zu sein. Alles andere ist nur Zockerei.
founder, 02. 06. '10 16:17
TÜV für Börsensoftware
Wie kann sowas passieren? Software die solche Fehler zulässt ist wie ein LKW mit defekten Bremsen, abgefahrenden Reifen, Stoßdämpfer durchgerostet.

Solche Software gehört aus dem Verkehr gezogen.

http://politik.pege.org/2010/150-milliarden.htm
momotobolo, 02. 06. '10 16:49
Re: TÜV für Börsensoftware
Schlechte Software ist der Tod jeder Firma. Dann besser die Zettel wieder handgeschrieben ausfüllen, wie vor 30 Jahren, dann passieren solche Fehler nicht.
founder, 02. 06. '10 18:07
Bei 0,05% Transaktionssteuer
wären für den kleinen Irrtum mit 150 Milliarden Verkaufsorders 75 Millionen Transaktionssteuer fällig gewesen.
BadLieutenant, 03. 06. '10 08:02
Re: TÜV für Börsensoftware
... und bei 75 Millionen Transaktionssteuer wäre damit der Schaden der Bank um 75 Millionen höher.
Und wem soll das nützen?
founder, 03. 06. '10 09:06
Re: TÜV für Börsensoftware
Niemand würde es wagen so einen Mist an Software ein zu setzen, der durch einen Fehler gleich 75 Millionen EUR Schaden verursacht.

Die Transaktionssteuer ist der Stoßdämpfer für die Börse und verhindert wirksam Software für Mikrospekulation.

Diese hochgefährliche Software würde dann einfach niemand mehr einsetzen.

http://politik.pege.org/2010/transaktionssteuer.htm