Krank sein wird jetzt teuer: Rund 410.000
Selbstständige müssen Arzt bar bezahlen
- Stöger verärgert: "Sich zurücklehnen geht nicht an"
Demonstrationen: Betroffene gehen auf die Straße - Vertragsloser Zustand kann sich über Monate ziehen

Seit heute wird beim Arzt gezahlt, zumindest wenn man in der SVA versichert ist, die sich mit der Ärztekammer nicht auf eine neue Honorarordnung einigen hat können. Deshalb müssen die Kosten beim Mediziner vorgestreckt werden, die Gewerbliche Versicherung zahlt den größten Anteil an den Patienten nach. Dies gilt freilich nicht für die Ambulatorien, die trotzdem keinen Ansturm verzeichneten. Dauerbelegt war dafür die Telefon-Hotline der SVA, deren Versicherte sich am Nachmittag auch zu zwei Protestkundgebungen vor Wirtschafts- und Ärztekammer aufmachten.
Hintergrund des Streits: Die SVA möchte die überdurchschnittlichen Ärztetarife senken, die Kammer will das nicht akzeptieren. Die niedergelassenen Ärzte sind damit frei in ihrer Honorargestaltung, die Kammer empfiehlt 20 Prozent Aufschlag auf die bisherigen Tarife. Auf der Strecke bleiben die Patienten, die nur 80 Prozent dessen zurückbekommen, was die SVA bisher bezahlt hat.
Stöger verärgert
Die Politik zeigte sich verärgert über die Nicht-Einigung von Gewerblicher Versicherung und Ärztekammer, die zur jetzigen Situation geführt hat. Gesundheitsminister Alois Stöger stellte den Verhandlern die Rute ins Fenster. Wenn sich in den nächsten zwei Monaten nichts tue, werde er eingreifen. "Sich jetzt zurückzulehnen geht nicht an", meinte er.
Versicherte demonstrieren
Die Betroffenen wollen sich nun auf der Straße zur Wehr setzen. Etwa 100 gewerblich Versicherte versammelten sich vor der Wirtschaftskammer, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen - unterstützt übrigens vom stellvertretenden SVA-Obmann Martin Gleitsmann, der auch für Fragen zur Verfügung stand. Am späteren Nachmittag werden sich die entrüsteten Selbstständigen dann noch vor die Ärztekammer stellen, um ihren Unmut kundzutun.
Gleich eine Strukturreform des ganzen Gesundheitswesens verlangten die Rechtsparteien. FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein bezeichnete es als Gebot der Stunde, die Kassen zusammenzulegen. BZÖ-Chef Josef Bucher sprach von einem "unwürdigen Streit" auf dem Rücken der Selbstständigen.
SVA hofft auf E-Card-Akzeptanz der Ärzte
Der stellvertretende SVA-Obmann Martin Gleitsmann appellierte eindringlich an die Ärzte, Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten von Patienten zu nehmen und weiterhin bargeldlos zu behandeln und über die E-Card zu verrechnen. Gleitsmann erinnerte daran, dass 60 Prozent der Versicherten ein monatliches Einkommen von unter 1.000 Euro hätten. "Für diese Versicherten wäre es eine unglaubliche Erleichterung, wenn sie auch in der vertragslosen Zeit bargeldlos zum Arzt gehen könnten - dem kann sich eine Standesvertretung mit einer derart hohen Verantwortung nicht entziehen", erklärte er.
Von der Ärztekammer kam postwendend eine Abfuhr. Sprecher Martin Stickler erinnerte daran, dass die SVA von sich aus die nun angesprochenen Versicherten - nämlich vor allem neue Selbstständige und Ein-Personen-Unternehmen - rekrutiert habe, obwohl diese strukturell gar nicht in eine Kasse wie die SVA mit generellem Selbstbehalt gehörten.
(apa/red)
