Freitag, 4. Juni 2010

Ein Ölkonzern ringt um sein Überleben:
Öl-Fiasko wird für BP zur Schicksalsprobe

  • Schließung des Bohrlochs kann noch Monate dauern
  • Drohende Strafzahlungen werden Milliarden kosten

Das Öl strömt und strömt. 1.500 Meter unter der Wasseroberfläche schießen pro Tag bis zu drei Millionen Liter in den Golf von Mexiko - 2.000 Liter pro Minute. Wie viel Öl schließlich im Meer landet, ist für BP zu einer existenziellen Frage geworden. Die Kosten für Aufräumarbeiten werden schon jetzt in Milliarden gemessen, hinzu kommen gigantische Schadenersatzforderungen und Einnahmeausfälle.

Als ganz große Unbekannte könnten sich jedoch Strafzahlungen entpuppen, nachdem die USA zivil- und strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen haben. Auch wenn der bisher steinreiche Gigant nicht vor dem Bankrott steht - er könnte zur leichten Beute für eine Übernahme werden.

Der Kurs der BP-Aktie liefert ein eindeutiges Indiz dafür, welche Bedeutung die Krise für den Konzern hat. Vor der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor sechs Wochen war BP gemessen am Marktwert die größte britische Firma. Seitdem ist der Wert des Konzerns um rund 35 Prozent oder 70 Mrd. Dollar (57,3 Mrd. Euro) geschmolzen. Mit weniger als 140 Mrd. Dollar ist BP inzwischen nur noch halb so viel wert wie Exxon und auch kleiner als der Rivale Royal Dutch Shell. Aktienhändler fragen sich, ob die Aktie ein Schnäppchen geworden ist oder sich langfristig als wertlos entpuppen wird.

BP-Chef Tony Hayward gab zu, dass der Konzern auf das Leck am Meeresgrund nicht vorbereitet gewesen sei. "Es stimmt ohne Zweifel, dass wir nicht die Werkzeuge hatten, die in einen Werkzeugkasten gehören", sagte Hayward der Zeitung "Financial Times".

Bereits 1,35 Milliarden Dollar gezahlt
Auf Druck Washingtons erklärte sich BP bereit, die Kosten für den Bau von sechs künstlichen Sandinseln vor Louisianas sensiblem Marschland in Höhe von 360 Millionen Dollar (293 Millionen Euro) zu übernehmen - damit stiegen die bisherigen Ausgaben des Konzerns zur Bewältigung der Ölpest auf 1,35 Milliarden Dollar.

Nach der Ratingagentur Moody's stufte nun auch Fitch am Donnerstag die Kreditwürdigkeit des Unternehmens von AA+ auf AA ab. Mit der Note AA ist BP trotzdem weiterhin als guter Kreditnehmer bewertet, doch warnte Fitch, der Ölkonzern riskiere eine weitere Abwertung. Es sei mit weiter steigenden Risiken für das Unternehmen nach der Explosion der Bohrinsel "Deep Water Horizon" vor rund sechs Wochen zu rechnen. Im schlimmsten Fall drohten BP für die Reinigung von Meer und Küste Kosten von bis zu fünf Milliarden Euro.

Lösung erst im August?
Endgültige Klarheit über die Kosten wird es erst geben, lange nachdem das Leck endgültig verschlossen ist. Und das kann noch dauern: BP setzt auf Entlastungsbohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Sie gelten als verlässliches, aber zeitaufwendiges Verfahren: Die notwendige Tiefe sollen die Bohrungen erst im August erreicht haben. In der Zwischenzeit will BP mit einer Art Glocke zumindest einen Teil des austretenden Öls auffangen.

BP selbst beziffert die bisherigen Kosten auf knapp eine Milliarde Dollar. Falls erst Entlastungsbohrungen den Ölfluss stoppen können, rechnet Konzernchef Tony Hayward mit 3 Mrd. Dollar.


(apa/red)

4.6.2010 14:38
keinauto, 04. 06. '10 08:33
BP ringt...
Den Boßen wird es ziemlich egal sein. Die Zeche zahlen wie immer die Arbeiter und Angestellten!!!
weltbürger, 05. 06. '10 22:14
Re: BP ringt...
AUFRUF: boykotiert BP - tankt bei den mitbewerbern