"Neuer Melzer" kehrt zurück nach Hause:
Ewigem Talent endgültig Knopf aufgegangen
- Paris-Halbfinalist: "Freue mich auf Rasen-Saison"
- Neue Rangliste führt ihn als Nummer 16 der Welt

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Jürgen Melzer hat Paris fast mit einer neuen Identität als Sportler verlassen. In Österreich ist er in Sachen Anerkennung mit Sicherheit zwei Stufen nach oben geklettert. Schließlich hat der Niederösterreicher als erst zweiter Akteur nach Thomas Muster ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht, drei Mal durften sich die Fans auch live im ORF von den Qualitäten des seit Turnierbeginn 29-Jährigen überzeugen. Noch nie wurde so viel über ihn geschrieben und berichtet.
Schon beim viel umjubelten Sieg im vergangenen Herbst bei der Bank-Austria-Trophy in der Wiener Stadthalle, wo Melzer freilich seinen Titel verteidigen wird, hatte es zum ersten Mal "Klick" gemacht. Die Hoffnungen auf einen weiteren Aufstieg in seiner Karriere waren gesät. Mit einem von seinem Umfeld gestärkten Glauben an sich selbst, einem viel positiveren Auftreten auch bei Rückständen und auch einer geänderten Körpersprache in schwierigen Situationen hat sich Melzer spielerisch und auch spieltaktisch so gesteigert, dass er ab Montag laut ATP als Nummer 16 der Welt aufscheinen wird.
So gut wie noch nie
So gut war bisher auch nur ein ÖTV-Spieler bei den Herren - Thomas Muster. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass bedeutet mir nichts", sagte Melzer. Das selten gewordene Lamentieren bei bestimmten Spielsituationen, Netzrollern und ähnlichem, und die positiven Körpersignale sind wohl auch auf sein Betreuerteam zurückzuführen. "Ronnie hat zu mir vor dem Match gesagt: 'Egal, was passiert, die Brust muss draußen sein, der Kopf muss oben sein, weil du bist wer' - das versuche ich durchzuziehen", schilderte Melzer, der sich in seinem ersten Major-Semifinale dem bisher besten Rafael Nadal bei diesen French Open (wie dieser selbst sagte) in drei Sätzen 2:6,3:6,6:7 (6) beugen musste.
Für Melzer geht es nun in die kurze Rasen-Saison, er wollte am Wochenende entscheiden, ob er diese kommende Woche in Halle oder erst in Hertogenbosch beginnt. "Aber ich werde nur eines von den beiden Turnieren spielen." Mit gestärktem Selbstvertrauen marschiert der Junioren-Wimbledonsieger 1999 also nun in Richtung Tennis-Mekka. "Ich freue mich auf die Rasen-Saison. Wenn ich auf Platz 16 bleibe, wäre das noch besser, dann kriege ich eine ordentliche Setzung auch noch", hofft Melzer auf eine gute Ausgangslage für das dritte Grand-Slam-Event des Jahres.
"Extrem viel Selbstvertrauen"
Wie Melzer in die Rasen-Saison geht? "Mit extrem viel Selbstvertrauen. Und ich weiß, dass ich auf Rasen super spielen kann und wenn dann noch das eine oder andere Match am Anfang in meine Richtung fällt, bin ich sicher gefährlich." Besonders arbeiten möchte der Deutsch Wagramer mit Wohnsitz in Wien am Aufschlag, oder daran, Bälle im Halbfeld besser "wegzuspielen". "Es gibt immer wieder was zu verbessern, das werden wir machen und dann schauen wir, wo es hingeht."
Mit Joakim Nyström als Trainer, Jan Velthuis als Physio und Konditionstrainer, Manager und Mentalcoach Ronnie Leitgeb sowie Michael Buchleitner (Kondition) hat Melzer einen hochprofessionellen Stab von Leuten hinter sich. Die Kosten spielten da keine Rolle. "Wenn ich so was mache, schaue ich nicht auf die Kosten. Das hat sich auch bezahlt gemacht. Nicht nur jetzt, sondern auch schon vorher", sagte Melzer.
Popularität deutlich gestiegen
In Österreich wird er eine deutlich gestiegene Popularität bemerken, vermutlich noch öfter auf der Straße erkannt werden und vermehrt Autogramme geben müssen. "Es ist schön, wenn man beide Seiten kennt. Wenn man zuerst eine am Schädel kriegt und jetzt die Seite kennenlernen darf, wo viele hinter einem stehen. Ich freue mich auf die nächste Zeit und hoffe, dass ich so weitermachen kann."
Darauf darf gehofft werden, denn eigentlich fühlt er sich auf den schnelleren Belägen noch wohler. "Normalerweise beginnt die Saison ab hier erst für mich", erinnerte sich Melzer lachend. Doch auf Rasen und Hartplatz ist sein Spiel teilweise noch effektiver, der Aufwärtstrend - auch im Ranking - sollte jedenfalls noch weiter gehen. Und - was hat Rafael Nadal noch einmal über Melzer gesagt? "Wenn er auf diesem Level weiterspielt, kann er fast jeden schlagen - oder jeden."
(apa/red)
