Mittwoch, 2. Juni 2010

Melzer greift in Paris nach dem Halbfinale: Gegen Djokovic gefährlicher Außenseiter

  • Im French-Open-Viertelfinale für Melzer alles möglich
  • Österreicher strotzt vor Duell vor Selbstvertrauen

Auf den Spuren von Thomas Muster. Viele Jahre lang war der Vergleich mit Österreichs erfolgreichstem Tennis-Spieler aller Zeiten eine schwere Last für Jürgen Melzer und Co. Doch 15 Jahre nach Musters Triumph in Roland Garros und zwölf Jahre nach dessen letztem Viertelfinale in Paris hat der 29-jährige Melzer auch die Runde der letzten Acht in der Seine-Stadt erreicht. Kann er eine Leistung wie gegen David Ferrer abrufen, dann wird er gegen den als Nummer 3 gesetzten Novak Djokovic (SRB) heute zum gefährlichen Außenseiter.

"Spielerisch gesehen sind wir wie Tag und Nacht. Ich habe seinen Stil nie imitiert, weil ich ein ganz anderes Spiel habe", beantwortete Melzer die unvermeidlichen Fragen nach Österreichs einzigen Einzel-Grand-Slam-Sieger. "Aber als Athlet war er ein Idol."

Djokovic hat sich bisher nicht als unschlagbarer Gegner gezeigt. Weder hier in Paris, noch in der Sandplatz-Saison zuvor. Ausgerechnet bei seinem Heimturnier Anfang Mai in Zagreb musste er wegen Atemproblemen gegen seinen unbekannten Landsmann Filip Krajinovic aufgeben. Probleme mit der Luft hat Djokovic immer wieder einmal gehabt in seiner Karriere. Auch beim Viersatz-Sieg über Robby Ginepri sah man den Serben des Öfteren tief durchatmen. "Nach einer langen Rallye verliert man viel Luft, das ist nichts Ungewöhnliches bei mir. Generell fühle ich mich körperlich gut", gibt Djokovic Entwarnung.

Djokovic ist auf der Hut
Vor seinem dritten Duell mit Melzer ist Djokovic auf der Hut: "Es ist sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale und er wird definitiv nicht schon aufhören wollen. Er hat jetzt überhaupt nichts zu verlieren. Niemand erwartet von ihm, dass er hier das Finale spielen wird." Daher sei Melzer besonders gefährlich. "Wir haben beide gute Chancen auf den Sieg", versuchte er die Favoritenrollen zu verteilen.

Melzer hat jedenfalls das nötige Selbstvertrauen, um hier noch einen Schritt weiter zu gehen. "Es wird ein komplett anderes Match werden. Er bekommt viele Bälle zurück, ist ein großartiger Konterspieler, aber ich habe Selbstvertrauen. Ich habe genug drauf, um da reinzugehen und ihn zu schlagen", meint Melzer.

Der seit kurzem 29-jährige Melzer wird in der Weltrangliste nach den French Open so gut wie nie liegen. Laut ATP-Informationen sollten sich die Top 20 schon im Fall einer Niederlage gegen Djokovic knapp ausgehen.

Die Bedeutung für Österreichs Tennis ist freilich weder mit Punkten noch mit Geld zu bewerten. "Für jedes Land wäre es wichtig, einen Spieler hier bei einem Grand-Slam-Turnier im Viertel- oder vielleicht sogar im Semifinale zu haben. Für Österreich speziell, weil man ja gedacht hat, jetzt kommt lange nichts nach", meinte Melzer-Manager Ronnie Leitgeb zur APA. "Man hat, finde ich, den Jürgen in der Vergangenheit schon ein bisschen totgeschwiegen oder totgeschrieben."

(apa/red)

2.6.2010 08:26