Mittwoch, 2. Juni 2010

Wahlkarten-Krimi bei Burgenland-Wahl: Für alle Parteien wird es noch einmal spannend

  • Liste Burgenland: Bei Mandatsverlust Wahlanfechtung
  • Banges Warten um letztes Mandat bei Grüne und LBL

Für die burgenländischen Parteien wird es noch einmal spannend. Mit der Auszählung der restlichen Briefwahlstimmen steht das endgültige Wahlergebnis fest. Festgelegt hat sich mittlerweile die Liste Burgenland (LBL), deren Mandat nach dem Zwischenergebnis vom Montag mit einigen wenigen Stimmen nur hauchdünn abgesichert ist. "Wenn das Mandat verfehlt wird, wird mit Sicherheit angefochten", so Wolfgang Rauter, der am vierten Landeslistenplatz der LBL kandidiert. Begründet wird dies damit, "weil aus unserer Sicht eine Reihe von Wahlanfechtungsgründen vorliegen", so Rauter.

Einerseits ortet die Liste einen Verstoß der Landtagswahlordnung gegen das Bundesverfassungsgesetz (BVG). Das BVG normiere nämlich ein Listenwahlrecht: Die Bestimmung, dass eine Vorzugsstimme die Listenstimme - also die Parteistimme - schlage, widerspreche nach Ansicht von mehreren Verfassungsjuristen dem Bundesverfassungsgesetz. "Das heißt: Hat dieses Stimmensplitting Auswirkung auf die Mandatsverteilung, fliegt nach Ansicht dieser Universitätsprofessoren und Verfassungsjuristen die Wahl." Er gehe davon aus, dass die Wahlanfechtung tatsächlich Chancen habe, so der Verfassungsrechtler Heinz Mayer.

Ein weiterer Grund seien die am Stimmzettel falsch geschriebenen Namen zweier Kandidaten der Liste. Bei einer Entscheidung aufgrund weniger Stimmen - "und es zeichnet sich ab dass es um zehn Stimmen plus minus geht" - sage der Verfassungsgerichtshof "mit Sicherheit, dass das maßgeblich war." Er habe sich Entscheidungen angesehen, der Verfassungsgerichtshof habe "bei wesentlich harmloseren Fällen aufgehoben".

LBL ortet zahlreiche Verstöße
Die LBL ortet auch in mehreren Gemeinden einen "Verstoß gegen die freie Möglichkeit der Wahlwerbung" durch Entfernen von Plakatständern der Liste durch Gemeindewahlleiter. Falls die Liste die vier Prozent verpasse, würde man sich in den Gremien bzw. bei den Kandidaten der Landesliste noch einmal zusammensetzen "und überlegen, ob wir partiell anfechten oder in einigen Gemeinden". Darüber, dass angefochten wird, wenn der Einzug versäumt wird, sei man sich schon einig.

Erfahrungsgemäß verliere zwar in der Regel eine anfechtende Gruppierung die Wahl. Im Fall der LBL sei er jedoch nicht dieser Meinung, "weil wir vor der Wahl eine demokratiepolitisch bedenklich geringe mediale Präsenz gehabt haben", sagte Rauter. Die Liste Burgenland sei nun "als relevante landespolitische Größe wahrgenommen worden und das würde uns sicherlich bei einer Neuwahl helfen."

Rasche Entscheidung
Erfahrungsgemäß entscheide der Verfassungsgerichtshof in solchen Angelegenheiten relativ schnell. Man könne damit rechnen, dass es im Spätherbst eine Wahlwiederholung im gesamten Burgenland gebe oder eben eine partielle Wiederholung.

Denkbar sei beispielsweise, dass man argumentiere, dass sich die Fehler am Stimmzettel in Lutzmannsburg ausgewirkt hätten, "weil dort Wurmbauer oder Wurmberger doch ein wesentlicher Unterschied ist. Und bei zehn, 15 Stimmen kann sich das durchaus auf das Wahlverhalten relevant ausgewirkt haben." Für den Fall, dass die Liste das Landtagsmandat relativ knapp verfehlen könnte, erhofft man sich eine Chance, mit Hilfe von einzelnen Gemeindeergebnissen das Mandat doch noch zu schaffen.

(apa/red)

2.6.2010 10:08
keinauto, 01. 06. '10 08:34
Landtagswahl Burgenland!
Wozu brauchen wir eigentlich noch Landesregierungen,
Landeshauptleute etc. etc. ?????
mundl66, 01. 06. '10 08:00
wie ist das Möglich....
das die Grünen bei jeder Briefwahl so zulegen ?
Ist nun schon sehr verdächtig und gehört überprüft!
KaiH, 02. 06. '10 14:34
Re: wie ist das Möglich....
Ein interessanter Aspekt, der hier angesprochen wird. Die Grünen legen tatsächlich bei Briefwahl- bzw. Wahlkartenstimmen stark zu. Das ist seit vielen Wahlen zu beobachten. Und meistens geht dies zu Lasten der Freiheitlichen. Eine Überprüfung ist vielleicht wirklich sinnvoll!
Bin_Maden, 02. 06. '10 17:37
Re: wie ist das Möglich....
ganz einfach zu erklären: die Grün-Wähler sind gebildeter, gehen mehr aus und halten sich mehr im Ausland auf. Zudem haben sie keine Scheu sich Wahlkarten zu besorgen. Die Blauwähler hingegen wählen am Wohnrt, sind - deren Mentalität entsprechend - eher statisch und unbeweglich.
Daher sind die Stimmenzuwächse der Grünen bei Wahlkarten und Briefwahl am relativ stärksten.
Hugoport, 31. 05. '10 16:35
Niessl und der Regenschirm
Herr Niessl hält wohl alle Wähler für DUMM. Die Demokratie ist nun endlich in Bewegung gekommen. Die Politparasiten gehören raaus geschmissen. Nur so kann das Leben in Österr. wieder interessant werden
Wir brauchen Politiker, die mit Charakter und Entschlossenheit Wertschätzung und Ehrlichkeit zum Nächstenauch tatsächlich vorleben. Lügen und Gaukeleien gehören der Vergangenheit an. Der hurtige Erwin wird dies auch bald erfahren.
donalonsoildefonso, 31. 05. '10 17:40
Re: Niessl und der Regenschirm
hmmm gibt es Politiker mit Charakter ????
keinauto, 02. 06. '10 14:39
Re: Niessl und der Regenschirm
Die gab es! Z.B. Leopold Figl oder Adolf Schärf um nur zwei zu nennen. Ab das ist tausend Jahre her!!!!
Bin_Maden, 02. 06. '10 17:49
Re: Niessl und der Regenschirm
Hugopport, wie der Fall Köhler in D. gezeigt hat, ist mit den von Dir apostrophierten Eigenschaften alleine nicht zu reüssieren. Er war Polit-Amateur und beim Volk beliebt, zerbrach aber an der Schlangengrube namens Politik. In einer globalisierten Welt bedarf es einer gewissen Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit und Hinterlist. So bedauerlich diese Entwicklung auch ist, umkehren lässt sie sich nicht mehr.