Deutscher Präsident Köhler zurückgetreten:
Kritik an umstrittenen Afghanistan-Aussagen
- Konsequenz aus mangelndem Respekt für sein Amt
- Ratspräsident Böhrnsen übernimmt vorübergehend

·Köhlers umstrittene Interviewäußerungen
Afghanistan-Interview wird zu seinem Waterloo
·Gregor Gysi: "Ich bedauere den Schritt"
REAKTIONEN zum Rücktritt von Köhler
·Erster Nicht-Politiker im höchsten Staatsamt
Horst Köhler - erst vor einem Jahr wiedergewählt
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat in einem historisch einmaligen Schritt seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund sind umstrittene Äußerungen des Staatsoberhaupts über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler in Berlin. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen.
Köhler sagte, er habe Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (SPD) über seinen Schritt informiert. Böhrnsen übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte. Der Bundesrat ist die Länderkammer in Deutschland. Sein Präsident ist protokollarisch der zweite Mann im Staat.
Tränen in den Augen
Köhler sprach seine kurze Rücktrittserklärung in seinem Amtssitz Schloss Bellevue. An seiner Seite stand Ehefrau Eva Luise. Beim Verlesen der kurzen Erklärung standen dem Staatsoberhaupt Tränen in den Augen. Streckenweise versagte ihm die Stimme.
Heftige Debatte ausgelöst
Köhler hatte Auslandseinsätze der Bundeswehr auch mit der Wahrung deutscher Wirtschaftsinteressen begründet und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Später ließ er seine Äußerungen präzisieren. Ein Sprecher sagte in der vergangenen Woche, die Afghanistan-Mission sei nicht gemeint gewesen.
(apa/red)
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