Israelische Armee stürmt Gaza-Hilfsflotte:
Mehrere Menschen bei Militäraktion getötet
- Palästinenser-Präsident Abbas spricht von "Massaker"
- Türkei zieht Botschafter aus Israel ab. Plus: VIDEO

·Israelische Armee stürmt Gaza-Flotte
VIDEO: 10.000 Tonnen Hilfsgüter an Bord
·Der ewige Konflikt
im Nahen Osten
Chronologie: Frieden
als ein unnahbares Ziel
Die israelischen Streitkräfte haben einen internationalen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für den Gazastreifen gestürmt und mindestens neun Aktivisten getötet. Mehrere Dutzend Menschen, darunter einige Soldaten, wurden nach Angaben der Streitkräfte verletzt. Die internationale Gemeinschaft reagierte empört, die Türkei berief ihren Botschafter ab.
Was genau sich in den frühen Morgenstunden im Mittelmeer abspielte, war unklar. Ein Reporter berichtete von einem der Schiffe, die Israelis hätten schon geschossen, bevor sie an Bord gekommen seien. Die israelischen Streitkräfte wiederum erklärten, die Soldaten seien mit Messern, Eisenstangen und scharfer Munition attackiert worden. Verteidigungsminister Barak machte die Organisatoren des Hilfskonvois für die Gewalt verantwortlich. Er sprach von einer "politischen Provokation".
Die Organisation "Free Gaza", die den Konvoi zusammengestellt hatte, nannte das israelische Vorgehen "abscheulich". Über die Identität der Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Österreicher sollen laut dem Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal nicht an Bord sein. An Bord der Flottille waren etwa 700 Menschen, darunter europäische Politiker. Zu den Prominenten, die die internationale Aktion unterstützen, gehört der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell. Er soll an Bord des gestürmten türkischen Passagierschiffes "Marmara" gewesen sein. Die sechs Schiffe, auf denen sich 10.000 Tonnen Hilfsgüter befanden, wurden von der israelischen Marine ins Schlepptau genommen und in die Hafenstadt Ashdod eskortiert.
Internationale Empörung
Türkische Aktivisten hatten an der "Solidaritätsflotte" großen Anteil. In der Türkei war die Empörung über das israelische Vorgehen darum besonders groß. Der türkische Botschafter wurde aus Israel abberufen, drei gemeinsame Militärmanöver mit Israel wurden abgesagt. In Istanbul zogen etwa zehntausend Türken vom israelischen Konsulat zum Stadtzentrum. Auch in Athen und Paris kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Vor der israelischen Botschaft in Athen demonstrierten rund 2.500 Menschen, in der französischen Hauptstadt nahmen rund 1.200 Menschen teil.
Die EU verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung". Europäische Länder verlangten Aufklärung von den israelischen Botschaftern.
(apa/red)
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