Elftal trifft auf Stammgäste: Niederlande beginnen Mission "WM-Titel" in Gruppe E
- Dänemark noch nie in WM-Vorrunde ausgeschieden
- Kamerun und Japan Stammgäste in Gruppenphase

Die niederländische Fußball-Nationalmannschaft trat in der Vergangenheit bei Großereignissen meist spektakulär, aber in den entscheidenden Momenten zu nervenschwach und undiszipliniert auf. Das Zeug, nach dem EM-Triumph 1988 endlich den ersten WM-Titel zu holen, hat die Truppe von Teamchef Bert van Marwijk auch 2010. In der Gruppenphase muss sich die Elftal aber zuerst gegen Dänemark, Kamerun und Japan durchsetzen.
Niederlande
"Wir haben eine Mission, den WM-Titel", erklärte Ex-Teamspieler Frank de Boer, der Assistent von Van Marwijk. Mit acht Siegen in acht Spielen der Qualifikations-Gruppe 9 durchaus glaubwürdig. Die Elftal hatte sogar als erstes Team Europas das Ticket nach Südafrika gelöst. Eine WM-Quali ohne Punkteverlust war zuletzt 1982 Deutschland gelungen, das damals dann bis ins Endspiel vordrang.
Das 4-2-3-1-System von Marco van Basten hat Van Marwijk übernommen, ansonsten unterscheidet sich der 56-jährige Ex-Coach von Feyenoord Rotterdam und Borussia Dortmund aber deutlich von seinem Vorgänger. Ruhig und umgänglich sucht Van Marwijk aufgrund der begrenzten Zeit in den Teamcamps den intensiven Kontakt mit seinen Akteuren.
Alleine ein Blick auf die Offensivabteilung mit Namen wie Arjen Robben, Wesley Sneijder, Robin van Persie, Rafael van der Vaart oder Dirk Kuyt lässt Fußball-Fans mit der Zunge schnalzen. Davon können sich auch die Fans in Österreich ein Bild machen, wenn sich die Niederländer von 19. Mai bis 1. Juni in Seefeld auf die WM vorbereiten. Allerdings sind fast alle Schlüsselspieler der Oranjes äußerst verletzungsanfällig.
Die Vorrunden-Gruppe E scheint für die Niederländer lösbar zu sein, es warten Dänemark, Kamerun und Japan. Doch damit soll die WM erst richtig los gehen, das fordert auch Van der Vaart: "Wir haben Weltklassespieler von den größten Clubs wie Real Madrid, Inter Mailand, Ajax Amsterdam oder Bayern München in unserem Kader. Ich bin der Meinung, dass wir auf Gold losgehen sollten."
Kamerun
20 Jahre ist es her, dass mit Kamerun erstmals eine afrikanische Mannschaft bei einer Fußball-Weltmeisterschaft für Furore gesorgt hat. 1990 in Italien drangen die "Unbezähmbaren Löwen" bis ins Viertelfinale vor, wo sie sich den Engländern erst nach Verlängerung geschlagen geben mussten. Roger Millas damalige Freudentänze an der Cornerfahne sind noch immer in lebhafter Erinnerung.
Der zu diesem Zeitpunkt 38-Jährige, mittlerweile Werbeträger, Präsidentenberater und WM-Botschafter seines Landes, beförderte Kamerun mit je einem Doppelpack gegen Rumänien und Kolumbien in die Runde der besten Acht. Vier Jahre später kürte sich die Kultfigur des afrikanischen Fußballs zum ältesten WM-Torschützen der Geschichte, als er beim 1:6 gegen Russland traf.
Bei der Endrunde 1994 in den USA hieß es für die Kameruner allerdings ebenso nach der Gruppenphase Abschied nehmen wie bei ihrer ersten Teilnahme 1982 sowie 1998 (als Gruppengegner des ÖFB-Teams) und 2002. Die vergangene WM in Deutschland versäumten die Zentralafrikaner, weil sie durch Pierre Wome gegen Ägypten kurz vor dem Schlusspfiff einen Elfmeter vergaben.
Nun sinnt der vierfache Afrika-Cup-Sieger, der ohne Salzburg-Legionär Somen Tchoyi die Reise in den Kap-Staat antritt, auf Revanche. Nach anfänglichen Problemen in der Qualifikation steigerte sich Kamerun mit dem Amtsantritt des französischen Trainers Paul Le Guen, wie auch das österreichische Nationalteam im vergangenen August beim 0:2 in Graz feststellen musste. Das Ticket für Südafrika wurde schließlich noch relativ problemlos gelöst - vor allem dank Superstar Samuel Eto'o von Inter Mailand, auf dem die Hoffnungen seiner knapp 19 Millionen Landsleute liegen.
Allerdings misslang die Generalprobe: Beim diesjährigen Afrika-Cup in Angola scheiterte der Mitfavorit bereits im Viertelfinale am späteren Sieger Ägypten, was dem Optimismus dennoch keinen Abbruch tat. "Wir sind eine gefährliche Mannschaft, weil wir eine gute Mischung von Spielern haben", behauptet Eto'o mit dem Hinweis auf Mitspieler wie Alexandre Song (Arsenal) oder Jean Makoun (Olympique Lyon).
Eine gute Mischung wird auch nötig sein, um sich in Gruppe E im Kampf um Platz zwei gegen Dänemark und Japan durchsetzen zu können. Als großer Favorit auf den Pool-Sieg gehen die Niederlande ins Rennen.
Dänemark
Der EM-Titel als bisher größter Erfolg in der Geschichte des dänischen Fußball-Nationalteams liegt 18 Jahre zurück, bei Weltmeisterschaften steht ein Viertelfinale 1998 zu Buche. Dorthin würden die Dänen auch in Südafrika gerne kommen. Die Elf der Dansk Boldspil-Union bekommt es mit Japan, Kamerun und den Niederlanden zu tun, der Achtelfinaleinzug ist ein nicht unlösbares Unterfangen. In der WM-Vorbereitung kassierte die Mannschaft von Morten Olsen im März im Happel-Stadion eine 1:2-Niederlage gegen Österreich.
Die Dänen sind bisher bei WM-Endrunden noch nie in der Vorrunde ausgeschieden. 1986 und 2002 war im Achtelfinale Endstation, 1998 ging es noch eine Runde weiter. In der Qualifikation haben die Dänen jedenfalls beeindruckt. Das Ticket für die Endrunde in Südafrika sicherte sich "Danish Dynamite" dank des ersten Platzes in einer Gruppe mit Gegnern wie Portugal, Schweden oder Ungarn.
Leistungsträger in der Qualifikation, in der von zehn Partien nur eine verloren wurde, waren neben dem zuletzt allerdings verletzten Christian Poulsen (Juventus) unter anderem Nicklas Bendtner (Arsenal), Dennis Rommedahl (Ajax) oder Daniel Agger (Liverpool).
Nach sechsjähriger Abwesenheit ob der verpassten Teilnahmen für die WM in Deutschland 2006 und die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz ist die Hoffnung auf Glanztaten im internationalen Rampenlicht groß: "Wenn wir uns in unserer Gruppe nicht für die nächste Runde qualifizieren, wäre das eine große Enttäuschung", sagte Bendtner. Der 22-jährige Stürmer aus Kopenhagen gilt als aktuell größtes Talent im Lande und war Fußballer des Jahres 2009, in der Champions-League-Saison 2009/10 traf er fünfmal für Arsenal.
Als stärkste dänische Mannschaft der Geschichte gilt jene von Mitte der 1980er-Jahre, in der Stars wie Michael Laudrup oder Preben Elkjär-Larsen mit spektakulärem Offensiv-Fußball für Furore sorgten. Abwehrchef war damals der jetzige Teamchef Olsen, der es in 102 Länderspielen auf vier Treffer brachte. Olsen verlängerte seinen Vertrag bereits bis zur Europameisterschaft 2012.
Japan
Japan hat sich als Stammgast bei Fußball-Weltmeisterschaften etabliert. Viermal in Folge haben sich die Japaner qualifiziert, wirklich eingeschlagen haben sie bei WM-Turnieren aber noch nicht. Die Achtelfinal-Teilnahme bei der Heim-WM 2002 ist bisher der Höhepunkt gewesen, in einer Gruppe mit Kamerun, den Niederlanden und Dänemark sind die Japaner auch im Juni in Südafrika nur Außenseiter.
Dabei hatte sich Japan als erstes Team überhaupt für die Endrunde qualifiziert. Die Konkurrenz in Asien ist dünn gesät, wie Gruppensieger Australien waren die Japaner bereits zwei Runden vor Schluss als WM-Teilnehmer festgestanden. Trotzdem geriet Trainer Takeshi Okada, der die Japaner bereits bei deren erster WM 1998 betreut hatte, nach schwachen Leistungen seines mit nur wenigen Legionären bestückten Teams zuletzt immer mehr in die Kritik.
Die Rufe nach einem ausländischen Coach waren laut geworden - nach einem wie dem Franzosen Philippe Troussier, der "Nippon" 2002 ins Achtelfinale geführt hatte, und vor allem nach einem wie Ivica Osim. Der bosnische Trainer-Philosoph hatte das Teamchef-Amt nach einem Schlaganfall im November 2007 an Okada abgeben müssen. Nach längerer Reha in Sarajevo lebt Osim wieder in Graz, wo er mit Sturm einst große Erfolge gefeiert hatte, ist Berater des japanischen Verbandes und bei der WM womöglich als TV-Experte tätig.
Japans Team wird großteils aus der J-League rekrutiert. Selbst international bekannte Namen wie Shunsuke Nakamura und Junichi Inamoto waren zuletzt in die Heimat zurückgekehrt. Mit Makoto Hasebe (Wolfsburg), Keisuke Honda (ZSKA Moskau), Takayuki Morimoto (Catania) und Daisuke Matsui (Grenoble) verdienen nur vier Stammkräfte ihr Geld in Europa. Die Ex-Salzburg-Legionäre Tsuneyasu Miyamoto und Alex haben keinen Platz mehr im Team.
2006 in Deutschland hatten die Japaner durch ein 0:0 gegen Kroatien nur einen einzigen Punkt geholt, in Südafrika wollen sie ihre physischen Defizite mit spielerischer Qualität übertünchen. "Es wird nicht allzu viele Teams geben, die wir dominieren werden", meinte Okada. "Aber wir sind sehr schnell und können sehr weit kommen." Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte er sogar vom Halbfinale gesprochen - Japan zwischen Anspruch und Wirklichkeit. (apa/red)


















