Freitag, 28. Mai 2010

Italien und Türkei haben das Nachsehen: Frankreich erhält Zuschlag für die EM 2016

  • Endrunde findet erstmals mit 24 Mannschaften statt
  • Franzosen werden zum dritten Mal Gastgeber der EM

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 findet in Frankreich statt. Die Franzosen haben sich in Genf gegen die Mitbewerber Türkei und Italien durchgesetzt und dürfen nach 1960 und 1984 als erstes Land die EURO zum bereits dritten Mal ausrichten. 2016 werden erstmals 24 Teams an einer EM teilnehmen, die Chancen Österreichs auf die Qualifikation sind also zumindest mathematisch größer denn je.

Die Entscheidung durch das Exekutivkomitee der UEFA war ein Krimi, in dem sich die Franzosen (auch WM-Gastgeber 1938 und 1998) denkbar knapp gegen die Türken durchsetzten. Im zweiten Wahlgang votierten die 13 Mitglieder mit 7:6 Stimmen pro Frankreich. Der dritte Kandidat Italien war bereits im ersten Wahlgang gescheitert, da hatte Frankreich 43, die Türkei 38 und Italien 23 Stimm-Anteile erhalten. Die Exekutivmitglieder konnten hier ihre Stimmen unterschiedlich gewichten. UEFA-Präsident Michel Platini, 1984 mit Frankreich Europameister, war aufgrund seiner Nationalität ebenso nicht wahlberechtigt wie Senes Erzik und Giancarlo Abete.

Prominente Unterstützung
"Ich gebe zu, dass das kein einfacher Moment für mich ist", sagte Platini später bei der Pressekonferenz im Espace Hippomene zu Genf. "Aber natürlich bin ich sehr glücklich", meinte Platini, der sich dann noch ganz als Diplomat gab: "Ich bin ein großer Freund der Türkei, trage einen italienischen Namen und bin französischer Staatsbürger." Bei der jeweils 30-minütigen letzten Präsentation der Bewerbung hatten sich u.a. Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der ehemalige französische Nationalspieler Zinedine Zedane für ihre Heimat stark gemacht. Die türkische Delegation wurde ebenfalls von Präsident Abdullah Gül angeführt, die italienische von Staatssekretär Rocco Crimi.

Die Türkei könnte daran gescheitert sein, dass es im Vorfeld der nächsten EM 2012 in Polen und der Ukraine zahlreiche gewaltige Problemfelder gibt. Deshalb könnten einige Stimmberechtigte weg vom neuerlichen Experiment Türkei und hin zum erprobten Frankreich geschwenkt sein. Damit müssen die Türken, in der kommenden EM-Quali Gegner Österreichs, weiter auf ihr erstes Großereignis im eigenen Land warten. Die türkische Regierung wollte eine Milliarde Euro in die Stadionprojekte und rund 20 Milliarden Euro in die Infrastruktur und öffentlichen Verkehrsmittel pumpen.

Politur für Frankreichs Stadien
Die Franzosen werden geschätzte 1,7 Milliarden Euro in die Spielstätten investieren und somit ihre Stadien ähnlich wie Deutschland im Rahmen der WM 2006 gehörig aufpolieren. Frankreich hat für die EM zwölf Stadien im Talon, drei davon sollen als Ersatz dienen. Frankreichs EM-Stadien stehen in Paris (Parc des Princes und Stade de France), Lens, Lille, Bordeaux, Nizza, Toulouse, Marseille, Lyon, Straßburg, Saint Etienne und Nancy.

Daheim in Frankreich waren die meisten Menschen aus dem Häuschen. "Erinnern wir uns nur an die WM 1998, so viel Fröhlichkeit hatten wir auf den Champs-Elysees seit der Befreiung von Paris im zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen", sagte der berühmte Fußball-Kommentator Thierry Roland. So ein Turnier lasse die Probleme des Alltags vergessen. Roland betonte, der französische Fußball habe die EM dringend nötig gehabt. "Unsere Stadien sind ja total veraltet, wir werden endlich einen modernen Fußball in der Ligue 1 sehen, der ganzen Familien mit Kindern den Besuch von Spielen gestatten wird."

(apa/red)

28.5.2010 15:12