Gemischte Gefühle nach Burgenland-Wahl:
Freude bei SP, VP & FP hält sich in Grenzen
- SPÖ trotz Verlusten "zufrieden", FPÖ nicht unbedingt
- ÖVP-Spitzenmann Steindl will Endergebnis abwarten
·Böses Erwachen für Niessl im Burgenland
Landtagswahl: SPÖ büßt die absolute Mehrheit ein

Gespannt verfolgten Spitzenkandidaten und Parteifunktionäre der Landtagsparteien im Eisenstädter Landhaus die ersten Hochrechnungen. Während ÖVP-Chef Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl sich abwartend zeigte, hegten die Freiheitlichen die Hoffnung, die prozentuelle Zweistelligkeit doch zu schaffen. Die Grünen hoffen noch auf eine Ergebnis-Verbesserung durch die Wahlkarten, der Spitzenkandidat der Liste Burgenland zeigte sich trotz des klaren Verfehlens der Vier-Prozent-Marke weiterhin zuversichtlich, den Einzug in den Landtag doch noch zu schaffen.
Gehofft wird auch bei der SPÖ. Klubobmann Christian Illedits sieht noch die Option auf das Erreichen des 19. Mandats: "Die Chance lebt, wir könnten es noch machen", verwies er auf den aktuellen Auszählungsgrad. Mit dem derzeitigen Ergebnis zeigte er sich "zufrieden": "Wir haben einen guten Wahlkampf geführt. Die Menschen haben die Themen, auf die wir gesetzt haben, goutiert." Natürlich habe man sich die Latte im Wahlkampf hoch gelegt. Immerhin habe man das zweitbeste sozialdemokratische Ergebnis im Burgenland erreicht.
ÖVP wartet ab
Als die Zahlen für die ÖVP präsentiert wurden, herrschte Stille. "Abwarten" meinte in einer ersten Reaktion der Landeshauptmannstellvertreter. "Es ist noch nicht ganz ausgezählt und ich möchte am Boden bleiben", sagte der VP-Spitzenkandidat: "Erst wenn wirklich alles ausgezählt ist, dann können wir uns freuen."
Fünf Minuten vor der 16-Uhr-Hochrechnung wurde es im Büro des Landeshauptmannstellvertreters recht voll. Der VP-Chef sowie Klubobmann Rudolf Strommer, Nationalratsabgeordneter Oswald Klikovits und zahlreiche Sympathisanten der Volkspartei warteten interessiert auf die Zahlen. Ein lautes "Bravo" und Applaus brandete auf, als die Hochrechnung für die SP den Verlust der absoluten Mehrheit in Aussicht stellte.
Tschürtz: "Spannende G'schicht"
Gefasst blickte FPÖ-Spitzenkandidat Johann Tschürtz auf den Bildschirm mit der Hochrechnung. "Spannende G'schicht", meinte er, umgeben von etwa 30 Gleichgesinnten zu den Ergebnissen. "Jawohl" ertönte es aus der Menge, das von lautem Klatschen übertönt wurde, als es hieß, dass die SPÖ wahrscheinlich die absolute Mehrheit verlieren wird. An der Hoffnung, die "prozentuelle Zweistelligkeit" noch zu erreichen, hielt Tschürtz nach wie vor fest. In der Partei wolle man, egal ob zweistellig oder nicht, den "Kopf nicht in den Sand stecken."
Der FPÖ-Chef nahm auch schon Bezug auf den nächsten Urnengang in fünf Jahren, worauf man jetzt einen noch stärkeren Fokus legen möchte. Dass die Liste Burgenland (LBL) der FPÖ einige Stimmen kostete, nimmt Tschürtz vor allem dem Spitzenkandidaten der LBL, Manfred Kölly, übel: "Für Kölly hat sich dadurch ein Lebenstraum erfüllt", ist er überzeugt. "Das geht sich sicherlich nicht aus", meinte er angesichts der Tatsache, dass eines seiner Ziele - einen Landesrat zu stellen - nun auf Eis liegt. Dies sei ohnehin nur ein "Überziel" gewesen, so der freiheitliche Spitzenkandidat.
Schweigen bei den Grünen
Angespanntes Schweigen in Erwartung der ersten öffentlichen Hochrechnung herrschte kurz vor 16.00 Uhr in der Wahlzentrale der Burgenländischen Grünen. Die 4,0 Prozent und damit der Verlust von 1,2 Prozentpunkten sorgten für betretene Mienen unter den etwas mehr als zehn anwesenden Funktionären und Sympathisanten. Man werde sich aber durch die rund 20.000 Wahlkarten, bei denen die Grünen traditionell stark seien, noch verbessern, so der Tenor der Anwesenden.
Listenzweite Grete Krojer, die nach dem Stand der Hochrechnung ihr Mandat verlieren würde, zeigte sich "persönlich enttäuscht". Die Grünen seien die einzigen gewesen, die sich gegen den Rechtspopulismus und für Menschlichkeit im Burgenland eingesetzt hätten. "Leider hat die populistische Politik des Landeshauptmannes der FPÖ mehr geholfen", beklagte Krojer.
Hoffnung bei der Liste Burgenland
Die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat Manfred Kölly, der Spitzenkandidat der Liste Burgenland (LBL). Obwohl die Hochrechnung für die LBL mit 3,5 Prozent doch einen deutlichen Abstand zur Vier-Prozent-Marke ergab, meinte Kölly: "Ich glaube schon, dass wir es noch schaffen können." Schließlich seien Gemeinden, in denen die Liste stark sei, noch nicht ausgezählt. So fehlten zunächst etwa noch Deutschkreutz, Köllys Heimatgemeinde und Bad Sauerbrunn, wo mit Gerhard Hutter ein zweiter Ortschef für die Liste Burgenland kandidierte. Auch auf die Briefwahl-Stimmen gibt der Spitzenkandidat noch einiges.
(apa/red)
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